https://www.faz.net/aktuell/politik/von-trump-zu-biden/trumps-syrien-entscheidung-staerkt-amerikas-widersacher-16434828.html
 

Trumps Syrien-Entscheidung : Amerikanisches Chaos

  • -Aktualisiert am

Die gegen vielfachen Rat getroffene Entscheidung Trumps, die amerikanischen Truppen aus dem Nordosten Syriens abzuziehen, hat Erdogan zu der Militäraktion faktisch eingeladen. Bild: EPA

Das Chaos im syrisch-türkischen Grenzgebiet und darüber hinaus spiegelt das Chaos der amerikanischen Politik. Die versucht jetzt, den Schaden zu begrenzen. Gewinner sind Amerikas Widersacher.

          1 Min.

          Man muss annehmen, dass die empörten Reaktionen vieler Republikaner im Kongress Hauptgrund dafür waren, dass Donald Trump eine neue Volte vollführt. Oder wie will man es sonst erklären, dass er nun, da das Desaster wie erwartet eingetreten ist, Sanktionen gegen die Türkei verhängt, einen Waffenstillstand sowie ein Ende der Invasion in Syrien verlangt?

          Die gegen vielfachen Rat getroffene Entscheidung des Präsidenten, die amerikanischen Truppen aus dem Nordosten des Landes abzuziehen, hat den türkischen Präsidenten zu der Militäraktion faktisch eingeladen; die syrischen Kurden, die sich verraten fühlen, haben sich an den Diktator Assad gewandt, der unter Aufsicht Russlands seine territoriale Kontrolle wieder ausweiten kann. Hunderttausende sind auf der Flucht.

          Russland ist die Macht, die künftig in der Region noch mehr zählt. Putin wird sein Glück kaum fassen können. Die fatale Abzugsanordnung (und Selbstmarginalisierung) Trumps hat ihm einen schönen Sieg beschert.

          Für andere ist diese Entscheidung, aus der nicht „Instinkt“, sondern Ahnungslosigkeit spricht, fatal. Man muss sich das mal vorstellen: Die syrischen Kurden, deren jahrelanger Kampf an der Seite Amerikas gegen den „Islamischen Staat“ wesentlich zu dessen Niederlage beigetragen hat, wenden sich an den ruchlosen Machthaber von Damaskus mit der Bitte um Schutz – Schutz vor dem Nato-Land Türkei. Und aus Washington kommen erst Spott, dann markige Worte, dann Sanktionen und die Aufforderung, die Gewalt zu beenden.

          Die Sanktionen sind nicht von der Sorte, welche die türkische Wirtschaft in die Knie gehen und Erdogan erzittern ließe. Er verfolgt in Syrien nicht zum geringsten Teil innenpolitische Motive. Der nationalistische Taumel, den die Invasion im Lande entfacht, soll die Zustimmung zu seiner autoritären Herrschaft wieder steigen lassen. Fürs Erste dürfte Erdogan damit Erfolg haben. Irgendwann wird er die Ziele für erreicht erklären und den Vormarsch beenden.

          Dann aber könnten viele islamistische Terroristen aus kurdischem Gewahrsam entkommen sein; die islamistische Gefahr könnte neu entstehen. Das Chaos im syrisch-türkischen Grenzgebiet und darüber hinaus spiegelt das Chaos der amerikanischen Politik. Die versucht jetzt, den angerichteten Schaden zu begrenzen. Gewinner sind Amerikas Widersacher. Es bestätigt sich die Binse: Entscheidungen haben Konsequenzen; so wie Wahlen.

          Weitere Themen

          Zweiter großer Protesttag gegen Rentenreform Video-Seite öffnen

          Frankreich : Zweiter großer Protesttag gegen Rentenreform

          Am zweiten großen Protesttag gegen die geplante Rentenreform haben Streiks weite Teile des öffentlichen Lebens in Frankreich lahm gelegt. Zahlreiche Bahnen, Busse und Flüge fielen aus. In vielen Schulen gab es keinen Unterricht. Auch die Stromproduktion wurde heruntergefahren.

          EU ringt um Preisgrenzen auf Ölprodukte

          Russland-Sanktionen : EU ringt um Preisgrenzen auf Ölprodukte

          Nächste Woche tritt das nächste Embargo gegen Moskau in Kraft, diesmal betrifft es Diesel und Heizöl. Wie bei Rohöl wollen die Staaten den Weltmarktpreis drücken – noch liegen sie aber weit auseinander.

          Topmeldungen

          Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva am 30. Januar in Brasilia.

          Der Kanzler in Südamerika : Scholz erlebt die neue Realität

          Bundeskanzler Scholz bekommt in Südamerika wenig Unterstützung für seine Politik im Ukrainekrieg. Trotzdem war seine Reise richtig, Deutschland braucht neue Partner.
          Der Fahrer eines Gabelstaplers belädt im Berliner Depot der Hans Engelke Energie OHG einen Tanklaster mit Pellets.

          Öl- und Pellethilfen : „Berlin hat seine Hausaufgaben schnell gemacht“

          Die vom Bund angekündigten Härtefallhilfen sind noch immer nicht umgesetzt. Betriebe befürchten, dass sie leer ausgehen. Das Land Berlin hat jetzt ein eigenes Programm für Eigentümer einer Öl- oder Holzpelletheizung gestartet.
          SPD-Landesvorsitzende in Hessen und Bundesinnenministerin: Nancy Faeser

          SPD-Spitzenkandidatur : Faesers doppelbödiger Amtsbonus

          Die Bundesinnenministerin will offenbar im Amt bleiben, wenn sie als SPD-Spitzenkandidatin in Hessen die Wahl verliert. Das wird gerne als rosinenpickende Sesselkleberei kritisiert und mit Norbert Röttgen verglichen. Aber der Vergleich hinkt.
          Blick auf das schwäbische Waldburg, rund 20 Minuten entfernt von Ravensburg

          Die Karrierefrage : Lohnt sich eine Stelle in der Provinz?

          Die Gehälter sind oft niedriger, die Fahrzeit in die nächste große Stadt dafür umso höher: Arbeitsplätze in ländlichen Regionen genießen keinen guten Ruf. Dabei haben sie einiges für sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.