https://www.faz.net/-gpf-a41ol

Widersprüchliche Angaben : Verwirrung um Trumps Corona-Erkrankung

  • -Aktualisiert am

Unterstützer von Donald Trump sammeln sich vor der Klinik, wo der Präsident behandelt wird. Bild: Alex Edelman/Getty Images/AFP

Informationsleck oder gezieltes Verwirrspiel? Trumps Ärzte und sein Stabschef widersprechen einander gravierend. Währenddessen muss der Senat Abstimmungen absagen – die Berufung von Richterin Barrett ans Oberste Gericht soll das aber nicht betreffen.

          4 Min.

          Sie sollten eigentlich Zuversicht und Ruhe verbreiten. Neun Ärztinnen und Ärzte standen in weißen Kitteln und mit Gesichtsmasken hinter Trumps Leibarzt Sean Conley, als der am Samstag eine erste offizielle Erklärung zu Trumps Gesundheitszustand abgab. Doch schon kurze Zeit später beschwerten sich Journalistinnen und Journalisten, sie hätten widersprüchliche Informationen bekommen. Von Chaos und Verwirrung war die Rede. Conley hatte erklärt, dem Präsidenten gehe es sehr gut, er habe kein Fieber mehr und seine Werte seien in dem für ihn üblichen Rahmen. Trump werde unter anderem mit dem Medikament Remdesivir behandelt – er sei „guter Dinge“.

          Minuten, nachdem das Ärzteteam die Pressekonferenz beendet hatte, zitierten Journalisten dann allerdings eine anonyme Quelle aus dem Weißen Haus, die den Gesundheitszustand Trumps kenne. Da hieß es nun, die Werte des Präsidenten seien in den vergangenen 24 Stunden „sehr beunruhigend“ gewesen, und die nächsten 48 Stunden würden „entscheidend“ sein. Man sei „immer noch nicht auf einem eindeutigen Weg zur vollständigen Erholung“, so das Zitat. Conley hatte auch gesagt, Trump habe am Freitag und Samstag keinen zusätzlichen Sauerstoff erhalten. Das regte einige Beobachter zu Spekulationen darüber an, ob der Patient vielleicht zuvor im Weißen Haus Sauerstoff erhalten hatte.

          Beschwerden über Informationspolitik

          Viele Journalistinnen und Journalisten, die aus dem Weißen Haus berichten, machten ihrem Ärger über die widersprüchlichen Meldungen bei Twitter Luft. Die „Washington Post“ beschrieb ein „erschreckendes Maß an Verwirrung“, die das Weiße Haus produziert habe. Es sei inakzeptabel, dass jemand mit einer Äußerung, die den Ärzten des Präsidenten so gravierend widerspreche, an Reporter herantrete und Anonymität verlange, schrieb Tim Alberta vom Magazin „Politico“ bei Twitter. Er kritisierte auch Kolleginnen und Kollegen, die das Zitat ohne Namen verbreiteten: „Wenn ich im Pool (in der Gruppe der Journalisten im Weißen Haus) bin, dann sage ich der Quelle, dass sie zehn Minuten hat, um ihren Namen zu nennen, oder sie wird geoutet.“

          F.A.Z.-Newsletter „Amerika wählt“

          Kann Trump sich gegen Biden behaupten? Eine persönliche Einschätzung und die wichtigsten Amerika-Analysen der F.A.Z. jeden Donnerstag in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Nachrichtenagenturen und Zeitungen wie die „Washington Post“ schrieben die Zitate schließlich am späten Nachmittag Mark Meadows, Trumps Stabschef, zu. Er war bei der Pressekonferenz der Ärzte zu sehen gewesen, wie er mit mehreren Reportern und Reporterinnen zusammen gestanden und möglicherweise „unter drei“ gesprochen hatte – das bedeutet, dass das Gesagte nicht zitiert werden soll. Meadows kommentierte die Meldungen zunächst nicht. Mehrere Zeitungen berichteten zudem, Trump habe am Freitag vor dem Flug ins Krankenhaus tatsächlich Sauerstoff bekommen.

          Wann war die Infektion bekannt?

          Trumps Arzt hatte am Vormittag selbst für weitere Spekulationen gesorgt, als er über die vergangenen Tage sprach. Conley hatte gesagt, der Präsident sei 72 Stunden zuvor diagnostiziert worden und habe 48 Stunden zuvor einen Antikörper-Cocktail verabreicht bekommen. Das wollte er dann am Nachmittag mit einer kurzen schriftlichen Erklärung zurücknehmen. Er habe stattdessen „Tag 3“ und „Tag 2“ sagen wollen, schrieb Conley. Trump sei am Abend des Donnerstag diagnostiziert worden und habe am Freitag die Antikörper der Firma Regeron erhalten. Maggie Haberman, politische Korrespondentin der „New York Times“, teilte die Klarstellung bei Twitter mit der Bemerkung „Conley versucht, die Timeline zu säubern“. Zuvor war gemutmaßt worden, dass Trump bereits von seiner Infektion wusste, als er am Donnerstag an einem Treffen mit Spenderinnen und Spendern in seinem Golfclub in New Jersey teilnahm. Neben der größeren Veranstaltung, bei der Trump Abstand zu den Gästen gehalten habe, sei es auch zu kleineren Zusammenkünften in anderen Räumen gekommen – zum Teil für Fotos mit dem Wahlkämpfer, wie der Fernsehsender ABC berichtete.

          Weitere Themen

          Mini-Marsch statt neuer Gewaltexzesse

          Demonstration am Kapitol : Mini-Marsch statt neuer Gewaltexzesse

          Teile der rechten Szene wollten sich solidarisch mit den Krawallmachern vom 6. Januar zeigen, die wegen des Angriffs auf das Kapitol in Haft sind. Doch es kamen nur wenige Menschen nach Washington. Trump hatte vor einer „Falle“ gewarnt.

          Dieses Mal war Scholz vorbereitet

          Das letzte Triell : Dieses Mal war Scholz vorbereitet

          Baerbock, Scholz und Laschet hatten nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Der Sozialdemokrat und die Grüne präsentierten sich als Partner von morgen.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet während des Triells

          Das letzte Triell : Dieses Mal war Scholz vorbereitet

          Baerbock, Scholz und Laschet hatten nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Der Sozialdemokrat und die Grüne präsentierten sich als Partner von morgen.
          Ein bedrohlicher Anblick: Die feuerrote Lava schießt in die Höhe.

          Mehrere Eruptionen : Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma

          Fachleute hatten es befürchtet: Nach vielen kleinen Erdstößen ist ein Vulkan auf La Palma ausgebrochen. Lava und Asche schleudern durch die Luft. Seit Sonntagnachmittag wurden mehrere Tausend Menschen in Sicherheit gebracht.
          Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

          FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

          Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.