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Internationale Beziehungen : Trump will die Weltordnung zerstören – na und?

  • -Aktualisiert am

Donald Trump im Juli in Brüssel Bild: Reuters

Welche Absichten der amerikanische Präsident auch haben mag – seine Versuche, die Fundamente der internationalen Politik zu erschüttern, sind aussichtslos. Ein Gastbeitrag

          8 Min.

          Nach einer einwöchigen Europareise, auf der er die engsten Verbündeten Amerikas verunglimpfte und deren größtem Gegner schmeichelte, kann es keinen Zweifel mehr geben, dass der amerikanische Präsident Donald Trump die liberale Weltordnung zerstören will. Diese Ordnung – ein System multilateraler Abkommen, Bündnisse und Institutionen – entstand einst unter der Schirmherrschaft und militärischen Stärke Amerikas aus den Ruinen des Zweiten Weltkriegs. Es reicht von der Europäischen Union und der Nato bis hin zu den seit langem bestehenden Sicherheitsgarantien Washingtons gegenüber asiatischen Ländern wie Japan und Südkorea. Die daraus hervorgegangene Pax Americana legte die Grundlagen für die längste Friedens- und Wohlstandsphase in der Geschichte der Menschheit.

          Seit der Gründung der Nato 1949 gab es in den Vereinigten Staaten den politischen Konsens, dass eine Kritik an der amerikanischen Mitgliedschaft in diesem Bündnis dem Ansinnen gleichkam, das Verbot der Kinderarbeit abzuschaffen. So etwas tat ein Anwärter auf das Präsidentenamt einfach nicht. Trump hat all das verändert.

          Trump und die „obsolete“ Nato

          Neben den vielen Tabus, die Trump während des Wahlkampfs 2016 brach, ging er auch so weit, die Nato als „obsolet“ zu bezeichnen, und seit seiner Amtsübernahme hat er die Sicherheitsverpflichtungen Amerikas gegenüber seinen Verbündeten wiederholt in Frage gestellt.

          Obwohl amerikanische Präsidenten aus beiden Parteien seit Harry Truman stets die politische und ökonomische Integration Europas förderten, unterstützte Trump den Beschluss Großbritanniens, aus der EU auszutreten.

          Und da er sich schon im Wahlkampf als der russlandfreundlichste Präsidentschaftskandidat seit Henry Wallace erwies, kann es kaum überraschen, dass Trump sich bei seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit Wladimir Putin in Helsinki geradezu vor ihm erniedrigte. Als er Putins Leugnen hinsichtlich der russischen Einmischung in die amerikanischen Wahlen stützte, gab er nicht nur den Lügen des russischen Autokraten den Vorzug gegenüber der einmütigen Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste und führender Kongressmitglieder seiner eigenen Partei, sondern vernebelte auch Russlands Feindseligkeit gegenüber amerikanischen Interessen, Werten und Bündnissen.

          Kann er das überhaupt?

          Die Tatsache, dass Trump die liberale Weltordnung zerstören will, vernebelt allerdings auch die wichtigere Frage, ob er das überhaupt kann. Nach Stewart Patrick ist diese Ordnung bereits in Auflösung begriffen. „Innerhalb von 18 kurzen Monaten hat er die Wurzeln westlicher Solidarität ausgerissen und zahlreiche Zweige demoliert, die seine Vorgänger über sieben Jahrzehnte sorgfältig gepflegt hatten“, schreibt er in „Foreign Policy“.

          Die amerikanischen Verbündeten „suchen nach strategischer Autonomie“, heißt es weiter, sie „arbeiten mit China an der Rettung der Globalisierung“ und „versuchen zu verteidigen, was nach der Verwüstung durch deren einstigen Schöpfer von der offenen Welt geblieben ist“. Nach dem „Verzicht Amerikas auf die globale Führungsrolle“ ruhe nun „die ganze Hoffnung liberaler Internationalisten“ auf der Europäischen Union.

          Patrick hat Recht, soweit es Trumps Absichten betrifft. Aber wie viele Analytiker vorschnell den Untergang der liberalen internationalen Ordnung beklagen, so schreibt auch er, als könnten der Kongress oder sogar seine eigene Administration ihm keine Grenzen setzen. In einem anderen politischen System mit geringerer Gewaltenteilung und weniger äußeren Beschränkungen für die Macht eines Präsidenten wäre Trump weitaus gefährlicher. Trumps Verhalten als Geschäftsmann, seine autoritäre Rhetorik und seine oft geäußerte Bewunderung für starke Männer beweisen durchaus diktatorische Neigungen.

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