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Vorwahlen in Amerika : Kreisförmiges Erschießungskommando

  • -Aktualisiert am

Die Kandidaten der Republikaner Jeb Bush, Marco Rubio, Donald Trump und Ted Cruz im Clinch gegeneinander. Bild: AFP

Gouverneure gegen Senatoren, Ideologen gegen Macher: Wie sich die Republikaner in New Hampshire gegenseitig schwächen – und damit den Demokraten in die Hände spielen.

          7 Min.

          Am Anfang nennt Jeb Bush keine Namen. Die zu Hunderten in eine Turnhalle geströmten Leute wissen trotzdem, dass der frühere Gouverneur von Florida über seine Konkurrenten Ted Cruz und Donald Trump lästert. Könne einer wirklich glauben, fragt Bush, dass Lautstärke einen guten Oberbefehlshaber ausmache? Dass man den „Islamischen Staat“ einfach unter einem „Bombenteppich“ begraben (Cruz) oder allen Muslimen die Einreise verweigern könne (Trump)? Cruz hat vorige Woche in Iowa die erste Vorwahl gewonnen, und wenn die Umfragen diesmal stimmen, so kann Trump an diesem Dienstag hier in New Hampshire einen Triumph feiern. Als ein Bürger ihn später noch einmal auf den Spitzenreiter anspricht, wird Bush denn auch deutlicher: „Dieser Kerl gehört in Therapie!“

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.

          John Kasich sieht das vermutlich genauso, würde es aber nicht aussprechen. Der Gouverneur von Ohio ist stolz darauf, im Wutwahljahr 2016 die „positivste Kampagne von allen“ zu führen. In Iowa war für ihn mit derlei demonstrativer Nettigkeit kein Blumentopf zu gewinnen, aber im moderateren New Hampshire hofft Kasich wie Bush darauf, dass die Wähler seinen optimistischen Ton und seine Erfahrung honorieren. Die Kritik an der lauteren Konkurrenz kleidet Kasich am Sonntag auf seiner 102. Kundgebung in dem 1,3-Millionen-Einwohner-Staat in einen Satz, den sonst eher Demokraten im Munde führen: „Die Republikaner treten gern sehr feurig auf, aber nur, wenn sie gegen etwas wettern – nie, wenn sie sagen sollen, wofür sie eintreten.“

          Ein paar Schulen weiter, in einem ebenso überfüllten „Townhall Meeting“, schlägt Chris Christie einen weniger zimperlichen Ton an. Trump sei ahnungslos, urteilt der Gouverneur von New Jersey: Nie könne er erklären, wie er seine Versprechen erfüllen wolle. Doch ein anderer Punkt ist Christie noch wichtiger: „Vor gut sieben Jahren hat Amerika einen Präsidenten gewählt, der bis dahin nie mehr als seinen Mitarbeiterstab im Senat geleitet hatte“, sagt er.

          Barack Obama habe sich nach seinem Wahlsieg im Weißen Haus aufgeführt „wie ein Hund, der das Müllauto anbellt und nichts damit anzufangen weiß“. Wolle Amerika dieses missglückte Experiment wirklich wiederholen und abermals einen Juniorsenator ins Weiße Haus schicken? Einen Mann, der sich morgens bisher keine folgenreichere Frage zu stellen gehabt habe als die, mit welcher Pointe er seine Rede des Tages schmücken könne? Christie erinnert seine Zuhörer daran, dass der Texaner Cruz gerade einmal seit 2013 dem Senat angehört und Marco Rubio auch erst vor fünf Jahren aus Florida nach Washington geschickt wurde. Genüsslich erzählt er die jüngsten Fernsehinterviews mit prominenten Rubio-Unterstützern nach, die sich auf Nachfrage außerstande zeigten, auch nur einen bedeutsamen Erfolg des 44 Jahre alten Volksvertreters zu nennen.

