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TV-Duell der Vize-Kandidaten : Harris: „Das größte Versagen einer Regierung in der Geschichte unseres Landes“

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Die amerikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten Joe Biden und Kamala Harris während ihres TV-Duells Bild: AFP

Das TV-Duell der amerikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Angesichts der Krise habe die Trump-Regierung ihr Recht auf Wiederwahl verwirkt, sagt die Demokratin Harris. Bei einigen Fragen weicht Republikaner Pence auffallend aus.

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          Weniger als vier Wochen vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl sind die Vize-Kandidaten Mike Pence und Kamala Harris in einem Fernsehduell gegeneinander angetreten. Nach der Corona-Infektion von Präsident Donald Trump saßen der republikanische Vizepräsident und die demokratische Senatorin am Mittwochabend (Ortszeit) bei der TV-Debatte in Salt Lake City im Bundesstaat Utah durch Plexiglas getrennt auf der Bühne. Zwischen ihnen bestand zudem ein Sicherheitsabstand von mehr als dreieinhalb Metern.

          Der Debattenabend stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie, an deren Folgen in den Vereinigten Staaten bereits mehr als 210.000 Menschen gestorben sind. Das Duell wurde knapp eine Woche nach dem Bekanntwerden der Corona-Infektion von Präsident Trump ausgetragen. Der Präsident wurde drei Tage im Krankenhaus behandelt und am Montag wieder aus der Klinik entlassen.

          Die Vizekandidatin der amerikanischen Demokraten, Kamala Harris, hat Präsident Donald Trump Versagen in der Corona-Pandemie vorgeworfen. „Diese Regierung hat das Recht auf eine Wiederwahl verwirkt“, sagte Harris bei der Debatte der Vize-Kandidatin vor der Präsidentschaftswahl am Mittwochabend in Salt Lake City. „Das amerikanische Volk ist Zeuge des größten Versagens einer Regierung in der Geschichte unseres Landes geworden.“ Harris zieht als Stellvertreterin des Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Joe Biden, in die Wahl am 3. November.

          Harris kündigt Plan für Kampf gegen Corona an

          Vizepräsident Mike Pence – der der Corona-Task-Force im Weißen Haus vorsteht – nahm das Krisenmanagement der Trump-Regierung bei der Debatte in Schutz. Pence verwies darauf, dass Trump frühzeitig in der Pandemie Einschränkungen für Reisende aus China und der EU erlassen und damit zahlreiche Menschenleben gerettet habe.

          Harris sagte, anders als die Trump-Regierung habe Biden einen Plan für den Kampf gegen das Coronavirus. So solle die die Kontaktverfolgung verbessert und ein Impfstoff – wenn die Entwicklung abgeschlossen ist – kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

          Pence sagte, Trump und er hätten großes Vertrauen in die Fähigkeit der Amerikaner, die Informationen zum Schutz vor dem Coronavirus selber in die Praxis umzusetzen. Der Trump-Regierung wird vorgeworfen, Schutzmaßnahmen selber nicht zu beachten. Am vergangenen Donnerstag war Trump selber positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er wurde von Freitag bis Montag im Walter-Reed-Krankenhaus in Bethesda bei Washington behandelt. Die Pandemie hat in den Vereinigten Staaten bislang mehr als 210.000 Menschen das Leben gekostet.

          Pence ignoriert Fragen oder weicht aus

          Die Debatte verlief viel geordneter als das Duell von Trump und Herausforderer Joe Biden, das eine Woche zuvor im Chaos versunken war. Die Vize-Kandidaten unterbrachen einander kaum – auch weil Harris zwei Anläufe von Pence mit einem resoluten „Mr. Vizepräsident, jetzt rede ich“ unterband. Dafür überzog Pence immer wieder die ihm zugeteilte Zeit. Er ließ sich auch von der Moderatorin – der Journalistin Susan Page von der Zeitung „USA Today“ - nicht stoppen und redete einfach weiter.

          Pence fiel auch damit auf, dass er mehrfach einfach die Fragen ignorierte und stattdessen die Botschaften plazierte, die er unterbringen wollte. So redete er bei einer Frage nach der Position zu Abtreibungen zunächst einmal darüber weiter, wie die Trump-Regierung Irans Top-General Ghassem Soleimani mit einem Raketenangriff getötet hatte.

          Harris will Rückkehr zum Pariser Klimaabkommen

          Der Frage von Harris, ob er den Klimawandel für eine existenzielle Bedrohung hält, ist Mike Pence ausgewichen. „Das Klima ändert sich, wir werden der Wissenschaft folgen“, sagte der Trump-Stellvertreter. Harris bezeichnete den Klimawandel als „eine existenzielle Bedrohung für uns als Menschen“. Sie kündigte an, sollte der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden am 3. November die Wahl gegen Trump gewinnen, würden die Vereinigten Staaten dem Pariser Klimaschutzabkommen „mit Stolz“ wieder beitreten.

          Trump hat den Ausstieg aus dem Abkommen angekündigt. Pence sagte am Mittwoch, eine Rückkehr zu dem Vertrag und der von Teilen der Demokraten angestrebte „Green New Deal“ werde amerikanische Jobs vernichten. Harris erwiderte, die von Biden angestrebten Reformen für erneuerbare Energien würden zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen.

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