https://www.faz.net/-gpf-a79cf

Vizepräsident Mike Pence : Kurz vor Schluss kam der Bruch mit Trump

Hat zu sich selbst gefunden: Vizepräsident Mike Pence Bild: EPA

Vier Jahre lang stand er devot an der Seite des Mannes, der es nicht erträgt, dass neben ihm ein anderer glänzt. Nun, quasi in letzter Minute, hat Vizepräsident Mike Pence seine eigene Sprache wieder gefunden.

          2 Min.

          Wenn man so will, hat Mike Pence am Mittwoch seine zweite Wiedergeburt inszeniert. Die erste erlebte er als Student, da wurde aus dem Sohn eines irischstämmigen Tankwarts und langjährigen Messdiener aus Indiana ein „wiedergeborener, evangelikaler Katholik“ – auch in der vielfältigen Religionslandschaft Amerikas eine originelle Selbstbeschreibung. Die zweite Neuerfindung war nun politischer Natur. Der Vizepräsident, der dem Präsidenten Donald Trump vier Jahre lang bis zur Selbstaufgabe devot zur Seite stand, fand seine eigene Sprache.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.

          Während der Präsident sich aufmachte, militante Trumpisten in Washington anzustacheln, verwahrte sich Pence in einer Erklärung dagegen, dass der Vizepräsident die Bestätigung der Wahl Joe Bidens verhindern könnte. Bevor er die gemeinsame Sitzung im Kongress eröffnete, erinnerte Pence daran, dass er einen Eid auf die Verfassung geschworen hatte. Dem wolle er gerecht werden – „so wahr mir Gott helfe“.

          „Ihr habt nicht gewonnen“

          Da sollte es nicht mehr lange dauern, bis Polizisten in den Plenarsaal des Senats stürmten und Pence an einen sicheren Ort geleiteten. Das Kapitol war gestürmt worden von Männern und Frauen mit Trump-Fahnen und roten Kappen, also genau solchen Amerikanern, die Pence in den vergangenen Jahren so oft vertretungshalber zugejubelt hatten. Während Trump die Aufständischen zu liebenswerten Patrioten adelte, sprach Pence klare Worte: „Ihr habt nicht gewonnen. Gewalt gewinnt nie“, sagte er der Meute, die ihm der Präsident auf den Hals gehetzt hatte.

          Nie zuvor hatte sich Pence so deutlich (oder überhaupt) von Trump distanziert. Selbst als offizieller Kopf der Corona-Taskforce schwieg der frühere Abgeordnete und spätere Gouverneur, den Politiker beider Parteien als rationalen Partner gelobt hatten, sobald Trump die Bühne beanspruchte und dort eine aberwitzige Show abzog.

          Mit der sanften Stimme, die er als Radiomoderator in den neunziger Jahren trainiert hatte, vertrat Pence Trumps Politik. Er „arbeitete hart dafür, dass ihm seine Erfolge nicht zugeschrieben werden“, sagte sein erster Stabschef. Eigene Meinungen behielt Pence für sich. Ebenso die Antwort auf die Frage, wie seine Trump-Ergebenheit zu seinem Selbstbild passte: „Ich bin ein Christ, ein Konservativer und ein Republikaner, in dieser Reihenfolge.“ Vertrauten erzählte Trump belustigt, ständig komme Mike Pence in sein Büro und wolle beten.

          Der plötzliche Bruch mag Trump Angst gemacht haben. Musste er bangen, dass Pence sich in den letzten Tagen der Amtszeit doch noch mit Ministern verschwören würde, um ihn für amtsunfähig zu erklären? Vielleicht erklärt sich so das für Trumps Verhältnisse brave Bekenntnis zur ordentlichen Machtübergabe. Für Pence wäre das eine irre Pointe: Denn Angst hatte wohl noch niemand vor ihm.

          Weitere Themen

          Es geht in der K-Frage um eine „Teamlösung“ Video-Seite öffnen

          Dobrindt und Brinkhaus : Es geht in der K-Frage um eine „Teamlösung“

          CDU-Chef Armin Laschet und der CSU-Vorsitzende Markus Söder haben vor der CDU/CSU-Bundestagsfraktion um Unterstützung für die angestrebte Kanzlerkandidatur geworben. Präsidiumsmitglieder mahnten die Parteien vor Beginn der Sitzung zu Geschlossenheit.

          Wieder ist Minneapolis im Notstand

          Nach Tod von Daunte Wright : Wieder ist Minneapolis im Notstand

          Nachdem am Sonntag ein Afroamerikaner bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen ist, kommt es im Großraum Minneapolis weiter zu Protesten. Der Fall überschattet den laufenden Prozess zum Tod von George Floyd.

          Topmeldungen

          Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes gehen am Abend kurz vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie durch die Innenstadt von Hannover.

          Einheitliche Corona-Regeln : Wann kommt die bundesweite Notbremse?

          Das Kabinett hat die bundesweite Notbremse beschlossen. Bis das Gesetz durch das Parlament kommt, dauert es aber noch. Denn die Opposition will nicht, dass die Beratungsfrist verkürzt wird.
          In der nächsten Saison nicht mehr in Frankfurt: Trainer Adi Hütter

          Hütter verlässt die Eintracht : Schlag ins Gesicht

          Dass Spieler gehen, wenn es läuft, ist im Fußball akzeptierte Wirklichkeit. Das vorzeitige Bye-bye von Sportvorständen und Trainern aber nicht. Vor allem, wenn darin kein sportlicher Aufstieg erkennbar ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.