https://www.faz.net/-gpf-8dc21

Vorwahlen in Amerika : Kreisförmiges Erschießungskommando

  • -Aktualisiert am

Viele Wähler sind ratlos. Mike und Hillary Parker haben ihre beiden Schulkinder zu einer Christie-Kundgebung mitgenommen. Dem Unternehmensberater und der Anwältin gefällt die direkte Art des Gouverneurs und vormaligen Bundesstaatsanwalts, auch wenn Christies politischer Stil manche Leute eher an Schulhof-Mobbing erinnert. Sie sind erschüttert über den Erfolg von Trump. „Wenn er hier wirklich gewinnt, dann schäme ich mich für meinen Staat“, sagt Mike Parker und erinnert daran, wie sich Trump neulich über einen behinderten Reporter lustig machte. Das Paar hat zu Hause schon diskutiert, ob sie im Sinne der Trump-Abwehr nicht gleich Rubio unterstützen sollten, dem zuletzt die besten Chancen zugesprochen wurden, gegen Trump zu bestehen. Ideologisch könnten die Parkers mit Rubio leben. „Aber darum geht es kaum noch“, sagt Hillary Parker. „Vor allem müssen wir dafür sorgen, dass die Regierung überhaupt wieder funktioniert.“ Und deshalb wären sie eben doch froh, wenn ein erfahrener Gouverneur ins Weiße Haus gelangte.

Nichts zu machen ohne Kompromissbereitschaft

Ein paar Stühle weiter nickt der Bürgermeister einer Kleinstadt. Er weiß aus täglicher Erfahrung, dass ohne Kompromissbereitschaft kein Staat zu machen ist. Seine Frau sieht darin allerdings kein Argument gegen Trump. „Vieles, was Trump sagt, ist zwar empörend“, erklärt sie, „aber ich respektiere ihn doch dafür, dass er es sagt.“ Ohne den Trump-Aufruhr wären Dennis und Betty McClurg vermutlich nie nach New Hampshire gekommen. Der 69 Jahre alte frühere Schaffner, der seit seiner Pensionierung einen Schulbus fährt, lebt mit seiner Frau im Staat New York und ist am Freitag fünf Stunden durch den Schneesturm „zum Gucken“ in den Staat gefahren, wo das große politische Schaulaufen stattfindet.

Marco Rubio soll bei den Republikanern eine „Brückenfunktion“ einnehmen, weil er moderate wie erzkonservative Wähler erreicht.
Marco Rubio soll bei den Republikanern eine „Brückenfunktion“ einnehmen, weil er moderate wie erzkonservative Wähler erreicht. : Bild: AFP

Die McClurgs sind eingetragene Demokraten, „aber zum ersten Mal sind wir offen“. Auf ihrer Besuchsliste stehen an diesem Wochenende Kundgebungen von Christie, Trump und Bush. Dennis McClurg hält Hillary Clinton zwar ihre vielfältige Erfahrung zugute, aber seine Frau rümpft die Nase: „Ich vertraue ihr nicht. Nie hat sie darüber gesprochen, was Bill alles gemacht hat.“ Betty McClurg findet es mutig von Trump, dass er so deutliche Worte finde – und außerdem sei es unterhaltsam. Die McClurgs haben kürzlich ihr Haus verkauft und sind in eine Wohnung gezogen. Drei Familien in dem Acht-Parteien-Haus stammten aus Indien oder Pakistan, eine aus Afrika. Das klappe gut, sagt der Schulbusfahrer und rühmt den amerikanischen Schmelztiegel, in dem auch sein schottischer Vater und seine kanadische Mutter einst zu Amerikanern geworden seien. „Eigentlich schon“, gibt seine Frau zu, „aber ich finde es auch ein bisschen bedrohlich. Unser Land ist nicht mehr, was es einmal war.“

Fragen kann man Trump nicht stellen

Während die Senatoren und Gouverneure von Auftritt zu Auftritt hasten, lässt sich Spitzenreiter Trump am Wochenende nur einmal in New Hampshire sehen. In Plymouth erntet er Jubel, wann immer er die versprochene Mauer an der Grenze zu Mexiko erwähnt, und vor allem, wenn er sämtlichen anderen Kandidaten vorwirft, Marionetten von Lobbyisten und Spendern zu sein. Weniger gut kommt sein Lamentieren darüber an, dass er gut eine Stunde mit dem Auto fahren musste, um nach Plymouth zu gelangen – in den Bergen gibt es keine Landebahn für seine Boeing 757. Fragen kann man Trump nicht stellen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Gesundheitsminister-Bericht : Spahn plant Maskenpflicht bis 2022

Mindestens bis zum Frühling will die Bundesregierung die Maskenpflicht aufrechterhalten. Gratistests sollen im Herbst entfallen und für Ungeimpfte könnten „erneut weitergehende Einschränkungen notwendig werden“.

Druck auf Sportler : Die Stärke der Verletzlichen

Der Druck, der auf den Stars dieser Spiele lastet, ist so sichtbar wie nie zuvor. Athletinnen und Athleten zeigen: Auch wer verletzlich ist, kann erfolgreich sein. Das könnte der Anfang eines Kulturwandels sein.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.