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Vorwahlen in Amerika : Protestanten für Trump, Katholiken für Clinton

  • Aktualisiert am

Protestschilder einer religiösen Gruppe, die Ende Juni in New York gegen Donald Trump demonstrierte. Bild: dpa

Donald Trump wird von den Wählern nicht als besonders religiös empfunden – trotzdem hat er bei den Protestanten in einer neuen Umfrage die Nase vorn. Andere religiöse Gruppen machen derweil mächtig Stimmung gegen ihn.

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          Die Religion spielt bei der kommenden Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten wieder eine große Rolle: Nach einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts „Pew Research Center“ wollen vor allem weiße Protestanten, darunter viele Evangelikale, mehrheitlich für den Republikaner Donald Trump stimmen. Katholische Christen, schwarze Protestanten und nicht-religionsgebundene Wähler hingegen sprachen sich bei der am Mittwoch in Washington veröffentlichten „Pew“-Umfrage für die demokratische Anwärterin Hillary Clinton aus. Insgesamt liege Clinton zurzeit mit 51 Prozent vor Trump (42 Prozent). Gewählt wird am 8. November.

          Für die Umfrage hat das „Pew Research Center“ zwischen dem 15. und 26. Juni 2245 Amerikaner telefonisch auf Englisch und Spanisch befragt. Die Ergebnisse entsprechen weitgehend dem Stimmverhalten bei der Präsidentenwahl im Jahr 2012. Bemerkenswert sei, dass weiße Evangelikale Trump mit großer Mehrheit unterstützten, obwohl namhafte Theologen und Kirchenführer ihre Bedenken über dessen Lebensstil geäußert haben. Laut der Umfrage wollen 78 Prozent der weißen Evangelikalen Trump wählen. 50 Prozent der weißen „Mainline“-Protestanten seien für den Republikaner und 39 Prozent für die Demokratin Hillary Clinton.

          Die befragten weißen Evangelikalen gaben mit großer Mehrheit an, Trump sei für die Sicherheit des Landes, die Waffengesetze, Wirtschaft, Handel und Einwanderung der bessere Kandidat. Nur bei der Frage, wer besser mit den gespannten Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen umgehen könne, waren die weißen Evangelikalen unentschieden. 44 Prozent von ihnen sagten, dass Clinton dafür die bessere Kandidatin sei. 46 Prozent stimmten für Trump. Insgesamt wollen 45 Prozent der befragten weißen Evangelikalen allerdings Trump wählen, um Clinton als Präsidentin zu verhindern. Nur 30 Prozent der Befragten aus dieser Gruppe gaben an, aus Überzeugung für Trump zu stimmen.

          Trump gilt nicht als besonders religiös

          56 Prozent der Katholiken wollen Clinton wählen und 39 Prozent Trump, heißt es weiter. Der Vorsprung der Demokratin stamme von der überwältigenden Zustimmung hispanischer Katholiken (77 Prozent für Clinton). Weiße Katholiken sprachen sich zu 46 Prozent für Clinton und zu 50 Prozent für Trump aus. 89 Prozent der schwarzen Protestanten und 67 Prozent der Religionslosen seien für Clinton. Laut der Erhebung sind 49 Prozent der registrierten Wähler Protestanten, 21 Prozent seien nicht religionsgebunden und 20 Prozent Katholiken. Die übrigen gehören nicht-christlichen Religionsgruppen an.

          Verkündet ihr Wahlkampfprogramm auch von der Kanzel: Hillary Clinton
          Verkündet ihr Wahlkampfprogramm auch von der Kanzel: Hillary Clinton : Bild: AP

          62 Prozent der Befragten sagten bei der Erhebung, ihnen sei es wichtig, dass ein Präsident eine „feste religiöse Überzeugung“ habe. 2012 vertraten 67 Prozent diese Auffassung, 2008 waren es 72 Prozent. In einer weiteren Umfrage des Instituts vom Januar gaben nur 30 Prozent der Befragten an, dass sie Trump als religiös empfinden – der niedrigste Wert sowohl unter den republikanischen als auch unter den demokratischen Kandidaten. Daran zeichnet sich ein Wandel im amerikanischen Wahlkampf ab: Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre es undenkbar gewesen, dass jemand, der als kaum religiös empfunden wird, Präsident werden kann.

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