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Trump und Iran : Kommt nach der Vergeltung noch die Rache?

Chamenei bei einem Treffen zum Jahrestag des Aufstandes der Bevölkerung von Ghom Bild: dpa

Iran will den Konflikt mit Amerika, der durch die Tötung Qassem Soleimanis angeheizt wurde, offenbar nicht auf die Spitze treiben. Trump auch nicht. Die Gefahr ist trotzdem nicht gebannt.

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          Bei den iranischen Raketenangriffen auf zwei Militärstützpunkte im Irak ist niemand zu Schaden gekommen, so hat es Präsident Trump am Mittwoch berichtet. Andernfalls hätte seine erste Reaktion auch nicht so lapidar ausfallen können: „Alles ist gut.“

          Natürlich ist nicht alles gut. Die Spannung ist hoch, die Furcht vor militärischer Eskalation ebenso. Die iranisch-amerikanische Konfrontation hält die Region in Atem und alle Länder, die dort im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus engagiert sind.

          Dennoch könnte in der Art und dem Umfang des direkten iranischen Angriffs auch ein Zeichen stecken, das Anlass für eine vorsichtige Entwarnung gibt. Denn nach den Drohungen der vergangenen Tage aus Iran, nach den Schwüren von Rache für die Tötung des Generals Soleimani durch die Vereinigten Staaten nimmt sich der Raketenbeschuss fast wie eine Maßnahme aus, die den Konflikt nicht auf die Spitze treiben soll – allerdings auch zeigt, wozu Teheran militärisch in der Lage ist. Die Regierung Trump jedenfalls scheint den Beschuss so zu deuten, als seien amerikanische Soldaten bewusst nicht zum Ziel genommen worden.

          Der iranische Außenminister Zarif hat das Vorgehen als „verhältnismäßig“ verteidigt. Ob damit der nach Soleimanis Tod und den großen Trauerzügen hochgepeitschte Wunsch, Vergeltung zu üben, aus Sicht der Iraner hinreichend befriedigt wurde, wird man sehen. Der geistliche Führer Chamenei hält das Thema Rache offenbar noch nicht für erledigt, und der hat, anders als der Außenminister, das Sagen.

          Man kann nur hoffen, dass die Rationalität zurückkehrt; dass die Beteuerungen, keinen Krieg zu wollen, nicht von neuen Provokationen oder Drohungen konterkariert werden. Das iranische Regime wird das Ziel weiterverfolgen, Amerika aus der Region zu drängen. Trump sollte ihm dabei nicht in die Hände spielen. Ob „maximaler Druck“ Iran dazu bringt, sein Verhalten grundlegend zu ändern, ist zweifelhaft. Eines ist klar: Ein Zurück zu dem Atomabkommen wird es mit diesem Präsidenten nicht geben; schon deswegen nicht, weil es unter Obama ausgehandelt wurde.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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