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Vorwahlkampf der Demokraten : Zwischen Fidel Castro und nacktem Cowboy

  • -Aktualisiert am

Das Feld der demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen bei einer TV-Debatte Bild: Reuters

Die letzte Fernsehdebatte der Demokraten vor dem Super Tuesday verläuft chaotisch. Milliardär Michael Bloomberg ist sichtlich bemüht, einen sympathischeren Eindruck zu machen als zuletzt. Aber auch der Linke Bernie Sanders gerät in die Defensive.

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          Die härteste Attacke an diesem Abend kommt einmal mehr von Elizabeth Warren. Michael Bloomberg habe als Firmenchef einer Mitarbeiterin geraten, ein Kind abzutreiben. „Töte es“, soll ihr Konkurrent zu der Frau gesagt haben, sagt Warren und versichert, die Aussage korrekt zu zitieren. „Es stimmt nicht“, antwortet Bloomberg empört. „Ich habe das nie gesagt.“ Der Fall, auf den Warren anspielt, wurde 1997 ohne Schuldeingeständnis beigelegt. Zuletzt hatte auch die „Washington Post“ über die damalige Klage der Bloomberg-Mitarbeiterin berichtet.

          Während die meisten der Präsidentschaftsbewerber, die in South Carolinas Küstenmetropole Charleston auf der Bühne stehen, bereits zum zehnten Mal in diesem Wahlkampf eine Fernsehdebatte bestreiten, ist es für Bloomberg erst der zweite Auftritt. Der Multimilliardär ist spät ins Vorwahl-Rennen eingestiegen. Am Super Tuesday kommende Woche, wenn in gleich vierzehn amerikanischen Bundesstaaten abgestimmt wird, wird er erstmals zur Wahl stehen. Kein Wunder, dass sich eine der beiden entscheidenden Fragen des Abends um ihn dreht.

          Kann Bloomberg dieses Mal überzeugen? Zumindest ein besonders lautstarker Teil des Publikums im Saal scheint diese Frage immer wieder mit Ja beantworten zu wollen. Als ein Mitbewerber Bloomberg vorwirft, nur Politik für die Superreichen machen zu wollen, schreit eine anwesende Anhängerin ein lang gezogenes „Buuuh“ heraus. Ob sie selbst zu den Gutbetuchten gehört, ist nicht bekannt.

          Was war in den letzten Tagen nicht alles über Bloomberg gelästert worden. Selbst einen Witz über dessen vergleichsweise geringe Körpergröße hatte sich Konkurrentin Warren am Wochenende nicht verkneifen können. Bei Bloombergs Debatten-Debüt in Las Vegas am vergangenen Mittwoch hatte die Senatorin von Massachusetts den früheren Bürgermeister von New York noch mit deutlich überzeugenderen Angriffen nahezu im Alleingang zerlegt.

          Bloomberg setzt eigene Akzente

          In Charleston waren die vermeintlichen Schwachstellen Bloombergs – diskriminierende Polizeitaktiken während seiner Zeit als Bürgermeister, fragwürdiges Verhalten als Firmen-Boss, große Distanz zur Lebenswirklichkeit der ganz normalen Amerikaner – zwar auch wieder Thema. Doch Bloomberg ist dieses Mal zumindest in der Lage, eigene Akzente zu setzen.

          In New York, einer großen und multiethnischen Stadt, in der „mehr Menschen wohnen als in vielen Staaten dieser Welt“, habe er nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bewiesen, was es bedeute, Führungsverantwortung zu übernehmen und „Aufgaben zu erledigen“, so Bloomberg. Die Menschen hätten ihn drei Mal gewählt, weil sie zufrieden mit seiner Arbeit gewesen seien. Bei einer Präsidentschaftswahl habe er große Chancen zu gewinnen, weil er auf moderate Republikaner zuzugehen wisse. „Ich verfüge über den Erfahrungsschatz und die Mittel.“ Alle andere Diskussionen seien nur Nebenschauplätze.

          Überraschend: Hin und wieder versucht sich Bloomberg sogar an einer Disziplin, für die er bisher eher weniger bekannt war: Humor. Als er von den Moderatoren gefragt wird, ob er als Präsident wie einst in New York auch im Rest des Landes Zuckerlimonaden in großen Portionen verbieten werde, antwortet er mit einem schiefen Lächeln. „Nicht alles, was richtig für New York ist“, sei zwangsläufig auch anderswo richtig. „Sonst würde es ja in jeder Stadt einen nackten Cowboy geben.“

          Irritierte Stille im Publikum. Offenbar kennen in Charleston nur wenige Menschen jenen in New York recht berühmten Straßenkünstler, der in Unterhose auf dem Times Square Gitarre spielt. Ein paar Sympathie-Punkte könnte Bloomberg die alberne Antwort trotzdem gebracht haben.

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