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Amerikas Geheimdienste : Neue CIA-Vizechefin hat Folter-Vergangenheit

  • Aktualisiert am

In der CIA-Zentrale in Langley, Virginia Bild: AP

Gina Haspel ist zur stellvertretenden CIA-Direktorin aufgestiegen. Sie soll an Folterverhören in einem Geheimgefängnis in Thailand beteiligt gewesen sein.

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          Die neue stellvertretende Direktorin des Auslandsgeheimdienstes CIA ist aufgrund ihrer Vergangenheit äußerst umstritten. Gina Haspel steht laut Zeitungsberichten in Verbindung mit der Folter von Gefangenen in einem amerikanischen Geheimgefängnis. Später soll sie an einer Weisung beteiligt gewesen sein, Videoaufnahmen von den brutalen Verhören zu zerstören.

          Haspel wurde am Donnerstag (Ortszeit) nominiert und ist damit die erste Frau auf diesem Spitzenposten. CIA-Direktor Mike Pompeo würdigte sie als „beispielhafte Geheimdienstmitarbeiterin und leidenschaftliche Patriotin“. Haspel verfüge über mehr als 30 Jahre Erfahrung in dem Metier.

          Gefangene gefoltert, Videos gelöscht

          Unter Kollegen genießt Haspel laut amerikanischen Presseberichten eine gute Reputation. Auch der vom früheren Präsidenten Barack Obama ernannte Geheimdienstkoordinator James Clapper lobte sie. Der ehemalige amtierende CIA-Direktor Michael Morell „applaudierte“ der Ernennung. Kritik äußerten hingegen Demokraten und Bürgerrechtsorganisationen.

          Amerika : Mike Pompeo wird neuer CIA-Direktor

          Laut der „New York Times“ übernahm Gina Haspel „eine direkte Rolle“ bei der Überstellung von Gefangenen in Drittstaaten, wo sie Folter ausgesetzt wurden. Außerdem war Haspel demnach im Jahr 2002 für die brutalen Verhöre von zwei Gefangenen in einem Geheimgefängnis der CIA in Thailand verantwortlich. Einer der Männer, Abu Zubayadah, soll innerhalb eines Monats 83 Mal dem Waterboarding ausgesetzt worden sein, dem simulierten Ertrinken. Sein Kopf wurde wiederholt gegen Wände geschlagen, bevor die Ermittler zu dem Ergebnis gelangten, dass Zubayadah nicht über verwertbare Informationen verfüge.

          Die Verhöre wurden laut der „New York Times“ aufgezeichnet und die Videos in einem Safe in Thailand gelagert. 2005 erging jedoch eine Weisung der CIA-Zentrale, die Aufnahmen zu löschen. Zu dieser Zeit arbeitete Haspel bereits in der Zentrale mit Sitz in Langley, Virginia. Ihr Name tauchte auf der Anweisung auf. Nach Darstellung der CIA hat Haspels damaliger Vorgesetzter die Löschung angeordnet; doch Jahre später wurde Haspel wegen ihrer Rolle bei den Verhörprogrammen und der Löschung der Videos eine Beförderung verwehrt.

          Verschärfte Verhörmethoden wie das Waterboarding von Terrorverdächtigen wurden seinerzeit von der Regierung George W. Bush unterstützt und vom Justizministerium für rechtmäßig befunden. Heute sind sie klar illegal. Auch Präsident Barack Obama sah davon ab, beteiligte CIA-Mitarbeiter für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen.

          CIA-Direktor Mike Pompeo hat sich mehrmals positiv über das Waterboarding geäußert.
          CIA-Direktor Mike Pompeo hat sich mehrmals positiv über das Waterboarding geäußert. : Bild: AP

          Sowohl der neue Präsident Donald Trump als auch dessen CIA-Chef Pompeo haben sich wiederholt für das Waterboarding ausgesprochen. Sie nähren somit die Befürchtung, dass Gefangene in Amerika bald wieder gefoltert werden könnten. Haspels Berufung auf den zweithöchsten Posten der CIA fällt damit zusammen.

          In einem Brief an Präsident Trump äußerten zwei Senatoren der Demokratischen Partei am Donnerstagabend (Ortszeit) ihre Besorgnis über die Personalentscheidung. Gina Haspels „Hintergrund macht sie ungeeignet für diese Position“, schrieben die Senatoren Ron Wyden und Martin Heinrich.

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