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Leser fragen – wir antworten : Warum wird jeder Fehler Trumps gnadenlos überhöht?

Eine Wahl, zwei Kandidaten, viele Fragen: Wir suchen Antworten für Sie. Bild: Reuters, dpa, Freepik, iStock (Bearbeitung F.A.Z.)

Wir beantworten Ihre Fragen zur Amerika-Wahl. In dieser Folge auch: Gibt es trotz der üblichen Wahlempfehlungen überhaupt noch neutrale Medien in Amerika?

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          Warum werden Fehler Trumps gnadenlos überhöht – und die von Biden relativiert?

          Stellen Sie sich vor, Sie sind Journalist und Donald Trump will Grönland kaufen. Gut eine Woche vorher hat er sich mit seinem Sicherheitsberater John Bolton über sehr grundsätzliche Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik überworfen. Jederzeit wird mit dem Beginn eines Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten wegen seiner Ukraine-Politik gerechnet. Nun aber: Grönland.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Was tun? Es ist ja ziemlich klar: Weder die Vereinigten Staaten von Amerika noch die Trump Organization werden die Insel kaufen, auch wenn der Präsident bestätigt, dass er sie „strategisch interessant“ findet. Schließlich steht Grönland nicht zum Verkauf. Nur eine Posse? Nur ein weiterer Beleg dafür, dass Trump eben kein Berufspolitiker ist, der seine Worte wägt und es nie wagen würde, die gewohnten Bahnen von Politik und Diplomatie zu verlassen? Ein Ablenkungsmanöver gar, während immerhin Impeachment in der Luft liegt? Oder doch der ziemlich ungeheuerliche Vorgang, dass ein selbstherrlicher amerikanischer Präsident laut über den Erwerb einer teilautonomen Insel nachdenkt und deren Einwohner damit genauso vor den Kopf stößt wie das Mutterland Dänemark, immerhin einen Nato-Verbündeten?

          Zeugt es nun von „gnadenloser“ Strenge, Häme oder gar Hetze, wenn die Presse auch daraus eine Story macht? Oder zeugt es vielleicht sogar von ihrer Unbedarftheit, weil sich die Journalisten von Aufreger zu Aufreger treiben lassen und Gefahr laufen, das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren? Die vergangenen vier Jahre mit Donald Trump waren voller solcher Abwägungen.

          Sie merken es schon, lieber Leser: Diese Frage möchte ich Ihnen persönlich beantworten. Schließlich beschäftigt sich seit 2015 ein großer Teil meiner Texte mit Donald Trump, und es ist beileibe nicht immer einfach, die Balance zu finden. Am Ende meiner Korrespondentenzeit in Washington habe ich 2018 selbst in einem Leitartikel geschrieben, dass niemand von der Dauerempörung über Trump stärker profitiert als Trump selbst. Sie schweißt seine Wähler zusammen – auch die, die eigentlich nicht überzeugt von ihm waren.

          Nun ahne ich, dass das nicht Ihre Hauptsorge ist, sondern dass Sie die Berichterstattung über Trump insgesamt unfair und zu negativ finden. Sind wir also blind für Trumps Erfolge und hypersensibel bei seinen Tweets? Begehen wir den Fehler, dass wir Trump zu oft beim Wort, aber nicht ernst nehmen, obwohl Trumps Anhänger beteuern, man müsse es genau umgekehrt machen? Ignorieren wir jetzt im Wahlkampf die Fehler aus Bidens fast fünfzigjähriger Karriere, weil wir Trump loswerden wollen?

          Nein. Objektive Berichterstattung ist nicht die Kunst, für jeden Fehler eines Kandidaten einen Fehler des Gegenkandidaten zu beschreiben. Auch Joe Biden ist beim besten Willen kein Mann ohne Schwächen, hier habe ich kürzlich einige aufgeführt. Relativierend? Unbedingt, denn die Dimension der Fehler ist eine ganz andere. Der amtierende Präsident hat sich nicht konsequent von Neonazis und Rechtsradikalen distanziert (dass er jüdische Enkel hat, ändert daran nichts). Er ermuntert zu gefährlichem Verhalten in einer Pandemie, die schon mehr als 220.000 seiner Landsleute das Leben gekostet hat. Er hofiert autoritäre Machthaber und düpiert Verbündete. Er weckt nachweislich unbegründete Zweifel an dem demokratischen Verfahren, das zu seiner Abwahl führen könnte. Und all das ist nur die Spitze eines wahrhaft kolossalen Eisbergs.

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