https://www.faz.net/-gpf-9uuwc

Konflikt um Marine-Offizier : Trump und der „total bösartige“ Gallagher

Von Trump wieder befördert: Der „Navy Seal“-Unteroffizier Edward Gallagher Bild: AFP

Edward Gallagher wurde wegen seines Verhaltens im Irakkrieg degradiert – was vom amerikanischen Präsidenten wieder rückgängig gemacht wurde. In nun veröffentlichten Videos beschreiben Kameraden ihn als einen, der es okay fand, „jeden zu töten, der sich bewegte“.

          4 Min.

          Mitte November hat Donald Trump angeordnet, die Degradierung eines Marine-Unteroffiziers zurückzunehmen, der im Sommer vor einem Militärgericht wegen Kriegsverbrechen angeklagt worden war. Dass Edward Gallagher einen zwölf Jahre alten irakischen Jungen in amerikanischem Gewahrsam erstochen habe, konnten ihm die Ankläger aber ebenso wenig nachweisen wie den Vorwurf, er habe sich mit Schüssen auf einen unbewaffneten Mann und ein Mädchen des versuchten Mordes schuldig gemacht. Verurteilt wurde der Angehörige der Marine-Spezialkräfte „Navy Seals“ am Ende lediglich dafür, neben dem Leichnam des erstochenen Jungen für ein Foto posiert zu haben.

          Anna-Lena Ripperger
          Redakteurin in der Politik.

          Der amerikanische Präsident rechtfertigte sein Eingreifen in den Fall denn auch damit, dass Gallagher „in fast allen Anklagepunkten für unschuldig erklärt worden“ sei. Ein Verfahren, mit dem die Marine nach dem Prozess prüfen wollte, ob der Unteroffizier aus der Spezialkräfteeinheit ausgeschlossen werden sollte, stoppte er.

          Video-Interviews und Textnachrichten von verschiedenen früheren Untergebenen Gallaghers, die der „New York Times“ zugespielt und von der Zeitung am Freitag erstmals veröffentlicht wurden, zeichnen allerdings ein anderes Bild des Unteroffiziers.

          Wie es zum Verfahren gegen den Unteroffizier kam

          Gallagher habe eine „toxische“ Persönlichkeit; er habe es „in Ordnung gefunden, jeden zu töten, der sich bewegte“, sagten Irak-Veteranen, die 2017 mit Gallagher ihren Dienst taten, in Gesprächen mit dem Marineermittlungsdienst NCIS. Der Unteroffizier habe den irakischen Jungen ohne Grund erstochen und seine Untergebenen gezwungen, mit dem Leichnam zu posieren.

          Im Prozess gegen den inzwischen 40 Jahre alten Sanitäter und Scharfschützen Gallagher hatte ein als Zeuge geladener Kamerad des Unteroffiziers allerdings überraschend behauptet, er selbst habe den Jungen getötet, der auf Seiten der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ gekämpft haben soll. Da ihm für seine Aussage zuvor Immunität zugesichert worden war, konnte der Zeuge nicht belangt werden – und Gallagher kam glimpflich davon: Er wurde zu vier Monaten Haft sowie einer Geldstrafe verurteilt und in seinem Dienstgrad zurückgestuft.

          Dass es überhaupt zu einer Anklage kam, hatte mit der Hartnäckigkeit von sieben Angehörigen der „Navy Seals“ zu tun, die über die mutmaßlichen Kriegsverbrechen Gallaghers nicht länger schweigen wollten. Als sie ihre Vorgesetzten bei den „Seals“ ins Vertrauen zogen, wurden sie von diesen aber zunächst zum Stillhalten gedrängt und eingeschüchtert – ihre Äußerungen könnten sie den Job kosten, wie die „New York Times“ im April berichtete. Schließlich wandten sie sich an den Marineermittlungsdienst. Wenige Monate später wurde Gallagher festgenommen.

          „Das Schändlichste , das ich je in meinem Leben gesehen habe“

          Laut der nun veröffentlichten Mitschnitte sagte der Sanitäter Corey Scott den Ermittlern über Gallagher: „Man könnte sagen, dass es für ihn völlig okay war, jeden zu töten, der sich bewegte.“ Craig Miller, einer der erfahrensten Mitglieder in Gallaghers damaligem Team, bezeichnete den Unteroffizier in den Ermittlungen als „total bösartig“. „Ich glaube, Eddie war stolz darauf, und das war für ihn irgendwie Teil des Ganzen.“ Wie Gallagher – Spitzname „Blade“, Klinge – mit dem Körper des Jungen umgegangen sei, sei für ihn, „das Schändlichste gewesen, das ich je in meinem Leben gesehen habe“, sagte Miller.

          Das für Gallagher zuständige Militärtribunal hatte im Verfahren Beweise dafür gesammelt, dass er eine E-Mail mit einem Foto an einen Freund geschickt hatte, auf dem er dabei zu sehen ist, wie er – mit den Worten „Gute Geschichte hinter dieser Sache, habe ihn mit meinem Jagdmesser erledigt“ – den Kopf des toten irakischen Jungen hochhält. Fotos dieser Szene sollen der „New York Times“ ebenfalls zugespielt worden sein.

          Weitere Themen

          Massenproteste in Brasilien Video-Seite öffnen

          Bolsonaros Corona-Politik : Massenproteste in Brasilien

          Zehntausende haben in Brasilien erneut für die Amtsenthebung und gegen die Corona-Politik des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro demonstriert. Kundgebungen waren in mehr als 400 Städten angekündigt.

          Mit Zuckerbrot und Spritze

          Impfdruck in Griechenland : Mit Zuckerbrot und Spritze

          Auch Griechenland führt wie Frankreich und Italien eine partielle Impfpflicht ein. Fast ein Drittel der Griechen will sich nicht impfen lassen, Anreize haben nicht gewirkt.

          Topmeldungen

          Impfgegner demonstrieren in Athen

          Impfdruck in Griechenland : Mit Zuckerbrot und Spritze

          Auch Griechenland führt wie Frankreich und Italien eine partielle Impfpflicht ein. Fast ein Drittel der Griechen will sich nicht impfen lassen, Anreize haben nicht gewirkt.
          Im Fokus: Die Machenschaften der chinesischen Hacker.

          Mysteriöse Website : Wer jagt Chinas Hacker?

          Auf einer Website werden chinesische Hacker enttarnt. Das Material wird sogar vor Gericht verwendet - in den Vereinigten Staaten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.