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Panne bei der Auszählung : Irgendwas in Iowa

Trotzdem feiern: Anhänger von Pete Buttigieg am späten Montagabend in Des Moines, Iowas Hauptstadt Bild: AP

Die Demokraten beginnen die Vorwahlen mit einer Peinlichkeit: Am Dienstagmorgen, sieben Stunden nach dem Beginn der „Caucuses“, liegt noch kein einziges Ergebnis vor. Trotzdem erklärten sich zwei Kandidaten zum Sieger.

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          Eine Panne bei der Demokratischen Partei verzögert die Bekanntgabe der Vorwahlergebnisse aus Iowa. Obwohl um 19 Uhr Ortszeit im ganzen Staat die Parteiversammlungen („Caucuses“) begonnen hatten, in denen die Anhänger der Demokraten ihren bevorzugten Präsidentschaftskandidaten auswählten, gab es noch am Dienstagmorgen keinerlei Ergebnisse.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.

          In einer knappen Mitteilung der Partei war mit Blick auf die aus den 1768 Bezirken übermittelten Teilergebnisse von „Ungereimtheiten“ die Rede. Die Meldungen würden nun anhand von schriftlichen Unterlagen überprüft. Nach unbestätigten Angaben aus einzelnen Wahlkampfstäben gibt es keine Garantie dafür, dass die Ergebnisse noch im Laufe des Dienstags vorliegen. Die Partei bestritt Gerüchte, dass eine neue App zur Ergebnis-Übermittlung abgestürzt oder dass sie gar zum Ziel von Hackern geworden sei.

          Die meisten Kandidaten hielten trotzdem auf ihren geplanten „Siegesfeiern“ Reden und verbreiteten Zuversicht. Als erste versicherte die Senatorin Amy Klobuchar, dass sie in Iowa ganz offenkundig „über unserer Gewichtsklasse“ boxe. Auch der frühere Vizepräsident Joe Biden und, etwas zurückhaltender, die Senatorin Elizabeth Warren bekundeten Zuversicht. Besonders forsch erklärte sich kurz vor Mitternacht der junge Kandidat Pete Buttigieg zu einem Sieger der ersten Vorwahl: Er werde „siegreich“ nach New Hampshire weiterreisen, verkündete der frühere Bürgermeister von South Bend. Konkurrenz bekam er von Bernie Sanders, der sich ebenfalls zum Sieger der Vorwahl erklärte. Da jeder Kandidat auf jedem Caucus von einem freiwilligen Helfer vertreten wird, dürften die Wahlkampfstäbe selbst eine Vorstellung vom Ausgang der ersten Vorwahlen haben.

          Die „Caucuses“ liefen diesmal komplizierter ab als sonst, weil es vor vier Jahren an der Demokraten-Basis Zweifel an der Auszählung gegeben hatte. Erstmals genügte es nicht, dass die Leiter der einzelnen Versammlungen die Ergebnisse notierten und an die Zentrale meldeten; jeder Wähler hatte seine Entscheidung schriftlich zu bestätigen. 2016 hatte in Iowa Hillary Clinton nur einen hauchdünnen Sieg vor Bernie Sanders errungen; später war von Unregelmäßigkeiten in einigen Abstimmungen die Rede. Die Demokratische Partei Iowa hatte sich darüber entzweit.

          Aus Donald Trumps Wahlkampagne gab es Spott. In einem Tweet lästerte der Wahlkampfchef des Präsidenten, Brad Parscale, über die „Schlamperei“ und versuchte, neuerlich Zweifel an der Auszählung zu säen. „Es wäre ganz natürlich, wenn die Leute nun die Fairness des Verfahrens bezweifeln“, schrieb Parscale. Er fragte: „Und diese Leute sollen unser gesamtes Gesundheitssystem führen?“

          Der Vorfall dürfte es der Demokratischen Partei Iowa noch schwerer machen, ihre seit Jahrzehnten hochgehaltene Rolle als „erste der Nation“ zu verteidigen. Dass die Vorwahlen stets in dem dünn besiedelten Agrarstaat im Mittleren Westen mit überwiegend weißer Bevölkerung beginnen, stört schon lange maßgebliche Demokraten. Der Wahlkampf konzentriert sich nun auf New Hampshire in Neuengland, wo am kommenden Dienstag Vorwahlen geplant sind. Dass führende Kandidaten dorthin weiterreisen, ohne zu wissen, wie sie in Iowa abgeschnitten haben, dürfte es noch nie zuvor gegeben haben.

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