          Amerika : Sanders und Trump gewinnen Vorwahlen in New Hampshire

          „So läuft das mit Trump“

          Nur Umfrage-Nihilisten können glauben, dass einer der drei Gouverneure New Hampshire am Mittwoch als Sieger verlassen wird. Doch für die drei politisch erfahrensten und zugleich moderatesten Kandidaten geht es in dem Neuengland-Staat um viel, wenn nicht bereits um alles: Anders als in Iowa und in South Carolina, wo die Republikaner nächste Woche abstimmen, bringen die evangelikalen Christen im Nordosten vergleichsweise wenig Gewicht auf die politische Waage. Entsprechend hohe Erwartungen müssen gemäßigte Konservative hier erfüllen. Doch auch die Moderaten machen sich gegenseitig Stimmen streitig.

          Die Parteiführer in Washington, die einen Erfolg von Trump oder Cruz fürchten, beobachten das nervös. Schließlich nehmen die Republikaner mit ihren oft bitterbösen Werbespots über ihre parteiinternen Gegner den Demokraten viel Arbeit ab. Zwar prügeln seit einigen Tagen auch Hillary Clinton und Bernie Sanders heftiger denn je aufeinander ein: Clinton bezichtigt den in New Hampshire überaus populären Sanders aus dem Nachbarstaat Vermont, mit sozialistischer Traumtänzerei Obamas Errungenschaften aufs Spiel zu setzen. Sanders diskreditiert Clinton als Wall-Street-hörige Advokatin der Millionärsklasse. Doch im chaotischen Kampf der neun verbliebenen Republikaner sind die Verluste noch viel schwerer kalkulierbar.

          Die Vorwahlen in Iowa konnte Ted Cruz gegen seinen Kontrahenten Donald Trump klar gewinnen.
          Die Vorwahlen in Iowa konnte Ted Cruz gegen seinen Kontrahenten Donald Trump klar gewinnen. : Bild: Reuters

          Paul Ryan, als „Speaker of the House“ der ranghöchste Republikaner der Nation, klagte kürzlich, die Kandidaten seiner Partei erinnerten ihn an ein „kreisförmig aufgestelltes Erschießungskommando“. In Wahrheit ist die Formation noch komplexer. Auf dem höchsten Feldherrenhügel thront Trump. Da ihn seine knappe Niederlage in Iowa tief traf, hat er seine Angriffe zuletzt auf Ted Cruz konzentriert, der ihm den Sieg in Iowa mit Betrug „gestohlen“ habe. Cruz, der von seinem Nachbarhügel aus schon auf South Carolina mit seinen großen Baptisten-Gemeinden schielt, schoss ein paar Tage lang zurück. So malte er den Amerikanern aus, dass sie unter einem Präsidenten Trump eines Morgens aufwachen und feststellen könnten, dass der Oberbefehlshaber gerade per Nuklearschlag Dänemark ausgelöscht habe.

          Viele Wähler sind ratlos

          Doch in der Fernsehdebatte am Samstag kehrte Cruz zu seiner alten Taktik zurück, Trump zu schonen, um dessen Anhänger nicht zu ärgern. Das wirkte so kleinlaut, dass der Umfragekönig gleich proklamierte: „So läuft das mit Trump: Ich setze mich durch – die anderen geben klein bei!“ Auf einer Kundgebung in Plymouth am Fuße der Weißen Berge verspottete Trump dann am Sonntag aus schierer Lust oder Gewohnheit wieder Jeb Bush, der kürzlich mit der früheren First Lady Barbara Bush auftrat: „Der arme Jeb wusste nicht weiter und hat nach seiner Mama gerufen“, höhnte Trump.

