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Trumps Einwanderungspolitik : David gegen Donald

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Bürgermeister wehrt sich gegen Jagd auf „Illegale“

Schon ein Jahr später geriet El Cenizo in den Strudel des Einwanderungsstreits. Da hatte der Stadtrat beschlossen, auf Spanisch zu tagen. Fälschlich behaupteten die Verfechter einer strengeren Einwanderungspolitik, die Stadt habe Spanisch zur „Amtssprache“ erklärt. Reyes ging da noch zur Schule, aber noch immer regen ihn die „Fake News“ von damals auf, dass El Cenizo die mexikanische Flagge gehisst habe. Auf dem Stadtwappen prangen die amerikanischen „Stars and Stripes“ einträchtig neben der mexikanischen Trikolore. Niemand habe zur Kenntnis nehmen wollen, dass es der Stadt um politische Teilhabe gegangen sei. Bis heute spricht man in El Cenizo Spanisch.

Reyes schätzt, dass jede dritte Familie im Ort mindestens ein Mitglied hat, das gar nicht in den Vereinigten Staaten sein dürfte. „Aber darum kümmere ich mich nicht.“ Würde Trumps Grenzmauer je Wirklichkeit, so wäre El Cenizo von drei Seiten eingemauert, denn der Ort grenzt im Osten, Süden und Westen an Mexiko. Doch das ist Reyes’ geringste Sorge. „Unsere Rancher würden ihr Land am Ufer nie für eine Mauer hergeben.“

Vor rund zehn Jahren war eine Bürgerwehr in den Ort gekommen. Schwer bewaffnete „Minutemen“, allesamt Weiße, wollten auf dem Sportplatz ihr Lager aufschlagen und Jagd auf „Illegale“ machen. Reyes machte dem Spuk ein Ende: Er verlangte 500 Dollar für die Nutzung des Sportplatzes. Doch auch er plädiert für einen besseren Grenzschutz. Mit moderner Technik solle Trump eine „virtuelle Mauer“ bauen, fordert Reyes. Denn auch in El Cenizo seien es die Bürger leid, dass nachts Migranten über ihre Grundstücke irren.

Vor lauter Aufregung über die Sprach-Verordnung war 1999 ein zweiter Erlass untergegangen. Er besagt, dass sich niemand in der Stadtverwaltung je nach dem Aufenthaltsstatus eines Einwohners erkundigt. El Cenizo bezeichnete sich deshalb als „sicherer Hafen“ – und heute beschimpfen oder preisen die Widersacher im Einwanderungsstreit den Ort als erste „sanctuary city“ von Texas. Doch davon will Reyes nichts wissen. Solange Trump und Abbott „Zufluchtsstädten“ Zuschüsse kürzen und anderweitig das Leben schwermachen, will er seine Stadt nicht mit diesem Titel schmücken.

Und doch hat Reyes keinen Zweifel daran gelassen, dass er sich nie Abbots Gesetz unterwerfen und es den drei freiwilligen Polizisten von El Cenizo erlauben würde, Latinos nach ihren Papieren zu fragen. Sollte das Gesetz doch noch in Kraft treten, würde er wohl rasch seines Amtes enthoben, sagt Reyes. Dann müsste sich ein anderer mit den streunenden Hunden, dem verschmutzten Trinkwasser und der Rechnung für die Straßenbeleuchtung herumschlagen. „Eigentlich täten sie mir einen Gefallen“, witzelt Reyes und scheint kurz an die Möglichkeiten zu denken, die sich ihm als Absolventen einer Business School anderswo eröffnen würden. Doch rasch besinnt er sich auf seine Mission. „Unser Kampf ist größer als El Cenizo“, sagt der 34 Jahre alte Politiker. „Es geht um die Zukunft unserer Nation.“

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