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Impeachment gegen Trump : 13 Minuten Wut und Raserei

Anhänger von Donald Trump stürmen am 6. Januar das Kapitol in Washington D.C. Bild: AP

Die Ankläger von Donald Trump erinnern in einem Video an die Attacke des Kapitols. Abermals erklingen Schmerzensschreie und wütende Parolen im Kapitol.

          2 Min.

          Der Prozess im amerikanischen Senat gegen Donald Trump begann am Dienstag mit einem Gänsehautmoment. Die Ankläger aus dem Repräsentantenhaus zeigten eine etwa 13 Minuten lange Videomontage vom Sturm auf das Kapitol am 6. Januar. Gegen die Szenen des wütenden Mobs – die teilweise von den Randalierern selbst gefilmt wurden – sind immer wieder Ausschnitte aus der Rede des früheren Präsidenten bei einer Veranstaltung unter dem Motto „Stoppt den Diebstahl“ (der Wahl) zu sehen. Die Ankläger versuchten damit, eine direkte Linie von Trumps Rede zu den Vorgängen am und im Kapitol zu ziehen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Der Film beginnt mit Trumps Aufforderung an seine Unterstützer, zum Kapitol zu marschieren und den „Diebstahl zu stoppen“. Sofort wird das von der Menge aufgenommen und die ersten Menschen machen sich auf dem Weg dorthin, wo kurz darauf das Wahlergebnis verifiziert werden soll. Nur Minuten später überwinden zahlreiche Demonstranten die ersten Absperrungen um das Gebäude. Überforderte Polizisten versuchen panisch, die Menschen zurückzuhalten, sind jedoch machtlos angesichts der Übermacht des Mobs. Unter „USA, USA“-Rufen drängt die Menge immer weiter vor. Ordnungshüter werden als „Schwuchtel“, „Verräter“ und „Schweine“ tituliert. Immer wieder ist zu sehen, wie aufgeputscht einige der Randalierer sind, die die Polizisten angreifen. An der Intention einiger Randalierer besteht kein Zweifel mehr, als ein von ihnen durch die Gegend getragener Galgen im Bild erscheint.

          „Wir lieben euch“

          Schnell haben die Randalierer die Barrikaden überwunden, den Widerstand der Sicherheitskräfte gebrochen und sind ins Gebäude eingedrungen. Dort werden die Senatoren und Abgeordneten aus den Sälen geführt. Auf der Besuchertribüne verbleiben jedoch einige und müssen miterleben, wie die Randalierer versuchen, zu ihnen zu gelangen. Einer der Protestler sagt, als er in den Senat geht: „Wo sind die Arschlöcher?“

          Zu sehen ist die blanke Wut, Raserei und blinde Zerstörungslust der Randalierer, die verzweifelten Versuche der Polizei, der Lage Herr zu werden, das Triumphgeheul der Eindringlinge, als sie Schilde der Ordnungskräfte erbeuten und der tödliche Schuss eines Polizisten auf eine Frau. Zu hören sind die Schmerzensschreie eines Polizisten, als er an einer Tür zwischen seinen Kollegen und den Randalierern eingekeilt wird, die wütenden Parolen der Angreifer und ihre Behauptungen, im Auftrag von Donald Trump zu handeln.

          Gezeigt wird auch ein weiteres Video, das Trump zwei Stunden nach dem Beginn des Sturms auf das Kapitol veröffentlichte. Darin fordert er die Randalierer zwar auf, in Frieden nach Hause zu gehen, besteht aber immer noch auf der Fälschung der Wahl. Die Randalierer bezeichnet er als „besonders“, er sagt: „Wir lieben euch.“ Der Film endet mit der Feststellung, dass mindestens sieben Menschen ihr Leben bei der Attacke verloren und mehr als 140 Polizisten verletzt worden seien. Das letzte Bild ist wiederum ein Tweet von Trump, den er vier Stunden nach Beginn des Angriffs veröffentlicht hat: „Solche Dinge passieren, wenn großen Patrioten, die so lange schlecht und unfair behandelt wurden, ein heiliger Erdrutschsieg so einfach und bösartig  weggenommen wird. Geht nach Hause mit Liebe und in Frieden. Erinnert euch für immer an diesen Tag!“

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          Mit dem Video hatten die Ankläger die Ereignisse des 6. Januar wieder an den Ort gebracht, an dem sie sich ereigneten. Alle Senatoren, die über Schuld oder Unschuld Trumps befinden müssen, wurden noch einmal daran erinnert, wie es gewesen ist. Sie bekamen auch gezeigt, dass alles hätte noch schlimmer kommen können. Die Republikaner schienen auf diesen Appell an die Gefühle jedoch nicht eingehen zu wollen. Eine Beobachterin der „Washington Post“ berichtete, als das Video gezeigt wurde, hätten diese entweder woanders hingeschaut oder sich mit ihren Papieren beschäftigt.

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