          Die drei Gouverneure dagegen haben – ausgesprochen oder nicht – einen Nichtangriffspakt geschlossen. Sie nehmen vor allem Rubio ins Visier, der als dritter Sieger von Iowa zwischen ihnen und den erfolgreichen Außenseitern Trump und Cruz steht. Die Optimisten in der Partei rühmen Rubios „Brückenfunktion“, weil er mit seiner Ausstrahlung moderate wie erzkonservative Wähler anzuziehen vermöge. Doch fürs Erste ist es auf dieser Brücke einsam und ungemütlich. Denn Trump und Cruz sprechen dem Senator die Eignung ab, weil er im Senat an dem überparteilichen Einwanderungskompromiss mitwirkte, der an der Republikaner-Basis so unpopulär ist, dass das Repräsentantenhaus nie darüber abstimmte. Die Moderaten wiederum attackieren Rubio dafür, dass er den Gesetzentwurf selbst nicht mehr verteidigt, seit er unter Beschuss kam.

          Viele Wähler sind ratlos. Mike und Hillary Parker haben ihre beiden Schulkinder zu einer Christie-Kundgebung mitgenommen. Dem Unternehmensberater und der Anwältin gefällt die direkte Art des Gouverneurs und vormaligen Bundesstaatsanwalts, auch wenn Christies politischer Stil manche Leute eher an Schulhof-Mobbing erinnert. Sie sind erschüttert über den Erfolg von Trump. „Wenn er hier wirklich gewinnt, dann schäme ich mich für meinen Staat“, sagt Mike Parker und erinnert daran, wie sich Trump neulich über einen behinderten Reporter lustig machte. Das Paar hat zu Hause schon diskutiert, ob sie im Sinne der Trump-Abwehr nicht gleich Rubio unterstützen sollten, dem zuletzt die besten Chancen zugesprochen wurden, gegen Trump zu bestehen. Ideologisch könnten die Parkers mit Rubio leben. „Aber darum geht es kaum noch“, sagt Hillary Parker. „Vor allem müssen wir dafür sorgen, dass die Regierung überhaupt wieder funktioniert.“ Und deshalb wären sie eben doch froh, wenn ein erfahrener Gouverneur ins Weiße Haus gelangte.

          Nichts zu machen ohne Kompromissbereitschaft

          Ein paar Stühle weiter nickt der Bürgermeister einer Kleinstadt. Er weiß aus täglicher Erfahrung, dass ohne Kompromissbereitschaft kein Staat zu machen ist. Seine Frau sieht darin allerdings kein Argument gegen Trump. „Vieles, was Trump sagt, ist zwar empörend“, erklärt sie, „aber ich respektiere ihn doch dafür, dass er es sagt.“ Ohne den Trump-Aufruhr wären Dennis und Betty McClurg vermutlich nie nach New Hampshire gekommen. Der 69 Jahre alte frühere Schaffner, der seit seiner Pensionierung einen Schulbus fährt, lebt mit seiner Frau im Staat New York und ist am Freitag fünf Stunden durch den Schneesturm „zum Gucken“ in den Staat gefahren, wo das große politische Schaulaufen stattfindet.

          Marco Rubio soll bei den Republikanern eine „Brückenfunktion“ einnehmen, weil er moderate wie erzkonservative Wähler erreicht.
          Marco Rubio soll bei den Republikanern eine „Brückenfunktion“ einnehmen, weil er moderate wie erzkonservative Wähler erreicht. : Bild: AFP

          Die McClurgs sind eingetragene Demokraten, „aber zum ersten Mal sind wir offen“. Auf ihrer Besuchsliste stehen an diesem Wochenende Kundgebungen von Christie, Trump und Bush. Dennis McClurg hält Hillary Clinton zwar ihre vielfältige Erfahrung zugute, aber seine Frau rümpft die Nase: „Ich vertraue ihr nicht. Nie hat sie darüber gesprochen, was Bill alles gemacht hat.“ Betty McClurg findet es mutig von Trump, dass er so deutliche Worte finde – und außerdem sei es unterhaltsam. Die McClurgs haben kürzlich ihr Haus verkauft und sind in eine Wohnung gezogen. Drei Familien in dem Acht-Parteien-Haus stammten aus Indien oder Pakistan, eine aus Afrika. Das klappe gut, sagt der Schulbusfahrer und rühmt den amerikanischen Schmelztiegel, in dem auch sein schottischer Vater und seine kanadische Mutter einst zu Amerikanern geworden seien. „Eigentlich schon“, gibt seine Frau zu, „aber ich finde es auch ein bisschen bedrohlich. Unser Land ist nicht mehr, was es einmal war.“

