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Tweets zum Trump-Biden-Duell : Ocasio-Cortez, Lincoln und die Ghostbusters

Das zweite Fernsehduell Trump-Biden kam dank neuer Regeln einer echten Debatte deutlich näher als das erste. Bild: AFP

Wer ist der wahre Rassist? Sieht Trump Gespenster? Und wer hat in Wirklichkeit das amerikanische Fernsehduell als Sieger verlassen? Auf Twitter gibt’s Antworten.

          3 Min.

          Kein Chaos dieses Mal. Nach dem ersten TV-Duell zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden wurden die Regeln verschärft – wodurch das zweite Duell einer echten Debatte deutlich näher kam als das erste. Doch es blieb immer noch genug Raum für grotesk anmutende Aussagen des Amtsinhabers – die auf Twitter von vielen Nutzern aufgegriffen wurden.

          Manon Priebe

          Redakteurin für Social Media.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Beim Umgang mit der Corona-Pandemie lobte sich Trump selbst – angesichts von mehr als 220.000 Corona-Toten war das vielen Menschen auf Twitter zu viel, auch die Schriftstellerin Roxane Gay schrieb es deutlich:

          „Er sagt wirklich ,nicht so viele viel Menschen sind gestorben wie hätten sterben können`“ Was für eine Wortwahl.“ Wirklich niemand habe die Vereinigten Staaten zum Umgang mit Covid-19 beglückwünscht.

          Als sich Trump brüstete, mehr für Afroamerikaner getan zu haben als jeder andere Präsident in der Geschichte des Landes „seit Abraham Lincoln“, erwiderte Biden – mit deutlichem Sarkasmus in Stimme und Mimik: „Abraham Lincoln hier ist einer der rassistischsten Präsidenten, die wir in der modernen Geschichte hatten.“ Was Trump sichtlich verwirrte, so die Einschätzung des Vox-Journalisten Aaron Rupar, der den Ausschnitt des Gesprächs in einem Tweet teilte.

          Trump bescheinigte sich daraufhin mehrmals selbst, die „am wenigsten rassistische Person hier im Saal“ zu sein. Der Thinktank „African American Policy Forum” reagierte mit einer Zusammenstellung rassistischer Trump-Zitate:

          Schauspieler Ato Essandoh brachte sein Urteil über diese Aussage auf eine einfache Formel: „Jemand, der sagt, er sei ,die am wenigsten rassistische Person im Raum ist in Wirklichkeit die rassistischste Person im Raum."

          Dass Trump seine Behauptung im Beisein der schwarzen Moderatorin Kristen Welker machte, sei anmaßend, schrieb die amerikanisch-iranische Schauspielerin Yara Shahidi.  

          Welker ist es auch, die als eigentliche Siegerin der Debatte gefeiert wird.

          Die NBC-Journalistin war erst die zweite schwarze Frau, die alleine ein Duell der Präsidentschaftskandidaten moderiert hat. 1992 moderierte Carole Simpson von ABC News ein Duell zwischen Bill Clinton und George Bush senior.

          Moderator Jimmy Fallon lobte sie ebenso wie Schauspielerin Trace Lysette.

          Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Debatten zwischen Trump und Biden beziehungsweise Harris und Pence hatte Welker mit der Stumm-Taste einen Vorteil auf ihrer Seite. Denn die Mikrofone der beiden Redner wurden nach zwei Minuten Redezeit stumm geschaltet.

          Als das Gespräch auf die Themen Klima und Klimapolitik kommt, plaziert Trump eine Spitze gegen Alexandria Ocasio-Cortez, eine Ikone der Linken, auf die Bidens Plan gegen den Klimawandel zurückgehe. „AOC plus 3“ hätten den Green New Deal entwickelt, so Trump, und spielte damit auf das Politikerinnen-Quartett um Ocasio-Cortez an, zu dem die demokratischen Abgeordneten Ayanna Pressley, Ilhan Omar und Rashida Tlaib gehören. Ocasio-Cortez twitterte umgehend ein Bild der Vier, überschrieben mit „Sisterhood is everything“.

          Außerdem müsse es „in Wahrheit AOC plus 115“ heißen, entgegnete Ocasio-Cortez, denn so viele Mitglieder des Repräsentantenhauses und des Senats hätten „die ehrgeizigste Klimagesetzgebung in der amerikanischen Geschichte mitgetragen“.

          Trump sprach Ocasio-Cortez' Namen nicht aus, er benutzte stattdessen abschätzig ihr Kürzel AOC, mit dem sie sich von Anhängern rufen lässt. Für Ocasio-Cortez ein Zeichen der Respektlosigkeit Frauen gegenüber. Vor allem, da Republikaner männliche Kollegen stets mit Titel und Nachnamen anreden würden: „Frauen bemerken das. Es sagt eine Menge aus.“ Bereits im Juli hatte Ocasio-Cortez die Frauenfeindlichkeit in einer Brandrede angeprangert. Trump sprach in der Debatte am Donnerstag auch die Moderatorin mit ihrem Vornamen „Kristen“ an. Allerdings nannte er auch seinen Herausforderer nicht etwa „Mr. Vice President“, sondern bei seinem Vornamen Joe.

          Trump kam im Verlauf des Abends mehrfach auf Verschwörungstheorien um Bidens Sohn Hunter und dessen China-Investitionen zu sprechen. Trumps Sohn Don Junior wiederum bot seinem Vater Schützenhilfe, indem er behauptete, sich mühevoll im Familienunternehmen hochgearbeitet zu haben. Biden hingegen habe seinem Sohn „China gegeben“.

          Auch Ivanka Trump lobte ihren Vater mit einem Foto von sich selbst, Maske und „Daumen hoch“.

          „Kuck mal wer da spricht“-Schauspielerin Kirstie Alley hat sich bereits als Trump-Fan und -Wählerin positioniert. Sie habe ihn gewählt und werde ihn ein zweites Mal wählen, weil er „kein Politiker sei“. Auch in der zweiten Debatte sieht sie ihn als Gewinner. Sie liebe diesen Trump, „cool, ruhig und eindrücklich“, schrieb sie.  

          CNN-Moderator Jake Tapper fasste Trumps Äußerungen so zusammen: „Er hat nicht so wahnsinnig viel gelogen wie in der ersten Debatte. Aber er hat gelogen wie Pinocchio.“ Daniel Dale aus der Faktencheck-Abteilung von CNN wollte „abermals eine absolute Lawine an Lügen von Trump“ beobachtet haben.

          Dass Trump New York eine „Geisterstadt“ nannte, die dicht gemacht worden sei, kam bei vielen New Yorkern gar nicht gut an. Alle, die „Ghost Busters“ gesehen hätten, wüssten, dass News York seit Jahren eine Geisterstadt sei.

          Komikerin Samantha Bee mutmaßte, Trump denke, das „Buh“, das er auf den Straßen höre, käme von Geistern. Dabei buhten ihn die Leute aus.

          Weil die Kleiderwahl von Frauen (in der Politik) oft für viele Reaktionen sorgt, sei abschließend festgehalten: Die Kandidaten wagten keine Experimente, schon an der Krawattenfarbe erkannten Fans ihr Team. Trump kam mit Republikaner-Rot, Biden trug Demokraten-Blau.

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