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Porträt Jared Kushner : America’s First Schwiegersohn

Übernahme des Familienbetriebs mit 24

Kushner kommt aus dem an New York angrenzenden Bundesstaat New Jersey, wo sein Vater Charles ein Immobilienimperium mit gewerblichen Objekten und Tausenden von Appartements aufbaute. Wie Trump drängte es aber auch ihn nach Manhattan. Nachdem er in das Unternehmen seiner Familie eingestiegen war, kaufte er einen Wolkenkratzer ganz in der Nähe des Trump Tower. Nicht weit davon lebt er heute auch, in einem Gebäude an der Park Avenue, das Trumps Namen trägt. Ebenso wie Trump, der mit der Reality-Show „The Apprentice“ zu Fernsehruhm kam, hat auch Kushner eine Verbindung zur Medienbranche. 2006 kaufte er für zehn Millionen Dollar den „New York Observer“, eine beliebte Zeitung in der politischen und kulturellen Elite der Stadt.

Gelten als New Yorker Power Couple: Jared Kushner und Ivanka Trump.
Gelten als New Yorker Power Couple: Jared Kushner und Ivanka Trump. : Bild: AFP

Kushner wuchs mit einigen Privilegien auf. Er ging auf eine Privatschule in New Jersey und bekam einen Studienplatz an der Eliteuniversität Harvard, nachdem seine Eltern ihr 2,5 Millionen Dollar gespendet hatten. Später machte er noch einen kombinierten Jura- und Betriebswirtschaftsabschluss an der New York University. Er war gerade 24 Jahre alt, als er die Führung des elterlichen Betriebs übernahm. Das geschah nicht ganz freiwillig und unter unangenehmen Umständen.

Intrigen im Soap-Opera Stil

Kushners Vater Charles war damals wegen Steuerhinterziehung, illegaler Wahlspenden und Beeinflussung von Zeugen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Fall wuchs sich zu einem Boulevardskandal aus, der die ganze Familie in Verlegenheit brachte. Charles Kushner hegte den Verdacht, dass seine Schwester und ihr Mann mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet hatten. Um sich an den beiden zu rächen, hatte Charles Kushner eine Prostituierte angeheuert. Deren Auftrag war es, den Schwager zu verführen, Kushner ließ das Schäferstündchen filmen und schickte die Aufnahme seiner betrogenen Schwester zu. Die Intrige kam an die Öffentlichkeit.

So peinlich diese Angelegenheit war: Jared Kushner stand zu seinem Vater und flog jede Woche nach Alabama, um ihn dort im Gefängnis zu besuchen. Für ihn war sein Vater Opfer einer Verschwörung. Der Staatsanwalt, der Charles Kushner damals hinter Gitter brachte, war pikanterweise Chris Christie, der mit Donald Trump um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner konkurrierte und sich nach seinem eigenen Rückzug aus dem Rennen auf Trumps Seite schlug. Christie wurde kürzlich in Trumps Übergangsteam degradiert, und es wird vermutet, Kushner habe dabei eine Rolle gespielt.

Demokratische Wurzeln

Kushners Engagement für Trump bedeutet, dass er von der politischen Linie seines Vaters abweicht. Denn die Kushner-Familie stand traditionell der Demokratischen Partei nahe, so wie die Mehrzahl der Juden in Amerika. Sie gehörte sogar zu den wichtigsten Geldgebern von Hillary Clinton bei deren erfolgreicher Kandidatur für einen Sitz im amerikanischen Senat im Jahr 2000. Jared Kushner und seine Frau Ivanka haben in der Vergangenheit selbst Spenden für Politiker der Demokraten eingesammelt.

Das Paar bewegt sich in New York auch in eher linksliberalen gesellschaftlichen Kreisen, wo viele der von Trump im Wahlkampf vertretenen Positionen als völlig inakzeptabel gelten. Dort wird nun bisweilen gefragt, ob Jared Kushner sich denn wirklich mit Trumps Auftreten identifizieren kann. Aber amerikanische Medien haben unter Berufung auf Bekannte von ihm berichtet, dass er mit voller Überzeugung hinter Trump steht. Einerseits, weil er ebenso wie sein Schwiegervater großen Wert auf Loyalität in der Familie lege. Andererseits aber auch, weil er sich im Laufe der Zeit inhaltlich mit Trumps Botschaften angefreundet habe.

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