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Bernie Sanders : Der unwahrscheinliche Kandidat

Dem 74 Jahre alten Sanders gelingt es, viele junge Menschen für sich zu begeistern. Bild: AFP

Bernard „Bernie“ Sanders will allen Ernstes Präsident von Amerika werden. Dass ihm überhaupt noch Chancen gegeben werden gegen Hillary Clinton und ihre Wahlkampfmaschine, ist eine echte Überraschung.

          4 Min.

          Bernie Sanders ist ein 74 Jahre alter Jude mit starkem Akzent, der sein Aufwachsen in Brooklyn verrät. Er lebt in Vermont, ist geschieden, hat ein uneheliches Kind sowie drei Stiefkinder und lässt, wenn nicht alles täuscht, den lieben Gott eine guten Mann sein. Sozialist nennt er sich, gelegentlich mit dem Zusatz „demokratischer“. Einer Partei gehört Sanders nicht an. Regelmäßig stimmt er allerdings als unabhängiges Mitglied des amerikanischen Senats mit den Demokraten, deren Unterstützung er jetzt sucht. Sie sollen ihn zum Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei machen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Sanders will allen Ernstes Präsident der Vereinigten Staaten werden. Dass er überhaupt noch Chancen hat gegen Hillary Clinton und ihre Wahlkampfmaschine, ist eine echte Überraschung, aber nicht nur wegen des übermächtig scheinenden Gegners. Denn die ersten, die über die Zukunft etwaiger Präsidentschaftskandidaten ein überproportional wichtiges Wörtchen mitzureden hatten, waren die Bürger des Bundesstaates Iowa: Diese sind ziemlich weiß (92 Prozent), ziemlich konservativ, ziemlich gläubig (53 Prozent ist der Glaube sehr wichtig) und ziemlich rural. Ein großer Teil der eher mit der demokratischen Partei sympathisierenden Wähler findet ausgerechnet Bernie Sanders gut, zeigen die Ergebnisse, mindestens so gut wie Hillary Clinton.

          Aber in diesem Wahlkampf kommt ohnehin vieles unerwartet, nicht zuletzt die Beliebtheit des republikanischen Kandidaten Donald Trump. Dem hatten die politischen Strategen, die Kommentatoren und die Meinungsforscher auch nur eine Sternschnuppen-Karriere mit zeitnahem Verglühen zugetraut. Aber die Profis der Vorhersage versagen stets, wenn fundamentaler Wandel im Gange ist. Die Amerikaner sind seit der Finanzkrise und der darauf folgenden großen Depression von einer Grundstimmung gepackt, in der sich Unzufriedenheit mit Bitterkeit mischt. Der wichtigste Grund: Die Volkswirtschaft ist zwar gewachsen, die persönlichen Einkommen sind es aber oft nicht. Schuld geben die Amerikaner der Politik.

          Knapp ein Jahr vor der Präsidentenwahl sind sie geradezu zynisch in der Beurteilung ihrer Regierung, ihrer gewählten Abgeordneten und der Politik im Allgemeinen. Gerade 19 Prozent sagen, man könne der Regierung stets oder zumindest doch meistens trauen, berichtete das Meinungsforschungsinstitut Pew Research im November. Das war einer der miesesten Werte der vergangenen 50 Jahre. Die Geringschätzung gegenüber den gewählten Vertretern zeigt sich auch durch eine andere Zahl: 55 Prozent der Amerikaner glauben, jeder normale Mensch könne die Aufgabe der Politiker, nationale Probleme zu beheben, besser erledigen als die Abgeordneten.

          Im Gewand des normalen Amerikaners

          Bernie Sanders ist die politische Figur, die in das Gewand des normalen Amerikaners geschlüpft ist und sich zugleich als Außenseiter des als tief korrupt empfundenen Washingtoner Establishments positioniert. Wenn man die reinen Karrieredaten des Mannes nimmt, ist diese erfolgreiche Positionierung kein Selbstläufer. Sanders blickt auf eine lange Karriere im Herzen des Bösen zurück: 16 Jahre diente er als Mitglied des Repräsentantenhauses, acht Jahre als Mitglied des Senats.

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