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Internationale Pressestimmen : „Trump sollte abgesetzt werden“

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Donald Trump bei der Ankunft auf der Demonstration in Washington am Mittwoch Bild: AP

Der Sturm auf das Kapitol hat in Zeitungen des Westens für entsetzte Reaktionen gesorgt. Die Verantwortung dafür sehen die meisten bei Donald Trump. Eine Auswahl.

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          Die amerikanische Zeitung „Washington Post“ schreibt, Trumps Weigerung, seine Wahlniederlage zu akzeptieren, habe „zu dem Undenkbaren“ geführt, einem Angriff auf das Kapitol. „Die Verantwortung für diesen Akt der Aufwiegelung liegt direkt beim Präsidenten.“ Trump habe gezeigt, dass seine andauernde Amtszeit eine große Bedrohung für die amerikanische Demokratie darstellt. „Er sollte abgesetzt werden.“

          Auch die liberale dänische Tageszeitung „Politiken“ gibt Trump die Schuld für den schwarzen Tag in der amerikanischen Hauptstadt. „Das war nicht bloß eine Demonstration, die Amok gelaufen ist“, heißt es in ihrer aktuellen Ausgabe: „Das war ein wahrer Putschversuch.“ Und sie sei angestiftet worden von dem Mann, der auf dem Papier die Verantwortung dafür trage, die Vereinigten Staaten und ihre Demokratie zu beschützen. Auch sie fordert, ihn abzusetzen und Trump darüber hinaus strafrechtlich zu verfolgen. „Es ist viel zu gefährlich, einen ausgesprochenen Feind der Demokratie im Weißen Haus sitzen zu lassen.“

          Die schwedische Tageszeitung „Dagens Nyheter“ schreibt: „Der Mittwoch sollte der Schlusspunkt der politischen Epoche Donald Trump sein und hätte nicht charakteristischer für seine Präsidentschaft sein können.“ Es sei schwer, die Beteiligten am Sturm des Kapitols als etwas anderes als Terroristen zu bezeichnen. Die einzigen, die sich über die Szenen in Washington freuen könnten, seien die Feinde Amerikas. „Der Putschversuch sollte gescheite Republikaner endlich aufwachen und sehen lassen, welche Kräfte sie entfesselt haben.“

          Die italienische „La Repubblica“ sieht in den Protesten auf dem Kapitolshügel und der Niederlage bei den Senatsnachwahlen in Georgia die endgültige Niederlage von Donald Trump. „Zuerst in der Wahlurne in Georgia und dann in den Aussagen des Führers der republikanischen Mehrheit im Senat, McConnell (...). Außerdem in der Haltung von Vizepräsident Mike Pence (...). Das Verhalten des besiegten Präsidenten bezeichneten einige Wortführer der Republikaner als „schrecklich“. Die amerikanische Demokratie habe bei der gestrigen Nervenprobe bewiesen, noch über Abwehrkräfte zu verfügen.

          Die britische „Times“ würdigt die im Zuge der Proteste in den Hintergrund gerückte Rede des bisherigen republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell. „Er erklärte eindeutig, dass die Präsidentschaftswahl nicht gestohlen wurde und dass sie auch nicht nur knapp ausgegangen sei. Der Trump-Teil der republikanischen Bewegung sieht das als Verrat an. Es sei nun offen, ob eine arbeitsfähige Koalition zwischen Republikanern der Mitte und Trumps populistischen Kräften immer noch möglich sei. „Trump könnte das Zerbrechen seiner Partei der Liste seiner Errungenschaften hinzufügen.“

          „El País“ aus Spanien kommentiert die Erstürmung des Parlaments durch Trump-Anhänger als eine der „dunkelsten Stunden“ Amerikas. Die Lehre für alle westlichen Demokratien könne nicht klarer sein: „Der Preis der Polarisierung ist extrem hoch. Es ist dringend angeraten, das nicht zu unterschätzen.“

          Ein Trump-Anhänger hat sich im Büro von Nancy Pelosi breitgemacht. Bilderstrecke
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