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Amerika-Wahl im Fernsehen : Schon seltsam, diese Wähler

Knappes Rennen: Gäste von „Manuel’s Tavern“ in Atlanta verfolgen auf dem Parkplatz des Lokals die Stimmenauszählung. Bild: AUDRA MELTON/The New York Times/

Warum bloß stimmten so viele für Trump? Die hiesige Berichterstattung offenbart, wie wenig Journalisten in den vergangenen vier Jahren über die Vereinigten Staaten gelernt haben.

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          „Warum wählen die Donald Trump?“ Die Frage der „Tagesschau“-Moderatorin am Morgen danach klang fassungslos. Gemeint waren die Latinos, die dem noch amtierenden Präsidenten zur Stimmenmehrheit in Florida verholfen hatten. Tja, was solle sie sagen, entgegnete die überraschte WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni. Sie stecke in den Köpfen ja nicht drin. Die Latinos in Florida hätten familiäre Wurzeln auf Kuba, seien katholisch und konservativ und könnten mit Trump wohl etwas anfangen. Schon seltsam, diese Wähler.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In Wahrheit ist seltsam, dass wir in dieser Wahlnacht auf allen Sendern ein Programm geboten bekamen wie auf den Dritten der ARD an Silvester mit dem „Dinner for One“: „The same procedure as last year.“ Wobei es hier vier Jahre sind. Denn vor vier Jahren, als Hillary Clinton entgegen den Erwartungen vieler Journalisten und Beobachter nicht zur Präsidentin der Vereinigten Staaten wurde, hatten wir das alles schon einmal – vollkommenes Unverständnis, dass jemand diesen Mann wählen kann, der das Institutionengefüge der amerikanischen Demokratie zersetzt und sich am Tag nach der Wahl zum Sieger erklärt, obwohl er der Zahl der Wahlmänner nach hinter seinem Herausforderer Joe Biden liegt und die Stimmen in den entscheidenden Bundesstaaten noch nicht ausgezählt sind.

          Wäre es an den Deutschen, den amerikanischen Präsidenten zu wählen, fiele die Angelegenheit eindeutig aus: 89 Prozent für Biden, vier Prozent für Trump. So präsentiert es uns das ZDF am Mittwochmorgen mit einer Umfrage, welche die Forschungsgruppe Wahlen schon Ende Oktober erhob und die paradigmatisch für das Schauspiel in der Wahlnacht steht – Selbstgewissheit in der eigenen Filterblase, die wieder einmal platzt, zu erleben etwa in der Runde von Markus Lanz. Da bekommen die Amerikaner von dem SPD-Politiker Ralf Stegner oder dem Journalisten Klaus Brinkbäumer Nachhilfe in Demokratie. Der zugeschaltete Claus Kleber gibt sich jovial und meint, die Vereinigten Staaten ließen sich von jemandem wie Trump nicht ruinieren. Währenddessen wirbt der deutsche Außenminister Heiko Maas im Ersten dafür, dass das transatlantische Verhältnis wieder in Ordnung gebracht wird, Europa aber mehr Verantwortung in der Welt übernehmen müsse, gerade in Afrika. Die Fortsetzung dieses Appells, eventuell mit einem „robusten“, also militärischen Mandat, auf das er angesprochen wird, würden wir von ihm mit Blick auf die bei uns vorherrschende Haltung, sich, wenn es darauf ankommt, lieber herauszuhalten, freilich bei nächster Gelegenheit auch gerne hören.

          Von Amerika nichts verstanden

          Beim eigentlichen Krimi – der Stimmenauszählung in den einzelnen Bundesstaaten und der damit verbundenen Zahl der Wahlmänner für Biden oder Trump – gerät die Handlung im Laufe der Nacht aus den Fugen. Die verschiedenen Sender, ob ARD, ZDF, n-tv oder „Welt“, melden ganz unterschiedliche Zwischenstände, bei den meisten liegt der Kandidat der Demokraten allerdings durchgehend vor dem Amtsinhaber. Im Ersten kommt Jörg Schönenborn an seiner digitalen Erklärtafel an Texas einfach nicht vorbei. Sobald er mit seiner Schulter an dem großen Flächenstaat anlangt, um auf Kalifornien, Arizona oder New Mexico zu tippen, ploppt Texas auf. Die 38 Wahlleute gehen schließlich an Trump.

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