https://www.faz.net/-gpf-9t0g5

Klimaschutzabkommen : Amerikas Abdankung

Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Kentucky Bild: AFP

Manche Übertreibung in der Klimadiskussion könnte etwas Skepsis vertragen. Aber eine amerikanische Regierung, die Klimaschutz für Tugendterror hält, hat jedwede Autorität verloren. Der Profiteur ist China.

          1 Min.

          Man kann annehmen, dass die geballte Kritik, aus dem In- und aus dem Ausland, an seiner Entscheidung, den Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen formell zu beginnen, den amerikanischen Präsidenten Trump nicht sonderlich beeindruckt. Mit dem Rückzug erfüllt er ein Versprechen aus dem Wahlkampf; vielen seiner Wähler wird das imponieren. Aber die hatten ihm schon vor drei Jahren abgekauft, dass der energie- und klimapolitische Rückwärtsgang in eine Zukunft großer Prosperität weise. Trump behauptet, dass der international verabredete Klimaschutz die amerikanische Wirtschaft über Gebühr belaste. Überhaupt hält er nicht viel von wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Triebkräfte des Klimawandels. Aber die Kosten einer selbstgefällig-tumben Verweigerung vernünftiger Klimaschutzpolitik werden künftige Generationen zu tragen haben; die Folgen des Klimawandels sind schon jetzt zu spüren und zu sehen.

          Der Auszug aus multilateralen Kooperationszusammenhängen, ob wie jetzt in Sachen Klima oder im Atomkonflikt mit Iran, macht die Vereinigten Staaten nicht stärker, was immer man den Leuten einzureden versucht. Manche mögen es ja toll finden, wenn man allein auf weiter Flur ist (potentielle Nachahmer sind jedenfalls nicht zu erkennen). Aber kann man daraus wirklich Selbstbewusstsein schöpfen? Amerika ist nicht mehr bereit zu einer starken und verlässlichen Führung. Für die Welt bedeutet es eine gravierende Veränderung, wenn die größte Wirtschafts- und Militärmacht einen Kurs der Engstirnigkeit einschlägt. Das relativiert zwangsläufig Wert und Nutzen internationaler Abkommen.

          Als Trump sofort nach Amtsantritt dem transpazifischen Handelsabkommen den Rücken kehrte, war das, ohne eigenes Zutun, ein schöner Erfolg für China. Seine Klimapolitik hat die gleiche Konsequenz: Sie macht Länder, die Verbündete Amerikas sind, zum Premiumpartner Chinas. Die Zusammenarbeit mit Peking bei Klimaschutz und Biodiversität sei jetzt umso dringlicher, hat Frankreichs Präsident Macron gesagt. So wird es kommen. Die Klimadiskussion verträgt durchaus eine gewisse Skepsis. Aber eine amerikanische Regierung, die Klimaschutz für eine Art Tugendterror hält, hat in dieser Debatte jedwede Autorität verloren. Nur die Wähler können das korrigieren.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

          Weitere Themen

          „Tötet ihn mit seiner eigenen Waffe!“

          Sturm aufs Kapitol : „Tötet ihn mit seiner eigenen Waffe!“

          Wer plante den Angriff auf das Kapitol am 6. Januar, und wie viel Verantwortung trägt Donald Trump? Das soll ein Untersuchungsausschuss klären. Bei der ersten Sitzung riefen Aussagen von Polizisten die Brutalität in Erinnerung.

          Topmeldungen

          Sturm aufs Kapitol : „Tötet ihn mit seiner eigenen Waffe!“

          Wer plante den Angriff auf das Kapitol am 6. Januar, und wie viel Verantwortung trägt Donald Trump? Das soll ein Untersuchungsausschuss klären. Bei der ersten Sitzung riefen Aussagen von Polizisten die Brutalität in Erinnerung.
          Ferienzeit in Deutschland: Der Frankfurter Flughafen am 17.07.2021

          F.A.Z. Frühdenker : Corona-Testpflicht für alle Reisenden wohl ab 1. August

          Das Datum für eine erweiterte Testpflicht für Reisende steht, sagt Söder. Wird der Klimaschutz das zentrale Wahlkampfthema? Und im „Cum-Ex“-Skandal wird es wichtige Weichenstellungen geben. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z. Frühdenker.
          Unbedingt querlüften: Klassenzimmer in Düsseldorf

          Corona-Ansteckung : Was Sie über Aerosole wissen müssen

          Die Mehrheit der Deutschen kennt auch im zweiten Corona-Jahr nicht die Ansteckungsgefahr durch Aerosole. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat nun alle Fakten zusammengestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.