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Amerikas Waffenproblem : Sieben Angriffe in sieben Tagen

  • -Aktualisiert am

Anteilnahme: In Boulder wurde auch ein Polizist getötet. Bild: Reuters

In den Vereinigten Staaten sind mehr Waffen in privatem Besitz, als es Einwohner gibt. Nach den jüngsten Gewalttaten wollen die Demokraten die Kontrollen verschärfen. Doch sie scheitern an den Republikanern – und eigenen Senatoren.

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          Ahmad A. soll seelische Probleme gehabt haben, er soll schon einmal wegen eines tätlichen Angriffs belangt worden sein, er sei in der Schule gehänselt worden. Am Tag nachdem der Verdächtige in einem Supermarkt in Boulder in Colorado zehn Menschen erschossen haben soll, sprechen seine Verwandten und Freunde mit Journalisten. Und auch, wenn die Polizei bislang angibt, noch kein Motiv für die mutmaßliche Tat des 21 Jahre Jahre alten Einwanderers aus Syrien zu haben, steht eines wohl fest: Seine möglichen Probleme hätte er nicht so gewaltsam ausleben können, wenn man ihm nicht ein paar Tage zuvor eine halbautomatische Waffe verkauft hätte.

          Gerade erst hatte ein Gericht eine Sperre dieser Gewehre in der Stadt für ungültig erklärt – ein vergeblicher Versuch, als Kommune eigene politische Wege in Richtung Sicherheit zu gehen. Hier, in Colorado, hatten zwei Schüler an der Columbine High School in Littleton 1999 zwölf Menschen erschossen. Die Reaktion darauf waren bundesweit nicht schärfere Waffengesetze, sondern immer mehr Amoklauf-Übungen, schon von der Grundschule an. Und die jüngste Tat in dem Ort am Fuße der Rocky Mountains war bereits die siebte Massenschießerei in sieben Tagen im ganzen Land, berichtete der Sender CNN.

          Republikaner: Waffen geben Sicherheit

          Die Tat in Boulder geschah, als viele Menschen im Land noch über die Morde in Atlanta in der Vorwoche sprachen, wo ein Mann sieben Frauen und einen Mann in Massagesalons erschossen hatte. Präsident Joe Biden forderte bessere Kontrollen beim Verkauf von Revolvern und Gewehren. Biden ist auch für das Verbot so genannter kriegsähnlicher Waffen – in Boulder und bei vielen anderen Massenmorden verwendeten die Täter solche Gewehre.

          Biden hatte das letzte Verbot federführend als Senator unterstützt, das seit 1994 galt und zehn Jahre später nicht verlängert wurde. „Wir müssen handeln“, sagte er am Dienstag. Es gehe darum, Leben zu retten. Der Senat müsse nun die Gesetzesentwürfe verabschieden, die die Hintergrund-Checks für Waffenkäufer verschärfen sollen, forderte Biden. Der ehemalige Präsident Barack Obama veröffentlichte eine Stellungnahme, in der er „Entfremdung, Rassismus und Frauenhass“ für viele der Massenmorde verantwortlich machte und ebenfalls dazu aufforderte, den Zugang zu schweren Waffen zu begrenzen.

          „Wir müssen handeln“: Der amerikanische Präsident Joe Biden spricht sich für mehr Waffenkaufkontrollen aus.
          „Wir müssen handeln“: Der amerikanische Präsident Joe Biden spricht sich für mehr Waffenkaufkontrollen aus. : Bild: EPA

          Die Demokraten hatten mit ihrer Mehrheit im Abgeordnetenhaus unter anderem strengere Überprüfungen für private und kommerzielle Waffenkäufe beschlossen. Im Senat fand am Dienstag eine bereits vorher geplante Anhörung zum Thema statt. Demokraten und Republikaner diskutierten entlang der bekannten Konfliktlinien. Wie Biden forderte etwa der demokratische Senator Dick Durbin aus Illinois dazu auf, sich aus der Taubheit und Resignation zu lösen, die die „andere Epidemie“ der Waffengewalt auslöse. Über Parteigrenzen hinweg müsse man sich angesichts von mehreren Tausend Toten jährlich auf strengere Regeln verständigen.

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