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Trump auf dem Parteitag : Der weltbeste Krisenmanager

Präsident Donald Trump trat beim Parteitag überraschend persönlich auf. Bild: dpa

Auf ihrem Nominierungsparteitag wollten die Republikaner die Geschichte des Covid-Krisenmanagements umschreiben und Donald Trump als empathische Führungsfigur inszenieren. Die Basis sollte mit antikommunistischer Rhetorik begeistert werden.

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          Werbevideos, aufgezeichnete Reden und eine Handvoll Live-Auftritte: Auch der Parteitag der Republikaner sieht in diesem Jahr ganz anders aus als sonst. Für Donald Trump ist das ein Nachteil, lebt er doch von seinem Verhältnis zu jubelnden Anhängern. Im Mittelpunkt stand er trotzdem.

          Am ersten Tag konzentrierte sich alles auf drei Ziele: Die Partei wollte die Geschichte des Covid-Krisenmanagements umschreiben, Trump als empathische Führungsfigur inszenieren und die Basis mit antikommunistischer Rhetorik begeistern.

          Ein Video zeigte den Kampf gegen das Virus in ganz neuem Licht: Nicht das Gedenken an fast 180.000 Tote in Amerika stand im Vordergrund, sondern Trumps angeblich beherztes Krisenmanagement. Clips zeigten Demokraten wie Nancy Pelosi und New Yorks Bürgermeister Bill DeBlasio, wie sie für Restaurantbesuche in Chinatowns warben, weil ganz zu Anfang des Ausbruchs in China die Gäste wegblieben. Trump dagegen wird als zupackender Krisenmanager inszeniert, der Kriegsschiffe in betroffene Städte schickte und alle Hebel in Bewegung setzte, um die Bürger zu schützen. Als das Virus „mit schönen Grüßen von der Kommunistischen Partei Chinas“ die Vereinigten Staaten heimgesucht habe, da habe sein Vater die „großartige Privatwirtschaft“ zur Rettung der Menschen mobilisiert, sagte Donald Trump Jr. in seiner vorab aufgezeichneten Rede. Die Liste der Fehlentscheidungen und Versäumnisse des Präsidenten ist lang: Trump hatte die Pandemie lange verharmlost, Rechte zu Demonstrationen gegen Schutzmaßnahmen animiert und Hilfen an Bundesstaaten verzögert, die ihm politisch nicht genehm waren. Der Parteitag hielt also die Factchecker der amerikanischen Medien in Atem. „Wenn es verrückt ist, dann müssen wir es verrückt nennen“, sagte David Dale vom Fernsehsender CNN und sprach von einer „Parade der Verlogenheit“.

          Mit Trump gegen den Sozialismus

          Trump behauptete in seiner ersten Parteitagsrede in Charlotte, North Carolina, dass Amerika eine beispiellose wirtschaftliche Blüte erlebt habe – bis das Virus „aus China hereinkam“. Als zentrales Argument für seine Wiederwahl führte er den Zustand vor der Pandemie an. An die stabile Wirtschaft sollten sich die Amerikaner erinnern, die sie angeblich ihm verdankten, anstatt, wie viele Fachleute meinen, einer langen Wachstumsperiode, die bereits unter seinem Amtsvorgänger Barack Obama eingeleitet worden war. Trump ließ sich im Weißen Haus auch bei einem Treffen mit Ersthelfern und Betroffenen der Pandemie filmen. Der Präsident lobte Krankenschwestern und freute sich über die Genesung ehemaliger Patienten – dabei stand er mit sieben Menschen zusammen, die keine Masken trugen und weder zu ihm noch untereinander den vorgeschriebenen Mindestabstand einhielten.

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          Das Coronavirus ließ sich also nicht ignorieren, im Zentrum dieses ersten Tages standen aber Appelle an die Basis und Warnungen vor einer düsteren Zukunft unter einem Präsidenten Joe Biden. Hatten einige Kommentatoren vor allem mit einenden Signalen von den Republikanern gerechnet, wurden sie deutlich enttäuscht. Die Schreckgespenster, die auch diesmal wieder gejagt werden mussten, hießen „Sozialismus“, „Cancel Culture“ und „Chaos“. Oft war von „Mobs“ die Rede, die in den letzten Monaten die Straßen „überflutet“ hätten, wie sich etwa Donald Trump Jr. ausdrückte. Mehrere Rednerinnen und Redner verbreiteten allerlei Falschbehauptungen über Biden – unter anderem, dass er die Polizei einsparen wolle. In Bidens Welt werde man nur noch die Mobilbox der Polizei erreichen, wenn man den Notruf 911 wähle, sagte Trumps Sohn.

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