https://www.faz.net/aktuell/politik/von-trump-zu-biden/tv-debatte-zwischen-wahrheit-und-luege-14455067.html

TV-Debatte : Zwischen Wahrheit und Lüge

  • -Aktualisiert am

Clinton gegen Trump : Die Highlights aus dem ersten TV-Duell

In der Debatte setzt sich dieser Eindruck fort, wie verschiedene amerikanische Medien, die parallel zur Debatte einen Faktencheck durchführen, Punkt für Punkt darlegen. Nicht nur präsentiert Trump falsche Zahlen, etwa in Bezug auf Amerikas Handelsdefizit (800 statt 500 Milliarden Dollar), vor allem leugnet er schlicht frühere Behauptungen, nicht nur bei den Themen Irak-Einmarsch und Geburtsort von Obama, sondern auch in Bezug auf einen angeblichen Schwindel beim Klimawandel. Hinzu kommen zahlreiche Aussagen, die selbst Nicht-Experten schnell als unwahr erkennen können, etwa, dass Clinton „bereits ihr gesamtes Erwachsenenleben gegen Isis kämpft“. So lange gibt es die Terrororganisation nun wirklich noch nicht. Ja, auch Clinton habe hier und da versucht, ihre eigene Wahrheit zu kreieren, da sind sich die Faktenchecker nach dem Duell einig. Zum Beispiel, als sie glaubhaft machen wollte, dass sie beim Thema Freihandel ihre Meinung zur transpazifischen Partnerschaft schon früh geändert habe. Und doch: Am Ende des Abends stehen die meisten Halb- und Unwahrheiten auf Trumps Seite zu Buche.

Fehler? Keine Spur davon im Trump-Lager

Im Trump-Lager wollen sie am Debattenabend von solchen Einschätzungen selbstverständlich nichts wissen. Um kurz nach halb elf Uhr Ortszeit, unmittelbar nach Ende des TV-Duells der Kandidaten, beginnt im sogenannten „spin room“ die Debatte nach der Debatte. Berater, Unterstützer, Familienmitglieder und andere Wortführer beider Kampagnen strömen aus dem Fernsehstudio den eintausend nebenan wartenden Journalisten entgegen. Um die wichtigsten Abgesandten bilden sich riesige Trauben, Kameramänner rammen sich gegenseitig die Ellenbogen in die Rippen. Nicht wenige Beobachter halten diese Nachbesprechungen für fast genauso wichtig wie das eigentliche Streitgespräch der Kandidaten, weil es schließlich gerade mit Blick auf die vielen unentschiedenen Wähler, die vielleicht das ein oder andere Detail der Debatte gar nicht genau inhaltlich verstanden haben, kaum etwas Wichtigeres gibt, als dem politischen Gegner die Deutungshoheit streitig zu machen.

Begeistert von dem Auftritt Clintons: Anhänger der Demokraten in West Hollywood
Begeistert von dem Auftritt Clintons: Anhänger der Demokraten in West Hollywood : Bild: AFP

„Donald Trump hat genau das getan, was er tun musste“, sagt Alabamas republikanischer Senator Jeff Sessions, einer der engsten Berater Trumps. Sein Kandidat habe bewiesen, dass „er weiß, was die Probleme in Amerika sind“ und dass er keine Lust mehr „auf die immergleiche Politik“ habe. Außerdem sei die Auswahl der Fragen von Moderator Lester Holt nicht ganz fair gewesen. Warum habe der „zum Beispiel nichts zur Clinton-Stiftung gefragt“, will Sessions wissen.

Trumps Wahlkampfmanagerin lobt seine zurückhaltende Art

Andere prominente Trump-Unterstützer kritisieren, dass Thema illegale Einwanderung sei viel zu kurz gekommen. Kampagnenmanagerin Kellyanne Conway lobt Trump derweil für dessen angeblich so zurückhaltende Art, weil dieser keine persönlichen Angriffe auf Hillarys Mann Bill unternommen habe. Das wiederum sehen die demokratischen Strategen im „spin room“ ganz anders. Trump sei doch spätestens zu dem Zeitpunkt „ins Wanken geraten, als er nicht erklären konnte, warum er seine Steuererklärungen nicht veröffentlicht“, freut sich Clinton-Berater Joel Benenson.  

Umfragen

Für viele amerikanische Wähler, von denen auch nach dem Ende der Debatte noch immer zig Millionen vor den Fernsehgeräten sitzen, ist es zu diesem Zeitpunkt nur schwer möglich, den Überblick zu behalten, zudem die einzelnen Sender unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Während etwa bei CNN und MSNBC den Überprüfungen der Kandidatenaussagen auf ihren Wahrheitsgehalt viel Platz eingeräumt wird, ist dies bei Fox News, dem Sender der Konservativen, kaum ein Thema. Faktenchecks seien „eine Form des Meinungsjournalismus“ und daher an solchen Abenden wenig hilfreich, referierte Fox-Kommentatorin Kelly Riddell unmittelbar vor der TV-Debatte und erhielt in der Runde ihres Senders viel zustimmendes Nicken. Das dürften heute vor allem viele Trump-Sympathisanten ähnlich gesehen haben.

Trump-Anhänger verfolgen in Thornton, Colorado, die Debatte
Trump-Anhänger verfolgen in Thornton, Colorado, die Debatte : Bild: AFP

Weitere Themen

Oberstes US-Gericht kippt Recht auf Abtreibung Video-Seite öffnen

„Roe v. Wade“ : Oberstes US-Gericht kippt Recht auf Abtreibung

Historische Zäsur in den USA: Der Oberste Gerichtshof des Landes hat das seit fünf Jahrzehnten geltende Recht auf Abtreibung aufgehoben. Die Entscheidung des mehrheitlich von konservativen Richtern besetzten Supreme Courts wurde auch international scharf kritisiert.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.