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Republikaner und Trump : Der verlockende Pakt mit dem Präsidenten

  • -Aktualisiert am

Donald Trump mit Parteifreunden im Weißen Haus Bild: AFP

Donald Trump stürzt viele Republikaner in ein Dilemma: Sie verabscheuen die Politik des Quereinsteigers – aber wollen von seiner Popularität profitieren. Nur wenige widerstehen der Versuchung.

          5 Min.

          „Die vergessenen Männer und Frauen unseres Landes werden nicht länger vergessen sein“, sagte Donald Trump in seiner Ansprache zur Amtseinführung. Im kleinen Städtchen Welch im Süden des Bundesstaates West Virginia haben sie an jenem 20. Januar ganz genau hingehört.

          „Damit hat er uns gemeint“, sagt Mary McKenney. Die 51-Jährige lebt seit ihrer Geburt in Welch. In einem kleinen auf der Hauptstraße gelegenen Second-Hand-Laden, der von einer christlichen Hilfsorganisation betrieben wird, schaut sie sich ein paar Pullover an. Schon seit Jahren kauft sie hier ein, denn ein regelmäßiges Einkommen hat sie nicht.

          Eine Lebenserwartung wie in Namibia

          Welch ist der Verwaltungssitz von McDowell County, einem der ärmsten Landkreise der Vereinigten Staaten. Früher einmal boomte hier die Kohle-Industrie, heute stehen viele Häuser leer. Die Arbeitslosigkeit ist mehr als doppelt so hoch wie der amerikanische Durchschnitt, viele Menschen haben Drogenprobleme. Die Lebenserwartung von Männern in Welch und Umgebung ist mit gerade einmal 64 Jahren so niedrig wie in Namibia.

          „Mit unserer Kohle haben wir jahrelang ganz Amerika angetrieben und jetzt, wenn wir wirtschaftlich am Boden liegen, schaffen es die da oben nicht mal, uns eine vierspurige Straße zu bauen, die wir so dringend brauchen“, sagt County-Sheriff Martin West. Wer die Schuld trage? „Ganz klar das politische Establishment.“ Wie drei von vier Mitbürgern hat er deswegen im November Donald Trump gewählt. Noch 2008 hatte eine Mehrheit der Menschen hier für den Demokraten Barack Obama gestimmt.

          Es sind Wahlerfolge in Regionen wie McDowell County, die viele Republikaner nicht nur ehrfürchtig, sondern auch dankbar zu Donald Trump aufschauen lassen. Im Windschatten des siegreichen Präsidentschaftskandidaten schafften schließlich auch zahlreiche Parteifreunde den Sprung nach Washington.

          Evan Jenkins ist so ein Trump-Profiteur. Der republikanische Kandidat des „3rd Congressional District“ von West Virginia erzielte am 8. November mit 67 Prozent der Stimmen einen großen Sieg. Im Zuge der Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012 war in seinem Bezirk noch der Kandidat der Demokraten ins Repräsentantenhaus eingezogen.

          Fragwürdige Zustände im Weißen Haus

          Am Donnerstag vergangener Woche lachten Jenkins und Donald Trump dann zusammen im Weißen Haus in die Kameras. Soeben hatte der Präsident ein Gesetz unterzeichnet, das Umweltschutzbestimmungen in Amerikas Kohle-Regionen lockert. Dank Trumps Unterstützung, so Jenkins, habe man „die Arbeitsplatzvernichtung gestoppt“ und „ein Drittel aller Kohle-Jobs in diesem Land gerettet“.

          Doch längst nicht alle Republikaner im Kongress stehen Amerikas neuem Staatschef so positiv gegenüber wie Jenkins. Nach einem chaotischen ersten Präsidentschaftsmonat, in dem anonyme Mitarbeiter immer wieder auch über höchst fragwürdige Zustände im Weißen Haus berichtet hatten, regt sich Unmut.

          „Ich konzentriere mich darauf, eine Agenda umzusetzen“, antwortet Paul Ryan, republikanischer Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, leicht gereizt auf Kritik, er schließe aus Opportunismus einen Pakt, den Amerika bereuen könnte
          „Ich konzentriere mich darauf, eine Agenda umzusetzen“, antwortet Paul Ryan, republikanischer Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, leicht gereizt auf Kritik, er schließe aus Opportunismus einen Pakt, den Amerika bereuen könnte : Bild: dpa

          Zwar freut man sich noch immer gemeinsam über den Sieg und die Möglichkeit, nun endlich ohne Widerstand der Demokraten „durchregieren“ zu können. Doch Trump und seine Gefolgsleute haben mit jeder Menge umstrittener Entscheidungen und Wortmeldungen bereits viele führende Republikaner gegen sich aufgebracht.

          Die knackigste Kritik an Trump kommt seit Wochen von den altgedienten Senatoren John McCain aus Arizona und Lindsey Graham aus South Carolina. Ob es um Trumps lobenden Worte für Folter, seine aggressive Medienschelte, seine Einwanderungspolitik oder einen Extra-Zoll für Importe aus anderen Staaten geht: Mit deutlichen Worte stellen sich die beiden politischen Schwergewichte immer wieder gegen den gewählten Präsidenten.

          Misstrauen wegen Russland

          Besonders deutlich werden McCain, Graham und andere parteiinterne Kritiker immer dann, wenn es um Trumps angebliche Nähe zu Russland geht. Der Vorwurf, dass sich der Kreml in die amerikanische Präsidentschaftswahl eingemischt habe, müsse ebenso gründlich untersucht werden wie Vorwürfe, wonach Trumps Wahlkampfteam engen Kontakt nach Russland gehalten habe.

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