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Wahlkampf in Amerika : Trump spricht von Corona-Impfstoff womöglich noch vor November

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Ein kleiner Junge überblickt am Labor Day eine Pro-Trump-Kundgebung in der Stadt Oregon City. Bild: AP Photo/Michael Arellano

„Sicher und effektiv“ werde der Impfstoff sein, versichert Donald Trump. Seine demokratischen Widersacher warnen vor solchen Aussagen. Am Labor Day versuchen beide Seiten, bei Arbeitern zu punkten.

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          Amerikas Präsident Donald Trump hat den oppositionellen Demokraten vorgeworfen, Unsicherheit über einen künftigen Corona-Impfstoff zu schüren. Die Aussagen der Opposition zu dem möglichen Serum seien „so gefährlich für unser Land“, sagte Trump am Montag in einer Pressekonferenz. Er betonte, der von ihm bereits für die kommenden Monate in Aussicht gestellte Impfstoff werde „sehr sicher und sehr effektiv“ sein.

          Trump deutete erneut an, dass das Serum eventuell bereits vor der Präsidentschaftswahl am 3. November zur Verfügung stehen könnte. „Wir werden einen Impfstoff sehr bald haben, vielleicht sogar vor einem sehr speziellen Datum“, sagte er.

          Demokraten: Trump ist nicht zu trauen

          Die demokratische Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris hatte gewarnt, dass Trump mögliche Corona-Impfstoffe voreilig für sicher und wirksam erklären könnte. „Ich würde Donald Trump nicht trauen“, sagte sie am Samstag dem Nachrichtensender CNN. Vielmehr müsse „eine glaubwürdige Quelle“ die Wirksamkeit und Zuverlässigkeit eines Impfstoffes bestätigen.

          Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, legte am Montag nach und betonte, er wolle Transparenz und die Vorlage wissenschaftlicher Fakten zu jeglichem Serum gegen das neuartige Coronavirus. Biden warf Trump seinerseits vor, das „öffentliche Vertrauen“ in die Entwicklung von Corona-Impfstoffen zu untergraben. Wenn es schließlich ein „richtig gutes“ Serum gebe, könnten die Menschen „zögerlich sein, es anzuwenden“, warnte er.

          Außerdem sprachen Trump und Biden sich gegenseitig Kompetenz in der Wirtschaftspolitik ab. Biden wäre als Anführer nicht in der Lage, mit der Corona-Krise umzugehen und die Konjunktur wieder anzukurbeln, sagte Trump am Labor Day, einem am ersten Montag im September begangenen Feiertag zu Ehren der Arbeiterbewegung.

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          Er selbst habe hingegen seit Mai für die Schaffung von mehr als zehn Millionen Jobs gesorgt. Dabei erwähnte Trump aber nicht, dass dies nur rund die Hälfte der seit Beginn der Pandemie verlorenen Arbeitsplätze sind. Trump warf Biden und dessen Vizekandidatin Kamala Harris zudem vor, „dieses Land und die Wirtschaft zu zerstören“.

          Biden sagte bei Treffen mit Gewerkschaftsführern in Harrisburg im Staat Pennsylvania, dass Arbeiter nach einem „amerikanischen Kodex“ lebten, während Trump „nach einem Kodex der Lügen, der Gier und der Selbstsucht lebt“. Bei einem Auftritt in Lancaster warf der Demokrat dem Amtsinhaber vor, sich der Konfrontation mit den Problemen von gewöhnlichen Leuten zu verweigern.

          Trumps angebliche Schmähungen von gefallenen Soldaten als „Verlierer“ und „Trottel“ bezeichnete Biden später zudem als unamerikanisch. Warum Amerikaner überhaupt dienen, werde Trump nie verstehen, kritisierte Biden. Trump bestreitet die Äußerungen.

          Coronavirus im Wahlkampf

          Weniger als zwei Monate vor der Wahl steht Trump angesichts der anhaltenden Ausbreitung des Coronavirus in seinem Land enorm unter Druck. Im August hatte er bei seiner offiziellen Kür zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner gesagt, die Vereinigten Staaten würden noch „vor Jahresende oder sogar früher“ einen Corona-Impfstoff produzieren.

          Die Vereinigten Staaten sind das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land weltweit. Rund 6,3 Millionen Infektionen wurden dort bislang nachgewiesen, mehr als 189.000 Infizierte starben. Trump wird vorgeworfen, die Gefahr durch den neuartigen Erreger lange unterschätzt zu haben und die Bürger immer wieder mit Äußerungen über angeblich vielversprechende Behandlungsmethoden in die Irre zu führen.

          In den landesweiten Umfragen sowie den Befragungen in mehreren als wahlentscheidend geltenden Bundesstaaten liegt Trump hinter Biden zurück.

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