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Richard Grenell : Trumps Brachial-Diplomat

Kein Leisetreter: Richard Grenell Bild: dpa

Eigentlich ist Richard Grenell Amerikas oberster Diplomat in Deutschland. Besser gefällt er sich als Provokateur. Das hat nicht nur Peter Altmaier zu spüren bekommen.

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          Die Reaktion aus der amerikanischen Botschaft war heftig: Die Äußerungen aus der Bundesregierung seien eine „Beleidigung“ für die „Tausenden Amerikanerinnen und Amerikaner, die die Sicherheit Deutschlands gewährleisten“ und noch für Millionen von Landsleuten, ätzte der amerikanische Botschafter Richard Grenell am Montag. In der Sendung „Anne Will“ war Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zuvor gefragt worden, warum die Bundesregierung den chinesischen Mobilfunkanbieter Huawei nicht vom Aufbau des deutschen 5G-Netzes ausschließe.

          Oliver Georgi
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Der Minister antwortete unter anderem, man habe nach dem Bekanntwerden der NSA-Abhöraffäre schließlich auch keine Boykotte gegen amerikanische Technologiekonzerne verhängt. Für Grenell war das ein Affront. Deutschland setze China auf eine Stufe mit den Vereinigten Staaten, zürnte der Botschafter – wer diese „moralische Äquidistanz“ behaupte, „ignoriert die Geschichte und wird sie zwangsläufig wiederholen“.

          Es ist nicht das erste Mal, dass der vermeintliche Diplomat Grenell mit undiplomatischen Äußerungen auffällt. Schon vor seiner Ernennung sorgte er in Berlin für Irritationen, als er nach der Bundestagswahl Jens Spahn zu seinem neuen Posten als Gesundheitsminister gratulierte, obwohl dieser noch gar nicht vereidigt worden war; das wurde damals gelesen als Unterstützung für einen Kritiker von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom konservativen Flügel der CDU. Auch als Botschafter schert sich Grenell nur wenig um Etikette.

          „Sagen Sie dem Gastland nie, was es zu tun hat“

          Schon am 8. Mai 2018, dem Tag seines Amtsantritts in Berlin, forderte der neue Botschafter deutsche Unternehmen per Twitter auf, sich „sofort“ aus Iran zurückzuziehen, gegen das die Amerikaner soeben neue Sanktionen angekündigt hatten. Der einstige deutsche Botschafter in Washington und Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger empfahl Grenell empört: „Erklären Sie die Politik Ihres eigenen Landes und machen Sie Lobbyarbeit – aber sagen Sie dem Gastland nie, was es zu tun hat, wenn Sie keinen Ärger wollen.“

          Grenell empfinde sich als „Repräsentant des Störenfrieds Donald Trump“, sagte CNN-Kongressreporterin Dana Bash einmal dem Deutschlandfunk. In diese Lesart passte, dass Grenell sich im Mai 2018 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk als großer Fan des Präsidenten bezeichnete, den er schon im Wahlkampf unterstützt habe. Er sehe sich als „Brückenbauer“, sagte Grenell.

          Dass Grenell im Juni 2018 ausgerechnet dem ultrarechten Internetportal Breitbart News ein Interview gab, bestärkte seine Kritiker noch in ihrer Befürchtung, der frühere Sprecher des amerikanischen Botschafters bei den Vereinten Nationen sei alles, nur nicht diplomatisch. Breitbart News war lange Zeit von Donald Trumps späterem Chefstrategen Steve Bannon geleitet worden. Dieser war zum Zeitpunkt des Grenell-Interviews aber sowohl seine Stelle bei Breitbart als auch die im Weißen Haus bereits losgeworden und betätigte sich inzwischen als eine Art Einpeitscher europäischer Rechtspopulisten. In dem Interview sagte Grenell nun, es sei „klasse zu sehen, wie sich eine Welle der Begeisterung für rechtskonservative Politik hier auf dem Kontinent breit macht“.

          Er zeigte sich als „großer Fan“ des damaligen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz und kündigte an, er wolle die konservativen Kräfte in Europa unterstützen. „Ich denke, die Wahl von Donald Trump hat die Menschen befähigt zu sagen, dass sie es einfach nicht zulassen können, dass die politische Klasse (in Europa) vor einer Wahl entscheidet, wer diese gewinnt und wer kandidiert“, sagte Grenell. Auch das wurde als Parteinahme gewertet, die einem Diplomaten normalerweise nicht geziemt.

          Der Vorwurf, er mische sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands ein, sei „lächerlich“, verteidigte Grenell sich danach. Und legte im selben Atemzug noch einmal nach: „Ich bleibe dabei, dass es ein Erwachen der schweigenden Mehrheit gibt, die die Eliten und ihre Blase ablehnt. Angeführt von Donald Trump.“

          Grenell-Brief: Gefahren für eigenen Ruf bedenken

          Im Januar 2019 drohte der Botschafter deutschen Unternehmen, die an der geplanten Erdgaspipeline Nord Stream 2 beteiligt sind, in einem Brief Konsequenzen an. „Wir werden nicht müde zu betonen, dass alle Firmen, die sich am russischen Energie-Export über Pipelines beteiligen, von einem signifikanten Sanktionsrisiko betroffen sind“, schrieb Grenell. Er schloss mit dem Hinweis, er empfehle jedem an Nord Stream 2 beteiligten Unternehmen, die Gefahren für den eigenen Ruf und mögliche Sanktionen zu bedenken.

          „Der Brief ist nicht als Drohung aufzufassen, sondern als klare Botschaft der US-Politik“, zitierte die „Bild am Sonntag“ einen Sprecher Grenells. Mancher in Berlin dürfte sich gefragt haben, ob das wirklich ein Unterschied ist.

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