          Fragen kann man Trump nicht stellen

          Während die Senatoren und Gouverneure von Auftritt zu Auftritt hasten, lässt sich Spitzenreiter Trump am Wochenende nur einmal in New Hampshire sehen. In Plymouth erntet er Jubel, wann immer er die versprochene Mauer an der Grenze zu Mexiko erwähnt, und vor allem, wenn er sämtlichen anderen Kandidaten vorwirft, Marionetten von Lobbyisten und Spendern zu sein. Weniger gut kommt sein Lamentieren darüber an, dass er gut eine Stunde mit dem Auto fahren musste, um nach Plymouth zu gelangen – in den Bergen gibt es keine Landebahn für seine Boeing 757. Fragen kann man Trump nicht stellen.

          Am Ende verheddert er sich in eine schier endlose Tirade darüber, dass Japan den amerikanischen Markt mit Autos überschwemme und Amerika nur Rindfleisch nach Japan ausführe, das die Japaner dann aber zurückschickten; erst wenn das Fleisch mehrmals hin- und hergeschickt worden sei, verkauften die Japaner es als Kobe-Rindfleisch. „Nur ein Spaß“, sagt Trump schließlich, aber kaum jemand konnte ihm folgen, und Trump hat ja noch die Autofahrt vor sich. Also bittet er noch schnell alle, die ihn nicht unterstützen wollen, am Wahltag zu Hause zu bleiben, und verlässt die Bühne.

          Die anderen Kandidaten

          Die anderen Kandidaten stellen sich stundenlang den Fragen der Leute. Es geht um Pannen in der Veteranenbehörde, die Kosten von Medikamenten, die Gefahr eines Atomkriegs mit Russland und die Refinanzierung von Studienkrediten. Marco Rubio kommt möglichst oft auf seinen Kernsatz zurück, dass Barack Obama das einst exzeptionelle Amerika in ein Durchschnittsland verwandeln wolle und die Bürger ihre letzte Chance ergreifen müssten, um den amerikanischen Traum vor dem Untergang zu bewahren. Jeb Bush versichert, nicht das viele Geld von Interessengruppen, sondern die Bürokratie sei das Problem in der amerikanischen Politik – seine Gönner haben mehr als 120 Millionen Dollar in seine bisher glücklose Kandidatur investiert.

          Chris Christie erklärt seine Forderung, die im idyllischen New Hampshire grassierende Heroinsucht als chronische Krankheit wie Krebs oder Diabetes zu behandeln, mit seiner klaren Lebensschutz-Devise: „Es wäre zu einfach, das nur auf die ersten neun Monate im Mutterleib zu beziehen – da haben uns die Kinder ja noch nicht enttäuscht!“ Ted Cruz witzelt mehrmals täglich, wenn er die Bundessteuerbehörde auflöse, werde er ihre 90.000 Mitarbeiter an der Grenze zu Mexiko postieren, denn nichts werde die Migranten effektiver zur Umkehr bewegen als eine solche Armee von Bürokraten und Geldeintreibern. John Kasich erzählt von Wählern, die ihm weinend ihre Schicksale schilderten, und er verspricht, auch als Präsident sein Leben zu entschleunigen, um mehr zuhören zu können. „Denn auf dieser Erde sind wir alle miteinander verbunden“, beteuert Kasich. „Wir sind nur ein klitzekleines Steinchen im Mosaik der Zeit.“ Allerdings will er nicht ausschließen, dass auch er im Kampf gegen den Terrorismus auf Waterboarding oder andere „harsche Verhörmethoden“ setzen werde.

