https://www.faz.net/-gpf-a51wy

Wahlkampf-Endspurt : Trump lehnt Lockdown wie in Europa ab

  • Aktualisiert am

Findet seine eigene Politik famos: Donald Trump am 19. Oktober bei einem Wahlkampfauftritt in Tucson, Arizona Bild: AFP

Trotz stark steigender Infektionszahlen schließt Donald Trump einen Lockdown wie in Europa kategorisch aus. Und droht mit der Entlassung seines Chef-Virologen Anthony Fauci.

          2 Min.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat die „drakonischen Lockdowns“ in Europa und solche Maßnahmen für die Vereinigten Staaten trotz stark steigender Infektionszahlen ausgeschlossen. „Schauen Sie sich an, was in Europa passiert ist“, sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt in Hickory im Bundesstaat North Carolina. „Die Menschen begehren auf, sie wollen und können das nicht mehr tun.“ Trump fügte hinzu: „Europa hat drakonische Lockdowns verhängt, und trotzdem explodieren ihre Fallzahlen, die Zahl ihrer Toten nimmt stark zu, und ihre Wirtschaften sind - seien wir ehrlich, Sie sehen, was passiert - sie sind in Trümmern.“ Er fügte hinzu, natürlich wünschten die Vereinigten Staaten Europa nur Gutes.

          Der Republikaner warf seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden vor, im Fall seines Sieges bei der Präsidentenwahl am Dienstag einen Lockdown in den Vereinigten Staaten verhängen und „Amerika in einen Gefängnisstaat“ verwandeln zu wollen. „Der Biden-Lockdown wird zu unzähligen Toten führen und eine ganze Generation an Träumen auslöschen.“ Trump abermals sein Krisenmanagement in der Corona-Pandemie, das eine Mehrheit der Amerikaner seit Monaten negativ bewertet.

          Biden hat keinen Lockdown angekündigt, sondern versprochen, auf den Rat der Wissenschaftler zu hören. Er schrieb am Sonntag auf Twitter: „Donald Trump hat den Versuch aufgegeben, das Virus unter Kontrolle zu bringen.“

          Unterdessen drohte Trump mit der Entlassung des Virus-Experten Anthony Fauci. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Opa-locka in Florida äußerte sich Trump in der Nacht zum Montag frustriert darüber, dass der Anstieg der Fälle mit dem Coronavirus in den Vereinigten Staaten weiterhin viel in den Nachrichten vorkomme. Damit löste er „Fauci entlassen“-Rufe unter Tausenden seiner Anhänger aus. „Sagt es keinem, aber lasst mich bis etwas nach der Wahl warten“, sagte Trump daraufhin. Er schätze ihren „Rat“.

          Seine Aussagen kurz vor der Präsidentschaftswahl am Dienstag dürften dafür sorgen, dass Trumps Umgang mit dem Coronavirus weiter im Mittelpunkt des Wahlkampfs stehen wird. Zuvor war Trump noch nie so direkt gewesen mit einer ernsthaften Andeutung, Fauci entlassen zu wollen. Fauci ist der ranghöchste amerikanische Experte für ansteckende Krankheiten. Er ist Mitglied der Coronavirus-Taskforce des Weißen Hauses. Trump hatte bislang Bedenken geäußert, dass es politische Konsequenzen hätte, wenn er den beliebten und angesehenen Arzt vor dem Wahltag feuern würde.

          Fauci: Biden nimmt Lage ernst

          Fauci hatte am Wochenende den Umgang des Weißen Hauses mit dem Virus und Trump-Äußerungen dazu deutlich kritisiert. Die Vereinigten Staaten müssten in den kommenden Wochen wegen eines Anstiegs der Coronavirus-Fälle mit „sehr viel Schmerz“ fertig werden, sagte Fauci in einem Interview der „Washington Post“. Das Land könne „nicht schlechter aufgestellt sein“, um gegen eine Zunahme der Fälle vorzugehen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden nehme die Lage „aus einer Perspektive der öffentlichen Gesundheit ernst“. Trump „blickt auf sie aus einer anderen Perspektive“, sagte Fauci. Dabei würden „die Wirtschaft und die Wiedereröffnung des Landes“ betont.

          Weitere Themen

          Bundestag beschließt Corona-Notbremse Video-Seite öffnen

          Ausganssperren und mehr : Bundestag beschließt Corona-Notbremse

          Der Bundestag hat eine bundeseinheitliche Notbremse zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen. Das Gesetz sieht unter anderem nächtliche Ausgangssperren vor. In Kraft treten könnte es kommende Woche.

          Topmeldungen

          Einheitliche Regeln : Bundestag stimmt Corona-Notbremse zu

          Ausgangsbeschränkungen ab einer Inzidenz von 100, Schulschließungen ab 165 und einheitliche Regeln für den Einzelhandel: Die „Bundesnotbremse“ ist beschlossen. 8000 Menschen demonstrieren nahe der Abstimmung gegen die Corona-Maßnahmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.