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Jamie Raskin : Der Chefankläger gegen Trump

  • -Aktualisiert am

Jamie Raskin trägt am 25. Januar im Senat die Artikel vor, mit denen das nachträgliche Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump begründet wird. Bild: AP

Der Mann, der das Verfahren gegen den früheren Präsidenten vorantreiben soll, hat gerade erst einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Aber er stellt die Verfassung über die eigene Befindlichkeiten.

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          Als Jamie Raskin am 6. Januar zu Beginn der gemeinsamen Plenarsitzung von Repräsentantenhaus und Senat das Wort ergriff, erhoben sich die Mitglieder beider Fraktionen und applaudierten. Es war eine Geste der Solidarität: Der Abgeordnete aus Maryland hatte am Tag zuvor seinen Sohn beerdigt. Der 25 Jahre alte Mann hatte sich – an einer schweren Depression leidend – an Silvester das Leben genommen. Raskins Tochter hatte den Vater noch gebeten, doch lieber nicht zur Arbeit zu gehen. Er aber hatte gesagt, die Bestätigung des Wahlsiegs Joe Bidens sei verfassungspolitisch ein wichtiger Moment. Er schlug vor, sie und ihr Mann sollten ihn doch in den Kongress begleiten.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Als der Mob kurze Zeit nach Raskins Rede das Kapitol stürmte, wurden die Abgeordneten von den Sicherheitskräften umgehend in einen geschützten Raum geführt. Raskin wandte sich noch an seine Büroleiterin: Sie möge die Tochter und den Schwiegersohn, die sich auf der Besuchertribüne des Repräsentantenhauses befanden, in Sicherheit bringen und sie „mit ihrem Leben“ beschützen. Das tat sie. Die beiden wurden in ein Büro gebracht, in dem sie sich unter einem Tisch verschanzten, während die Randalierer draußen gegen die Tür schlugen.

          „Mein ganzes Leben der Verfassung gewidmet“

          Als Raskin kürzlich gefragt wurde, warum Nancy Pelosi, die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses, ihn gebeten habe, die Gruppe der „House Impeachment Manager“ zu leiten, die nun im Senatsprozess gegen Donald Trump die Anklageseite vertreten, erwiderte er: „Weil sie wusste, dass ich mein ganzes Leben der Verfassung gewidmet habe.“ Raskin wirft Trump vor, nach dem Wahltag ein „Pulverfass“ geschaffen zu haben; Hunderte hätten sich auf seine Anweisung hin vorbereitet, Gewalttaten zu verüben. Das von den Republikanern vorgebrachte Argument, ein Impeachement gegen einen ehemaligen Präsidenten sei verfassungswidrig, ergibt laut ihm keinen Sinn: Dann hätte es keine Folgen, dass ein Präsident in den letzten Tagen seiner Amtszeit einen Aufruhr anstifte, um sich an der Macht zu halten.

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          Raskin, 1962 in Washington als Sohn eines politischen Aktivisten geboren, hat in Harvard Jura studiert und an der „American University“ Staatsrecht gelehrt. 2006 wurde der Demokrat in den Senat des Bundesstaates Maryland gewählt; zehn Jahre später bewarb er sich um ein Mandat im Repräsentantenhaus. Er vertritt dort einen Kongressbezirk, der hauptsächlich Teile des Speckgürtels um Washington umfasst.

          Im Kongress hat er sich schnell einen Namen als Fachmann für verfassungsrechtliche Fragen gemacht. Seine Fraktionskollegin Val Demings, die im ersten Impeachment gegen Trump eine der Anklägerinnen war, sagt über Raskin: Als kleines Mädchen habe sie mit Puppen gespielt und ihre Brüder mit Spielzeugsoldaten. Jamie aber habe sich schon als kleiner Junge in die Verfassung vertieft.

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