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Donald Trump : Sein Antrieb ist die Angst

Süchtig nach Erfolg und medialer Aufmerksamkeit: der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Bild: AP

Keine Selbstreflexion, aber großer Spaß am Streit mit anderen: Jetzt veröffentlichte Interviews geben Einblicke in das Seelenleben Donald Trumps – und zeigen, wovor er sich am meisten fürchtet.

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          „Ich analysiere mich nicht gerne, weil ich vielleicht nicht mögen könnte, was ich sehe“, sagte Donald Trump 2014 in einem Interview zu Michael D’Antonio. Ausschnitte aus diesem und anderen Gesprächen zwischen Trump und D’Antonio hat die „New York Times“ nun veröffentlicht. Sie zeigen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten nicht nur als Menschen, der sich nicht gerne mit dem eigenen Seelenleben auseinandersetzt. Sondern auch als Getriebenen – und zwar von der Angst, seinen Status zu verlieren.

          Anna-Lena Ripperger
          Redakteurin in der Politik.

          Der Journalist und Pulitzerpreisträger D’Antonio hatte sich mehrere Male mit Trump getroffen und insgesamt mehr als fünf Stunden mit ihm gesprochen. Es war das letzte große Interview mit dem Unternehmer, bevor dieser als Präsidentschaftskandidat antrat. D’Antonio hatte der „New York Times“ in den vergangenen Wochen sowohl seine Interview-Transkripte als auch die Audiodateien der Interviews zur Verfügung gestellt, weil er die Präsidentschaftskandidatur Trumps ablehnt. Das Wahlkampfteam von Clinton wiederum zeigte kein Interesse an dem Material.

          D’Antonio hatte 2014 aber nicht nur Trump selbst interviewt, sondern auch dessen ehemalige Ehefrau Ivana und die drei ältesten Kinder. Auf der Basis dieses Materials schrieb D’Antonio später eine Biografie über den Unternehmer, die 2015 unter dem Titel „Nie genug: Donald Trump und die Jagd nach Erfolg“ erschien. Der Titel war treffend gewählt, wie die Interviewausschnitte nun belegen: Trump war schon 2014 fixiert auf seinen Erfolg und seine mediale Popularität. Und er fürchtete damals – wie vermutlich auch heute – nichts mehr, als diese Bekanntheit zu verlieren und in Vergessenheit zu geraten.

          Trump und seine Sucht nach Aufmerksamkeit

          In einem der Interviews erzählte Trump von einem Schlüsselerlebnis: dem Tag, an dem sein Name das erste Mal in der Zeitung abgedruckt wurde. Als Spieler im Baseball-Team seiner High School hatte er seiner Mannschaft zum Sieg verholfen. Trump erinnerte sich noch genau an diesen Moment, obwohl er schon lange zurücklag: „Ich liebte es. Es war das erste Mal, dass ich jemals in einer Zeitung vorkam. Ich war damals ja noch ein junger Kerl.“ Dieser Moment sei für ihn wundervoll gewesen. „Es hat sich gut angefühlt.“

          Das Interview zeigt: Von diesem Zeitpunkt an war Trump angefixt von der Aufmerksamkeit, die Medien ihm schenkten. Als Trump sich bereits als Unternehmer etabliert hatte, ließ er Presseschauen über sich erstellen, die er dann eigenhändig durchging. Zu D’Antonio sagte er, er komme jeden Tag in unzähligen Medienberichten vor, „tausende, tausende Mal am Tag.“ Irgendwann nicht mehr gefragt zu sein, in der Öffentlichkeit und bei den Medien, das scheint Trumps größte Angst zu sein.

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          Die Erwähnungen in den Medien betrachtete der Unternehmer Trump als kostenlose Werbung für seine Hotels und Golfplätze. Deshalb trat er in Fernsehshows auf und gab immer wieder Interviews. Er könne nein sagen und dann für eines seiner Projekte Werbung machen, mit einer halben oder einer ganzen Million Dollar, sagte Trump. „Oder ich kann die Show machen und nichts ausgeben und viel länger präsent bleiben“, so Trump zu seinem Biografen. Im Gespräch mit D’Antonio bewertete Trump jeden dieser Auftritte positiv – genauso wie er es später auch im Präsidentschaftswahlkampf tun sollte.

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