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Reporterlegende Bob Woodward : Der Verführer des Präsidenten

Bob Woodward 2017 in Washington Bild: AP

Schon so mancher Politiker hat dem Journalisten Bob Woodward zu viel von sich preisgegeben. Seine Recherchen brachten in den siebziger Jahren sogar einen Präsidenten zu Fall.

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          Mit Bob Woodward zu sprechen, muss verführerisch sein. Einerseits ist der Journalist eine Reporterlegende und verfügt im politischen Washington über einen Ruf wie Donnerhall. Andererseits verfügt er über die Gabe, Menschen zum Reden zu bringen, sie Sachen sagen zu lassen, die sie besser für sich behalten hätten.

          Oliver Kühn
          Redakteur in der Politik.

          Nun ist auch Donald Trump Woodwards Verführungskraft erlegen. Seine Aussagen, er habe die Gefahr des Corona-Virus absichtlich heruntergespielt, um keine Panik zu erzeugen, könnten ihm im aktuellen Wahlkampf schaden. Gerade weil er nicht behaupten kann, es handle sich um Falschnachrichten und erfundene Quellen. Denn Woodward hat die 18 Gespräche zwischen Dezember 2019 und Juli 2020 auf Band aufgezeichnet und Ausschnitte veröffentlicht.

          Woodward kennt die Kraft, die solche Aufzeichnungen entfalten können. Richard Nixons Rücktritt ging auch auf Aufnahmen aus dem Weißen Haus zurück. Darauf ist der damalige Präsident zu hören, wie er die Vertuschung des Watergate-Skandals plant, den Woodward mit seinem Kollegen Bernstein im Juni 1972 aufgedeckt hatte. Damit hatte Woodward sich seinen Ruf als einer der besten Investigativreporter des Landes verdient und die „Washington Post“, für die er fast sein ganzes Journalistenleben gearbeitet hat, erhielt dafür einen Pulitzerpreis.

          Das in der kommenden Woche erscheinende Buch „Wut“ ist das zweite, das der 77 Jahre alte Woodward über den gegenwärtigen Präsidenten verfasst hat. „Furcht“, 2018 erschienen, war ein Bestseller und trug ihm einige wütende Trump-Tweets ein. Der sagte damals, das Buch wäre besser geworden, wenn Woodward mit ihm gesprochen hätte.

          Seit Jahren hat Woodward Zugang zu den höchsten Kreisen der amerikanischen Politik. Das hat sich unter anderem in 19 Büchern niedergeschlagen, die ihn zum Millionär machten. Kritiker nannten ihn deswegen den „Stenotypisten der Reichen und Mächtigen“. Er selbst sieht sich als Reporter, der Fakten sammelt, um Fehler im System erkennen und beheben zu können. Für seine Bücher nutzt Woodward intensiv anonyme Quellen und berichtet kleinste Details so, als sei er selbst dabei gewesen. Das wird zwar oft kritisiert, Fehler wurden aber kaum nachgewiesen. Er sagt, er schreibe nichts, was er nicht auch belegen könne.

          Bob Woodward wurde 1943 in Geneva im Bundesstaat Illinois geboren, ist in dritter Ehe verheiratet und hat zwei Kinder. Die Marine finanzierte ihm das Geschichts- und Englischstudium in Yale, bevor er von 1965 bis 1970 aktiven Dienst auf Kriegsschiffen tat. Bei der „Washington Post“ begann er 1971. 2002 erhielt die Zeitung einen Pulitzerpreis für die Berichterstattung über die Terrorangriffe vom 11. September 2001, an der Woodward federführend beteiligt war.

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