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F.A.Z.-Newsletter Amerika wählt : Bloß das Alter nicht erwähnen!

Erzählt lieber von sich: Kamala Harris ließ sich nicht auf die Frage ein, ob Joe Biden zu alt ist für das Amt des Präsidenten. Bild: Reuters

Ideologisch trennen Kamala Harris und Mike Pence Welten. Doch sie teilen ein Tabu: Über das Alter oder eine Krankheit ihrer Chefs wollen sie nicht reden. Dabei macht sie gerade das interessant.

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          Kurz konnte man meinen, Mike Pence und Kamala Harris hätten sich verschworen. Doch es war nur eine begrenzte Übereinstimmung von Interessen, die den Vizepräsidenten von Donald Trump und die „running mate“ von Joe Biden bewog, bei ihrem Fernsehduell am Mittwochabend fast wie Synchronspringer zwei der dringendsten Fragen auszuweichen. Die Moderatorin wollte wissen, ob Pence mit dem 74 Jahre alten, an Covid-19 erkrankten Trump und Harris mit dem fast 78 Jahre alten Joe Biden Abmachungen getroffen haben, wie es weiterginge, wenn diese (vorübergehend) außerstande wären, ihr Amt auszuüben. Pence verlor sich in längeren Ausführungen über großartige Impfstoffe, die noch dieses Jahr massenweise verteilt würden. Kaliforniens frühere Justizministerin Harris beschrieb anstelle einer Antwort ihren Werdegang als „person of color“, der sie als erst zweite schwarze Frau der amerikanischen Geschichte in den Senat führte.

          Die Moderatorin legte mit der Frage nach, warum Trump die Öffentlichkeit nur lückenhaft über seine akute Erkrankung unterrichte und warum auch Biden in seinem Gesundheitsbulletin hinter dem zurückgeblieben sei, was frühere Kandidaten veröffentlicht hatten. Pence nutzte nun seine Zeit, um allen Amerikanern zu danken, die Trump gute Besserung gewünscht hätten, und schloss dabei artig Biden und Harris ein. Letztere sprach zwar gern über Intransparenz, bezog sich dabei aber allein auf Trumps Steuererklärungen. Nichts zu machen: Beide Kandidaten waren entschlossen, das Thema Gebrechlichkeit nicht zuzulassen. Dabei war das hohe Alter von Biden und Trump der triftigste Grund, die Debatte der „running mates“ ausnahmsweise ernst zu nehmen.

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          Ausweichakrobatik gab es auch an anderen Stellen. Dennoch hatten es die Amerikaner am Mittwochabend leichter als vorige Woche beim Krawallduell von Trump und Biden, die politischen und ideologischen Unterschiede der beiden Lager zu erfassen. Die Demokratin Harris hält den Klimaschutz für eine existentielle Bedrohung, der Republikaner Pence eher die Klimaschutzgesetze. Harris sieht unter Trump die Demokratie gefährdet, Pence unter Biden die Wirtschaft; immer wieder warnte er vor einem Fracking-Verbot (das Biden ausgeschlossen hat). In der Außenpolitik rühmte der Evangelikale Pence zuvörderst die Verlegung der amerikanischen Botschaft in Israel nach Jerusalem, während Harris das Hohelied der Bündnispflege anstimmte. Harris beharrte darauf, dass es ein Problem mit systemischem Rassismus auch in der Polizei gebe, während Pence die Sicherheitskräfte vor dieser „Beleidigung“ in Schutz nahm.

          Wie Pence Rassismus-Vorwürfe pariert

          Was viel über die Lage des Landes aussagte, war Pence‘ Erwiderung auf Harris‘ Rassismus-Vorwürfe gegen Trump. Die Demokratin führte reichlich Belege an: Trumps Hetze im vorigen Wahlkampf gegen Einwanderer aus Mexiko, seine gegen Muslime gerichteten Einreiseverbote, seine Verharmlosung rechtsradikaler Demonstranten in Charlottesville im August 2017 – sowie natürlich seine Weigerung in der Debatte vorige Woche, weißen Rassismus im Allgemeinen und die rechte Schlägergruppe „Proud Boys“ im Besonderen zu verurteilen.

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