          Es kann gut sein, dass am Mittwoch nur einer der drei Gouverneure nach South Carolina weiterreist. „Ich verstehe die Wut der Leute“, versichert Chris Christie. „Alle wollen Washington niederbrennen, und ich will das auch.“ Doch die Wähler müssten sich eine Frage stellen, bevor sie ihr Kreuz setzen: „Wer kann es danach wieder aufbauen?“


          So funktionieren die Vorwahlen in Amerika

          © AP

            In den Vereinigten Staaten haben die Vorwahlen für die Präsidentenwahl begonnen. Die Bewerber müssen sich den Voten der Wähler in den Bundesstaaten stellen. Doch wie funktionieren die Vorwahlen eigentlich?

            Warum gibt es überhaupt Vorwahlen?

            Die Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten wird zwar erst im November stattfinden, doch schon jetzt beginnt die heiße Phase. Anders als etwa in Deutschland üblich werden die Kandidaten der jeweiligen Partei nicht von der Parteiführung oder einem Parteitag bestimmt, sondern in Vorwahlen. In jedem Bundesstaat finden sogenannte „Caucuses“ und „Primaries“ statt. Die dort gewählten Delegierten fahren dann zum jeweiligen Parteikongress. Die Demokraten veranstalten diesen vom 25. bis zum 28. Juli in Philadelphia, die Republikaner vom 18. bis zum 21. Juli in Cleveland. Erst dort werden die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten gekürt.


            Wie funktioniert ein „Caucus“?

            Ein „Caucus“ ist eine Wahlversammlung auf Bundesstaatsebene, deren Teilnehmer über die Kandidaten diskutieren und schließlich abstimmen. „Caucuses“ werden oft als besonders demokratisch gelobt, da es einen direkten Austausch der Wähler über die Kandidaten gibt. Als Nachteil wird genannt, dass die Versammlungen oft an Arbeitstagen stattfinden und lange dauern – und damit in der Regel nur solche Wähler kommen, die ohnehin politisch engagiert sind. In der Vergangenheit war die Beteiligung an den „Caucuses“ deshalb oft geringer als an den „Primaries“. Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner veranstalten in diesem Jahr 17 solcher Versammlungen.

            Um in den Vereinigten Staaten wählen zu können – und auch, um an den Vorwahlen teilnehmen zu können – müssen sich die Wahlberechtigten bei den Behörden ihres Bundesstaates registrieren lassen. In einigen Staaten müssen sie dabei ihre Parteipräferenz angeben, werden also als Demokrat, Republikaner oder Unabhängiger geführt. An einem geschlossenen „Caucus“ dürfen nur registrierte Wähler der jeweiligen Partei teilnehmen. An einem offenen „Caucus“ dürfen auch registrierte Wähler der jeweils anderen Partei sowie Unabhängige teilnehmen – allerdings darf jeder Wähler nur zu einem „Caucus“. Welches Prozedere angewendet wird, entscheidet die Partei des jeweiligen Bundesstaates.


            Was ist eine „Primary“?

            Die „Primaries“ sind ähnlich organisiert wie die Präsidentschaftswahlen. Jeder Bundesstaat legt ein Datum fest, an dem die Wähler in ihrem Wahllokal abstimmen können. Der Bundesstaat organisiert auch die Auszählung der Stimmen. Beide Parteien tendierten in den vergangen Jahrzehnten zu „Primaries“, da sie diese im Gegensatz zu den „Caucuses“ nicht selbst organisieren und finanzieren müssen.

            Auch bei den „Primaries“ gibt es mehrere Varianten. Bei geschlossenen „Primaries“ dürfen nur die registrierten Wähler einer Partei abstimmen. Unabhängige Wähler dürfen nicht teilnehmen. Bei halboffenen „Primaries“ können sich Unabhängige bei einer der beiden Parteien beteiligen. In einer offenen „Primary“ darf sich jeder Wähler an der Abstimmung der Partei seiner Wahl beteiligen. Welche Form genutzt wird, entscheidet der Bundesstaa.

