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Vorwahlkampf der Republikaner : Partei ohne Schwergewichte

Kopf an Kopf: Die republikanischen Kandidaten Rick Santorum (links) und Mitt Romney Bild: AFP

In den Vereinigten Staaten herrscht Wechselstimmung. Aber die Republikaner gehen dreigespalten in das Wahljahr. Mitt Romney vertritt nur die bedrängte Mitte der Partei.

          8 Min.

          Nick De La Cruz und Dallas Burke sind nicht zum Kegeln gekommen. Die Bowlingbahn im Hotel „Blackhawk“ in der East Third Street von Davenport ist ohnedies geschlossen - von acht bis zehn Uhr abends wegen einer „Privatveranstaltung“, wie es auf einem Zettel an der Tür heißt. Die beiden 21 Jahre alten Studenten haben Semesterferien und sind für diese „Privatveranstaltung“ aus Austin in Texas und Joplin in Missouri in ihre Heimatstadt im Osten Iowas zurückgekehrt. Wenn sie in gut anderthalb Jahren fertig sind mit dem Studium - Nick ist Jurist, und Dallas strebt mit den Fächern Geschichte und Sport das Lehramt an -, werden die Freunde in Davenport einen Job suchen. Ihre Aussichten sind nicht einmal schlecht. In der Stadt am Fluss Mississippi mit 100.000 Einwohnern, die von der Agrarwirtschaft, vom Maschinenbau und vom Handel lebt, liegt die Arbeitslosenquote bei 6,7 Prozent und damit fast zwei Prozentpunkte unter dem Landesdurchschnitt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Nick und Dallas sind zur Kegelbahn des Hotels „Blackhawk“ gekommen, um dort den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Newt Gingrich zu sehen. Doch statt einer feurigen Rede bekommen sie bei dem Wahlkampfauftritt Gingrichs nur ein paar müde Bemerkungen über den drolligen Veranstaltungsort und über den Wahlprozess überhaupt zu hören. Die Präsidentenwahlen seien bekanntlich ein Marathon und kein Sprint, sagt Gingrich. Und dann bietet der Kandidat dem überschaubaren Publikum an, sich jeweils mit ihm und Ehefrau Callista fotografieren zu lassen. Vielleicht weil es sonst nichts zu hören und zu holen gibt, machen die meisten von dem Angebot Gebrauch. Manche haben zudem Bücher Gingrichs mitgebracht und lassen sie signieren. Nach kaum einer halben Stunde ist der Foto- und Signiertermin, der ohnehin mit anderthalb Stunden Verspätung begonnen hat, schon wieder vorbei.

          „Viel zu extrem“

          Die Studenten Nick und Dallas hat der Kandidat Gingrich nicht überzeugt. Viele andere Wähler in Iowa bei der Vorwahl vom vergangenen Dienstag auch nicht. Mit gut 13 Prozent der Stimmen erreichte Gingrich, der von Januar 1995 bis Anfang 1999 als „Sprecher“ des Repräsentantenhauses in Washington die Nemesis des demokratischen Präsidenten Bill Clinton war, nur den vierten Rang. Mit jeweils 25 Prozent und gut 30.000 Stimmen kamen Mitt Romney und Rick Santorum auf die ersten beiden Plätze, wobei Romney gerade einmal acht Stimmen mehr erhielt. Der libertär-isolationstische Abgeordnete aus Texas Ron Paul wurde mit einem Stimmenanteil von 21,5 Prozent Dritter. Der texanische Gouverneur Rick Perry, der trotz einer aggressiven und teuren Wahlkampagne mit 10,3 Prozent der Stimmen auf Rang fünf landete, sagte für die kommenden Tage alle Wahlkampfauftritte in New Hampshire ab und fuhr vorerst nach Texas zurück. Die Abgeordnete aus Minnesota Michele Bachmann, die in Waterloo in Iowa geboren wurde und mit 5,1 Prozent der Stimmen dennoch nur Sechste wurde, gab noch am Mittwoch in Des Moines das Ende ihrer Bewerbung bekannt.

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          Keinem dieser Politiker würden Nick und Dallas jemals ihre Stimme geben. Im November 2008 haben sie bei der ersten Präsidentenwahl, an der sie teilnehmen durften, für Barack Obama gestimmt. Das wollen sie auch im November wieder tun. Weil sich der Präsident keiner innerparteilichen Konkurrenz stellen muss und bei den Demokraten also keine Vorwahlen stattfinden, nutzen die Jungwähler Nick und Dallas die Gelegenheit, sich möglichst viele Politiker der oppositionellen Republikaner aus der Nähe anzuschauen. „Nur bei einem Einzigen würde ich jemals erwägen, ihm meine Stimme zu geben: Jon Huntsman“, sagt Nick De La Cruz, der sich in einigen Jahren selbst in der Politik versuchen will - bei den Demokraten, versteht sich. „Die anderen Kandidaten der Republikaner sind alle viel zu extrem“, pflichtet ihm Dallas Burke bei.

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