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Mike Pence : Trippelschritte weg vom Präsidenten

Er und ich: Donald Trump mit Vizepräsident Mike Pence Bild: AP

Nicht der Präsident, sondern sein Vize Mike Pence distanziert sich klar von rechter Gewalt in Amerika. Damit setzt er sich nicht zum ersten Mal von Donald Trump ab – und Amerika fragt sich: Warum macht er das?

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          Es war nicht der wichtigste Mann Amerikas, der endlich die Worte fand, auf die viele Amerikaner gewartet hatten, sondern sein Stellvertreter. Wieder einmal. Einen Tag nach dem verstörenden Gewaltexzess von Charlottesville, wo am Samstag bei einem Aufmarsch rechtsextremer Gruppen eine Frau ums Leben gekommen war, distanzierte sich Mike Pence in einer Deutlichkeit von den rechten Gewalttätern, die viele bei Donald Trump seit Samstag so schmerzlich vermisst hatten. „Wir haben keine Toleranz für Hass und Gewalt von Vertretern der weißen Vorherrschaft, von Neonazis oder dem Ku Klux Klan“, sagte Pence während eines Besuchs in Kolumbien und fügte hinzu: „Diese gefährlichen Randgruppen haben keinen Platz im öffentlichen Leben und in der Debatte in Amerika und wir verurteilen sie auf das Schärfste.“

          August 2017 : Tote bei Unruhen in Charlottesville

          Oliver Georgi
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          „Gefährliche Randgruppen“, so hat Trump rechtsextreme Gruppierungen noch nie genannt. Stattdessen verurteilte er nach dem Vorfall von Charlottesville zum Entsetzen vieler nur pauschal die „Gewalt auf vielen Seiten“ – wohl aus Rücksicht auf die amerikanische Rechte von Ku-Klux-Klan bis Alt-Right-Bewegung, die maßgeblich mit dafür verantwortlich ist, dass er im November zum Präsidenten gewählt wurde.

          Umso genauer dürften die fortgesetzten Absetzbewegungen von Pence nicht nur bei den amerikanischen Rechten verfolgt werden. Zwar erklärte Pence am Sonntag, auch Trump verurteile die rechte Gewalt auf das Schärfste. Damit stellte er sich scheinbar vasallentreu vor seinen Präsidenten und machte sich zumindest vordergründig auch unangreifbar für Vermutungen, er sei mit Trump im offenen Dissens und wolle ihn hintergehen. Dabei, darüber sind sich viele Beobachter einig, war seine Erklärung wohl genau das: ein weiterer strategischer Trippelschritt weg von einem Präsidenten, dessen erratischer Kurs auch Pence mit in den Abgrund ziehen könnte.

          In Trippelschritten weg von Donald Trump? Mike Pence am Sonntag in Cartagena, Kolumbien
          In Trippelschritten weg von Donald Trump? Mike Pence am Sonntag in Cartagena, Kolumbien : Bild: AP

          Schon in der Russland-Affäre distanzierte sich Pence vom engen Kreis um den Präsidenten, als er erklärte, er habe nichts von dem Treffen von Trumps Sohn Donald Trump Jr. mit einer russischen Anwältin im Wahlkampf gewusst. Er konzentriere sich nicht auf Dinge, die vor seiner Nominierung als Vizepräsidentschaftskandidat im Juli 2016 geschehen seien, ließ er die Öffentlichkeit wissen. Auch, dass Pence im Februar erst zwei Wochen nach dem Präsidenten – und noch dazu aus der Zeitung – erfahren haben soll, dass Trumps früherer Sicherheitsberater Michael Flynn über seine Gespräche mit dem russischen Botschafter in Washington wegen einer möglichen Lockerung von Sanktionen gegen Russland gelogen hatte, ließ in Washington die Spekulationen ins Kraut schießen, wie groß der Dissens zwischen Trump und seinem Vize wirklich sei.

          Der Vize „korrigiert“ seinen Präsidenten

          Davon abgesehen verhielt sich Pence seit Trumps Amtsantritt nach außen hin lange loyal und hielt sich mit allzu deutlicher Kritik am Präsidenten in der Öffentlichkeit zurück. Stattdessen betrieb er unaufgeregte Sacharbeit und wirkte dabei oft präsidialer als sein Chef. Als Trump im Januar die Nato infrage stellte, war es Pence, der den Bündnispartnern bei der Sicherheitskonferenz in München die unverbrüchliche amerikanische Treue versicherte und sich als verlässlicher(er) Gesprächspartner empfahl, der Trumps widersprüchliches und erratisches Handeln in Realpolitik übersetzt. Schon damals fragten sich viele, ob Pence wirklich nur der Bote war – trotzdem wirkte er da noch wie ein treuer Diener seines Herrn.

          In letzter Zeit aber häufen sich die Punkte, in denen der Vizepräsident eine dezidiert andere Meinung vertritt als Trump oder, wie bei Charlottesville, die Mehrdeutigkeit des Präsidenten im Nachhinein „korrigiert“. Das zeigte sich am Wochenende auch am Umgang mit Venezuela: Während Trump wolkig von einer „militärischen Option“ sprach, um die Krise in dem südamerikanischen Land zu beenden, wollte Pence am Sonntag einen Militäreinsatz zwar nicht ausschließen, plädierte aber für eine „friedfertige Lösung“. Auch der Präsident sei aber zuversichtlich, dass eine Lösung auf diplomatischem Wege erreicht werden könne, schob Pence hinterher. Wieder hatte der Vize Trump scheinbar den Rücken gestärkt, damit aber zugleich den Kurs seines Präsidenten öffentlich korrigiert und die Frage aufgeworfen, was er für Trump noch ist: ein treuer Untergebener oder längst sein größter Konkurrent?

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