            In diesem Jahr finden 40 „Primaries“ statt. Zusammen mit den „Caucuses“, kommt man auf 57 Wahlen, obwohl Amerika nur 50 Bundesstaaten hat. Das kommt daher, dass auch im District of Columbia abgestimmt wird, die Briefstimmen von amerikanischen Bürgern im Ausland als eigene Wahl zählen und auch die Bürger in den Überseeterritorien der Vereinigten Staaten, Amerikanisch Samoa, Guam, Nördliche Marianen, Jungferninseln und Puerto Rico, über die Kandidaten der Parteien abstimmen – obwohl sie nicht an der eigentlichen Präsidentenwahl teilnehmen dürfen.


            Nach welchem Prinzip werden die Delegiertenstimmen verteilt?

            In den Vorwahlen der Demokraten gilt das Verhältnisprinzip, ein Kandidat bekommt für den Parteikongress also die Anzahl an Delegiertenstimmen zuerkannt, die der Prozentzahl seiner Wählerstimmen entspricht. Erhält ein Kandidat 60 Prozent der Wählerstimmen, bekommt er auch 60 Prozent der Delegiertenstimmen des jeweiligen Bundesstaats. In fast allen Staaten gibt es dabei ein Hürde: Ein Kandidat bekommt nur Delegierte zugesprochen, wenn er eine bestimmte Prozentzahl – meist 15 Prozent – der Wählerstimmen erringen konnte.

            Die Republikaner verfahren in vielen Bundesstaaten ebenfalls nach diesem System. In einigen ist es jedoch möglich, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen alle Delegierten erhält. In anderen Staaten bekommt ein Kandidat sämtliche Wahlmänner zugesprochen, wenn er mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen erhält.


            Wie viele Delegierte gibt es pro Bundesstaat?

            Die Parteien legen fest, wie viele Delegierte ein Staat zum Nominierungsparteitag entsenden darf. Bei den Demokraten beruht die Anzahl auf zwei Faktoren: Zum einen darauf, wie viele Stimmen der demokratische Präsidentschaftskandidat der vergangenen drei Wahlen aus dem jeweiligen Staat bekommen hat und zum anderen darauf, wie viele Wahlmänner der Staat ins Gremium zur Wahl des Präsidenten schickt.

            Die Republikaner bestimmen je Wahlbezirk drei Delegierte. Hinzu kommen für jeden Staat mindestens zehn weitere – abhängig unter anderem davon, ob der Staat einen republikanischen Gouverneur hat, eine republikanische Mehrheit im Staatsparlament und wie viele republikanische Abgeordnete im Kongress in Washington.

            In Iowa zum Beispiel, dem Staat, in dem die Vorwahlen beginnen, wählen die Demokraten 44 Delegierte, die Republikaner 30. Die wenigsten Delegierten gibt es bei den Demokraten in Amerikanisch Samoa mit vier, bei den Republikanern haben alle Überseeterritorien bis auf Guam neun Delegierte. Die meisten Delegierten bringt in beiden Parteien das bevölkerungsreiche Kalifornien ein. Die Republikaner vergeben dort 172 Stimmen und die Demokraten 476.


            Was wird von den Delegierten erwartet?

            Die in den „Caucuses“ und „Primaries“ bestimmten Delegierten sind beim jeweiligen Parteikongress daran gebunden, für den Kandidaten zu stimmen, für den sie gewählt wurden. Es gibt bei den Parteitagen jedoch auch unabhängige Delegierte, die frei abstimmen dürfen. Das hat strategische Gründe: Bei unklaren Verhältnissen sollen sie für das aus Parteisicht bessere Ergebnis sorgen. Die unabhängigen Delegierten werden von der Partei bestimmt – meist sind es aktuelle oder ehemalige Amtsträger.


            Wie viele Delegiertenstimmen brauchen die Kandidaten?

            Um die Nominierung der Partei zu erringen, braucht ein Kandidat mindestens die Stimmen der Hälfte der Delegierten plus einen. Bei den Demokraten entspricht das in diesem Jahr voraussichtlich 2026 Delegiertenstimmen. Der republikanische Bewerber muss wahrscheinlich 1051 Delegiertenstimmen auf sich vereinen.



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