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Trumps verbotene Wörter : Triggerwarnung für Republikaner

  • -Aktualisiert am

Mitglieder der Menschenrechtskampagne (HRC) demonstrieren auf dem Kapitolhügel für Transgender in den amerikanischen Streitkräften Bild: dpa

Die amerikanische Regierung erklärt bestimmte Worte für unerwünscht, bestreitet aber, dass es sich um Zensur handelt. Tatsächlich dient die Anweisung vor allem dazu, rechtskonservative Abgeordnete zu besänftigen.

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          „Wie bei Orwell“, war wohl einer der häufigsten Kommentare zu der Nachricht, dass die Trump-Regierung ihrer Seuchenkontrollbehörde bestimmte Wörter verbieten wolle. Das erinnerte viele Kritiker an Neusprech, die Sprache aus dem Roman „1984“ von George Orwell. Neusprech wurde erfunden, um das totalitäre Regime abzusichern – Worte und Gedanken, die es gefährden könnten, gibt es in dem Buch nicht mehr. Die „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) seien Ziel einer „Orwellschen“ Maßnahme geworden, sagte ein ehemaliger Regierungsmitarbeiter der „New York Times“. Doch die in Atlanta ansässige Behörde beeilte sich inzwischen, den „Bann“ der Wörter herunterzuspielen: schließlich gehe es lediglich um Formulierungen in Haushaltsdokumenten.

          Unter den sieben unerwünschten Wörtern sind „Transgender“, „Fötus“ und „wissenschaftsbasiert“. Die Anweisungen kommen laut der „Washington Post“ vom Haushalts-Büro OMB (Office of Management and Budget), das das Budget des Präsidenten organisiert. Die Entwürfe der einzelnen Behörden fließen in den Haushalt, den Donald Trump schließlich dem Kongress vorschlägt. Das Gesundheitsministerium, dem das CDC untersteht, teilte mit, es gebe keine verbotenen Wörter. „Das Ministerium wird auch in Zukunft die besten wissenschaftlichen Erkenntnisse nutzen, um die Gesundheit aller Amerikaner zu verbessern“, sagte ein Sprecher. Innerhalb des CDC wartete man nicht bis zur nächsten Woche, sondern bemühte sich noch am Wochenende, die zum Teil entsetzten Angestellten zu beruhigen. Gesundheitspolitische Entscheidungen würden auch in Zukunft auf Grundlage der Wissenschaft getroffen. „Ich kann Ihnen versichern, dass das CDC auch weiterhin seiner Mission als wissenschafts- und evidenzbasierter Institution verpflichtet ist,“ schrieb Direktorin Brenda Fitzgerald am Samstagabend in einer E-Mail an die Mitarbeiter.

          Die Regierung hat unterdessen laut der „Washington Post“ nicht nur das CDC aufgefordert, bestimmte Ausdrücke zu meiden. Auch andere dem Gesundheitsministerium unterstellte Behörden hätten ähnliche Anweisungen erhalten. Eine nicht genannte Abteilung soll laut einem Insider gebeten worden sein, die Worte „(Rechts-)Anspruch“, „Diversität“ und „verwundbar“ nicht mehr zu verwenden. Dort soll auch die Wortwahl rund um die Krankenversicherung verändert werden: statt „Affordable Care Act“ sollen die Mitarbeiter nur noch „Obamacare“ schreiben – und die Plattformen, auf denen Bürger online entsprechende Versicherungen kaufen können, sollen nicht mehr „Markt(platz)“ (marketplace) genannt werden. Eine Begründung wurde nicht bekannt.

          Abgeordnete sollen geschont werden

          Die Angestellten des CDC sollen die unerwünschten Wörter vor allem dort nicht verwenden, wo es darum geht, Donald Trump und die Kongressabgeordneten von den finanziellen Bedarfen der einzelnen Abteilungen zu überzeugen. Laut der „New York Times“ sei das Ziel letztlich, Abgeordnete nicht zu verärgern. Es gehe nicht um Zensur, sondern um Strategie, sagte ein ehemaliger Regierungsmitarbeiter der Zeitung. „Sie sagen lediglich, benutzt diese Formulierungen nicht, wenn ihr um Geld bittet, denn das kann euch schaden“, so der Insider.

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