https://www.faz.net/-gpf-8y313

Amerikanische Reaktionen : Eine historische Rede?

  • -Aktualisiert am

Plötzlich schlägt Donald Trump differenziertere Töne über die muslimische Welt an. Bild: AFP

„Der Islam hasst uns“ – das hatte Donald Trump noch im Wahlkampf gesagt. In Saudi-Arabien schlägt der amerikanische Präsident differenziertere Töne an. Sein Auftritt wird gerade in Amerika aufmerksam verfolgt.

          4 Min.

          Als Donald Trump im fernen Riad ans Rednerpult tritt, sitzen viele Amerikaner gerade am Frühstückstisch. Der große Auftritt ihres Präsidenten war auch in der Heimat mit Spannung erwartet worden. Was für Töne würde er anschlagen, was für eine außenpolitische Vision formulieren?

          „Der Islam hasst uns“, hatte Trump noch im Wahlkampf gesagt und sogar ein pauschales Einreiseverbot für Menschen muslimischen Glaubens gefordert. Nun steht er auf der ersten Station seiner ersten Auslandsreise ausgerechnet im strenggläubigen Saudi-Arabien auf der Bühne, wo der Islam Staatsreligion ist. Vor ihm sitzen mehr als fünfzig muslimische Staatschefs.

          „Der Weg zum Frieden beginnt hier, auf diesem uralten Boden, in diesem heiligen Land“, sagt der Präsident. Immer wieder macht er in den etwa 35 Minuten seiner Rede klar, dass es an diesem Tag um die ganz großen Themen gehen soll: Krieg und Frieden – und die Rolle, die Religionen dabei spielen. Es gebe „keinen Kampf zwischen verschiedenen Religionen“, sagt Trump etwa, dafür aber „eine Schlacht zwischen barbarischen Kriminellen, die das menschliche Leben auslöschen wollen“ sowie „anständigen Menschen aller Religionen“, die dieses Leben „beschützen wollen“.

          Extremismus „ehrlich entgegentreten“

          Zum einen fordert der Präsident die muslimische Welt auf, mehr gegen Terroristen zu tun. Alle Staaten und religiösen Anführer müssten islamistischem Extremismus „ehrlich entgegentreten“ und „gemeinsam gegen das Morden unschuldiger Muslime, gegen die Unterdrückung von Frauen, die Verfolgung von Juden und das Niedermetzeln von Christen“ eintreten.

          Besuch in Saudi-Arabien : Trump spricht vom Kampf „Gut gegen Böse“

          Viel war im Vorfeld gerätselt worden, ob Trump in der Rede auf seine im Wahlkampf so oft genutzte Formulierung „radikaler islamischer Terrorismus“ zurückgreifen würde. Laut vorab veröffentlichtem Manuskript entschied er sich für die vorsichtigere und differenziertere Variante „islamistischer Extremismus“, offenbar aus Rücksicht auf sein Publikum vor Ort. Als er die Rede dann hält, sagt er schließlich doch einige Male  „islamisch“ anstatt „islamistisch“. An einer Stelle ist gar vom „islamistischen und islamischen Terror“ die Rede. 

          Während einige enttäuschte Trump-Wähler, die auf mehr Konfrontation gehofft hatten, ihren Präsidenten in den sozialen Medien als „Feigling“ bezeichnen, fällt das parteiübergreifende Echo in den Vereinigten Staaten durchaus positiv aus. Man müsse konstatieren, sagt etwa der ehemalige republikanische Senator und Präsidentschaftsbewerber Rick Santorum bei CNN, dass Trump „anscheinend doch auf Ratschläge seiner Berater hört“ – zumindest teilweise.

          Wer kämpft gegen wen?

          „Die Staaten des Mittleren Ostens können nicht darauf warten, dass die Macht Amerikas diesen Feind für sie zermalmt“, sagt Trump mit Blick auf nötige gemeinsame Anstrengungen gegen Terroraktivitäten. Dieses Übel könne nur überwunden werden, wenn die „Kräfte des Guten vereint und stark sind, und wenn jeder in diesem Raum seinen fairen Teil dazu beiträgt“. Die Frage, wer gegen wen kämpft, beantwortet der Präsident mit klaren Worten: Gut gegen Böse.

          Die filmreifen Sätze kommen an in Amerika. „Meisterliche Rede unseres Präsidenten“, twittert der republikanische Abgeordnete Pete King. „Eine historische Rede“, schwärmt der einflussreiche konservative Radiokommentator Wayne Dupree. Statt „Spitzfindigkeiten“ à la Obama habe Trump klare Kante gezeigt, freut sich Fox-News-Anchor Eric Bolling. Der Sänger Vinnie James fühlt sich gar an Ronald Reagans „Tear down this wall“-Rede in Berlin erinnert.

          „Wir sind nicht hier, um Sie zu belehren“, fasst Trump in Riad die zweite große Botschaft seiner Rede zusammen. „Wir sind nicht hier, um anderen Menschen vorzuschreiben, wie sie leben, was sie tun, wer sie sein oder wie sie glauben sollen.“ Stattdessen sei man gekommen, um „eine Partnerschaft anzubieten“, basierend auf „gemeinsamen Interessen und Werten“.

          Weitere Themen

          Vor Satan geschützte Zonen

          Brief aus Istanbul : Vor Satan geschützte Zonen

          Erdoğan spielt sich als großer Herrscher auf, doch seine Machtbasis erodiert. Er versucht, islamistischen Wählern mit mehr Religion zu kommen. Wenn ihr Kühlschrank leer ist, bringt das nicht viel.

          Topmeldungen

          Mit Merkel in Aachen : Herzbeben bei Laschets Wahlkampffinale

          Zum Wahlkampfabschluss in seiner Heimatstadt Aachen hat sich Unionskandidat Armin Laschet die scheidende Kanzlerin an die Seite geholt. Angela Merkel lobt ihn als Brückenbauer, er warnt mit Verve vor einem rot-grün-roten Bündnis.
          Bundeskanzler Gerhard Schröder und die damalige CDU-Vorsitzende Angela Merkel unterhalten sich am 12. September 2005 in einem Fernsehstudio.

          16 Jahre Kanzlerschaft : Wie die Ära Merkel begann

          Im Sommer 2005 galt Angela Merkel als sichere Siegerin der bevorstehenden Bundestagswahl. Doch Bundeskanzler Gerhard Schröder führte den Wahlkampf seines Lebens. Erinnerungen an eine Zeit, die vieles verändern sollte.
          Wo Blau  und Gelb gemischt noch Grün ergeben und alles zusammen annähernd Schwarz, da ist Barnett Newmans „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue“ das Bild zur Bundestagswahl

          Die Ästhetik der Parteien : Jetzt gilt es, Farbe zu bekennen

          Was uns Gepäckstücke, Lieder und Oberhemden über die Parteien verraten: Wenn Sie noch immer nicht wissen, wen Sie wählen sollen – hier finden Sie womöglich Rat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.