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Journalist Luke Harding : „Trump ist kompromittiert“

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Sehen Sie sich doch einmal an, was mit Außenminister Rex Tillerson passiert ist. Als der sagte, dass der Giftanschlag auf Sergej Skripal in Salisbury eine Tat des russischen Staats war, und das massiv verurteilte, wurde er zwei Stunden später von Donald Trump gefeuert. Der rechtfertigte die Entlassung später damit, er habe über so einen Schritt schon lange nachgedacht. Aus beste Quellen direkt im Weißen Haus habe ich erfahren, dass Donald Trump einen Wutanfall bekommen hat, als er die Aussage von Tillerson gelesen hat; und war demnach für Argumente nicht mehr zugänglich. Also selbst die Leute im Weißen Haus glauben, dass Trump in einer gewissen Weise die Aufträge einer ausländischen Macht ausführt.

Das ist harter Tobak…

Ja, ich weiß, es klingt außerordentlich, wie ein Plot aus einem Roman, aber leider ist es bis zu einem gewissen Grade Realität, und es geschieht direkt vor unseren Augen.

Sie sehen auch eine Verbindung zwischen dem Mordanschlag auf Skripal und der Arbeit des Sonderermittlers Robert Mueller, der die Einmischung Russlands in den amerikanischen Präsidentenwahlkampf und die Verbindungen zu Trump untersucht. Worin besteht die?

Der Anschlag ist eine Botschaft der Arroganz und Einschüchterung gegenüber Großbritannien, das keine Freunde mehr hat in Europa, keine guten Beziehungen zu Deutschland, sehr schlechte Beziehungen zu Trump. Der Anschlag ist zweitens eine Botschaft an jeden in Russland, und vor allem in den russischen Geheimdiensten, der es erwägt, mit dem Westen zu kooperieren, und im Besonderen mit Sonderermittler Mueller. Allen solchen potentiellen Überläufern wurde gesagt: „Das wird Euch passieren! Wir werden Euch jagen! Und wir werden Euch bekommen! Und Eure Familie gleich mit! Wenn Ihr uns verratet.“ Zudem war die Tat eine Botschaft an den britischen Geheimdienst MI6, der immer noch ein großer Rivale der russischen Dienste ist. Es war der MI6-Mann Christopher Steele, der das Dossier über Trumps Russlands-Verbindungen zusammenstellte, das enormen Schaden für Moskau bedeutete, für Putins Ansehen.

Sind die westlichen Reaktionen auf den Anschlag ausreichend?

Theresa May hat angekündigt, dass Prince William nicht zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland kommen wird. Putin weint, die deutsche Nationalmannschaft weint, alle weinen (lacht). Die Ausweisung von Diplomaten ist okay, aber reicht nicht aus. Was entscheidend wäre, ist, die russischen Geldflüsse nach London zu stoppen. Ein Großteil von ihnen entspringt illegalen Quellen. Und in dieser Hinsicht wurden keine ernsten Schritte unternommen. Die wären aber nötig.

In Deutschland herrscht viel Sympathie für Putin, und viele in der Bundesrepublik glauben nicht an eine Verantwortung Moskaus für den Anschlag auf Skripal. Wie ist das in Großbritannien?

Die Briten haben seit dem Polonium-Mord an Alexander Litwinenko die Botschaft kapiert: Dass in Moskau ein hässliches, zum Teil mörderisches Regime an der Macht ist, das tut, was es will, egal wo. Amerika hat diese Botschaft leider etwas zu spät verstanden. Und ich bin nicht überzeugt, dass sie in Deutschland überhaupt angekommen sind. Ich würde nicht sagen, dass die Deutschen schwer von Begriff sind, aber es gibt dort eine sehr starke Pro-Putin-Lobby, die auch in Industrie und Geschäftswelt sehr stark ist. Ich glaube deshalb, in Deutschland hat man nicht richtig verstanden, mit wem man es in Moskau zu tun hat.

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