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Attacke auf McConnell : Der Irrtum über Trump

  • -Aktualisiert am

Damals ein trautes politisches Paar: Donald Trump und Mitch McConnell im Oktober 2017 in Washington. Bild: AFP

Mitch McConnell hat lange geglaubt, er könne Donald Trump steuern. Das war ein fataler Irrtum des republikanischen Minderheitsführers im Senat. Der abgewählte Präsident lässt sich nicht zähmen.

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          Das Zerwürfnis zwischen Donald Trump und dem republikanischen Minderheitsführer im Senat, McConnell, ist ein Indiz des Macht- und Richtungskampfes in der Republikanischen Partei. Dass der nun eskaliert, ist angesichts des dramatischen Geschehens am 6. Januar und des Amtsenthebungsverfahrens keine Überraschung. Trump will die Partei weiter im Griff behalten. Abweichendes Verhalten, das sich darin äußert, den Präsidenten für die Erstürmung des Kapitols verantwortlich zu machen, wird geahndet: mit übler Nachrede, mit Aufrufen zur politischen Vernichtung. Der Wandel einer konservativen Partei zu einer nationalistischen Kampftruppe soll fortgesetzt werden, auch wenn die Kommandozentrale, das Weiße Haus, derzeit anderweitig besetzt ist.

          Trumps Aufruf an die Republikaner im Senat, McConnell abzusetzen, enthält eine Lehre, die über die amerikanische Politik hinausgeht. Der mit allen Wassern gewaschene McConnell ging mit Trump ein Zweckbündnis ein, als er ihn unterstützte, um so seine Vorhaben durchzusetzen, Steuersenkungen und Entregulierung vor allem. Vielleicht glaubte er sogar, er sei der Puppenspieler und Trump hänge an seinen Fäden. Ein kolossaler Irrtum! Ein Populist mit absolutistisch-unfehlbarer Herrscherattitüde lässt sich nicht zähmen, nicht einer, den Millionen Wähler idolisieren, dessen Modus die Dauerradikalisierung ist. Trump hat die Partei gekapert; nun regt sich hier und da Widerstandsgeist – zu spät?

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