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Vorwahlen in Amerika : Kreisförmiges Erschießungskommando

  • -Aktualisiert am

Die Parteiführer in Washington, die einen Erfolg von Trump oder Cruz fürchten, beobachten das nervös. Schließlich nehmen die Republikaner mit ihren oft bitterbösen Werbespots über ihre parteiinternen Gegner den Demokraten viel Arbeit ab. Zwar prügeln seit einigen Tagen auch Hillary Clinton und Bernie Sanders heftiger denn je aufeinander ein: Clinton bezichtigt den in New Hampshire überaus populären Sanders aus dem Nachbarstaat Vermont, mit sozialistischer Traumtänzerei Obamas Errungenschaften aufs Spiel zu setzen. Sanders diskreditiert Clinton als Wall-Street-hörige Advokatin der Millionärsklasse. Doch im chaotischen Kampf der neun verbliebenen Republikaner sind die Verluste noch viel schwerer kalkulierbar.

Die Vorwahlen in Iowa konnte Ted Cruz gegen seinen Kontrahenten Donald Trump klar gewinnen.
Die Vorwahlen in Iowa konnte Ted Cruz gegen seinen Kontrahenten Donald Trump klar gewinnen. : Bild: Reuters

Paul Ryan, als „Speaker of the House“ der ranghöchste Republikaner der Nation, klagte kürzlich, die Kandidaten seiner Partei erinnerten ihn an ein „kreisförmig aufgestelltes Erschießungskommando“. In Wahrheit ist die Formation noch komplexer. Auf dem höchsten Feldherrenhügel thront Trump. Da ihn seine knappe Niederlage in Iowa tief traf, hat er seine Angriffe zuletzt auf Ted Cruz konzentriert, der ihm den Sieg in Iowa mit Betrug „gestohlen“ habe. Cruz, der von seinem Nachbarhügel aus schon auf South Carolina mit seinen großen Baptisten-Gemeinden schielt, schoss ein paar Tage lang zurück. So malte er den Amerikanern aus, dass sie unter einem Präsidenten Trump eines Morgens aufwachen und feststellen könnten, dass der Oberbefehlshaber gerade per Nuklearschlag Dänemark ausgelöscht habe.

Viele Wähler sind ratlos

Doch in der Fernsehdebatte am Samstag kehrte Cruz zu seiner alten Taktik zurück, Trump zu schonen, um dessen Anhänger nicht zu ärgern. Das wirkte so kleinlaut, dass der Umfragekönig gleich proklamierte: „So läuft das mit Trump: Ich setze mich durch – die anderen geben klein bei!“ Auf einer Kundgebung in Plymouth am Fuße der Weißen Berge verspottete Trump dann am Sonntag aus schierer Lust oder Gewohnheit wieder Jeb Bush, der kürzlich mit der früheren First Lady Barbara Bush auftrat: „Der arme Jeb wusste nicht weiter und hat nach seiner Mama gerufen“, höhnte Trump.

Die drei Gouverneure dagegen haben – ausgesprochen oder nicht – einen Nichtangriffspakt geschlossen. Sie nehmen vor allem Rubio ins Visier, der als dritter Sieger von Iowa zwischen ihnen und den erfolgreichen Außenseitern Trump und Cruz steht. Die Optimisten in der Partei rühmen Rubios „Brückenfunktion“, weil er mit seiner Ausstrahlung moderate wie erzkonservative Wähler anzuziehen vermöge. Doch fürs Erste ist es auf dieser Brücke einsam und ungemütlich. Denn Trump und Cruz sprechen dem Senator die Eignung ab, weil er im Senat an dem überparteilichen Einwanderungskompromiss mitwirkte, der an der Republikaner-Basis so unpopulär ist, dass das Repräsentantenhaus nie darüber abstimmte. Die Moderaten wiederum attackieren Rubio dafür, dass er den Gesetzentwurf selbst nicht mehr verteidigt, seit er unter Beschuss kam.

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