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Trump junior und Russland : „Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich das“

Donald Trump junior im Januar im Trump Tower in New York – wo auch das Treffen mit der russischen Anwältin stattgefunden hat. Bild: EPA

Donald Trump junior geht in die Offensive – und veröffentlicht E-Mails zu seinem Treffen mit einer russischen Anwältin. Dem amerikanischen Präsidenten schadet die Affäre seines Sohnes bislang kaum. Doch mittelfristig könnte sie zum Problem werden.

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          Die Geschichte um die Russland-Verbindungen von Vertrauten des amerikanischen Präsidenten überrascht mit immer neuen Drehungen und Wendungen. Nun steht der älteste Sohn von Donald Trump, Donald junior, im Kreuzfeuer der Kritik. Er hat zugegeben, sich im Wahlkampf mit der russischen Anwältin Natalia Wesselnizkaja getroffen zu haben – und nun auch den entsprechenden Mailwechsel mit dem Publizisten Rob Goldstone veröffentlicht, der nach seinen Angaben zu der Begegnung mit der Anwältin führte.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Das wäre an sich nicht schlimm; problematisch wird die Sache allerdings dadurch, dass Wesselnizkaja offenbar über Verbindungen zum Kreml verfügt, wie die „New York Times“ bereits zuvor berichtet hatte. Noch schlimmer wird die Angelegenheit dadurch, dass Trump junior das Treffen vorher nicht offengelegt hat. Stattdessen hatte er immer behauptet, er habe sich in seiner Funktion als Mitarbeiter des Wahlkampfteams niemals mit Menschen getroffen, die Verbindungen nach Moskau hätten, hatte die „New York Times“ geschrieben. Die Berichterstattung der Zeitung, die sich zuvor nur auf mit dem Mailwechsel vertraute Personen bezogen hatte, trieb Trump junior letztlich wohl dazu, die E-Mails öffentlich zu machen. Sonderermittler Robert Mueller plant nach Informationen von „cnn“ eine Untersuchung der E-Mails und Treffen.

          Nachteiliges über den Gegner erfahren

          Wie aus dem Mailverkehr hervorgeht, wurde Trump junior vor dem Treffen mit Wesselnizkaja darüber informiert, dass sie dem Wahlkampfstab von Donald Trump potentiell nachteiliges Material über Trumps Konkurrentin Hillary Clinton geben wollte. Ihm solle Material präsentiert werden, das den „Bemühungen Russlands und seiner Regierung“ zur Unterstützung der Wahlkampfes seines Vaters entstamme. Daraufhin antwortete der Trump-Sohn: „Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich das.“

          Trump junior hatte sich zuvor in einer Twitter-Nachricht süffisant mit dem Hinweis verteidigt, er sei offensichtlich der erste Mensch, der sich jemals mit anderen Personen getroffen habe, um im Wahlkampf Nachteiliges über den Gegner zu erfahren. Wahrscheinlich hat er recht damit, dass schon andere Wahlkämpfer einer solchen Versuchung erlegen sind. Doch dass es auch anders geht, zeigt das Verhalten von Al Gores Mitarbeitern: Die hatten im Wahlkampf 2000 von einer anonymen Quelle belastendes Material über den republikanischen Kandidaten George W. Bush zugespielt bekommen. Sie gaben die Unterlagen daraufhin sofort an die Bundespolizei FBI weiter, die eine Untersuchung einleitete.

          Das Treffen im Trump-Tower in New York, an dem auch Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der damalige Manager von Trumps Wahlkampfteam, Paul Manafort, teilgenommen haben, brachte Trump junior zufolge aber keine wichtigen Erkenntnisse – Wesselnizkaja wollte nur über die Sanktionen gegen russische Bürger sprechen. Kushner und Manafort hätten das Treffen nach zehn Minuten verlassen und er habe es nach einer halben Stunde abgebrochen, erklärte Trump junior. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete er außerdem die Botschaft, dass er bereit sei, mit dem Senatskomitee, das die Russland-Verbindungen untersucht, zusammenzuarbeiten.

          Zu viele Verbindungen nach Russland

          Noch ist der amerikanische Präsident in dieser Angelegenheit nur Zaungast. Er lobte sogar seinen Sohn für die „Transparenz“, wie er am Dienstag in einer Stellungnahme, die seine Sprecherin Sarah Sanders verlas, deutlich machte. Ihn belastet die Sache aber trotzdem, wenn auch nur mittelbar. Sie verstärkt nämlich den Eindruck, dass Trumps Mitarbeiter zumindest gewillt waren, Hilfe des Kremls im Präsidentschaftswahlkampf anzunehmen – was verboten ist.

          Zu viele Leute in seiner direkten Umgebung – sein Justizminister Jeff Sessions, sein ehemaliger Sicherheitsberater Michael Flynn, sein ehemaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort und nun auch sein Sohn – haben Kontakt zu Leuten mit Verbindungen in den Kreml gehabt. Und während seine Anhänger das kaum zu stören scheint, erzeugt das im Rest der Bevölkerung ein sehr schlechtes Bild vom amerikanischen Präsidenten.

          Niedrige Beliebtheitswerte

          Das Ziel vieler Gegner Trumps, ihn aus dem Amt zu entfernen, ist damit aber kaum näher gerückt. Solange nicht nachgewiesen werden kann, dass Trump von den Kontakten seiner Vertrauten wusste und diese eventuell sogar gutgeheißen und befördert hat, kann ihm in dieser Causa kaum am Zeug geflickt werden. Derzeit können Trumps Gegner wohl nur hoffen, dass es weitere Enthüllungen geben wird; oder dass die Demokraten spätestens im nächsten Jahr die Parlamentswahl für sich entscheiden können – es stehen alle Sitze im Repräsentantenhaus und 33 Sitze im Senat zur Disposition.

          Falls es den Demokraten gelingen sollte, eine der beiden Kammern von den Republikanern zurückzuerobern, könnten sie anfangen, tiefer zu graben – auch was Trumps Geschäftsgebaren angeht. Zum Beispiel könnten sie dann der Frage nachgehen, warum er sich bis heute weigert, seine Steuererklärung zu veröffentlichen.

          Washington : Senatoren wollen Trump-Sohn zu Russland-Kontakten befragen

          Sollte es tatsächlich so weit kommen, kann Trump wahrscheinlich auch nicht mehr auf große Unterstützung aus den eigenen Reihen hoffen. Seine Beliebtheitswerte dümpeln derzeit bei rund vierzig Prozent dahin und wohl kaum ein Republikaner würde sich zur Verteidigung eines Präsidenten aufschwingen, der von mehr als der Hälfte der Bevölkerung abgelehnt wird.

          Doch die Demokraten dürfen bis dahin nicht über das Ziel hinausschießen, wenn sie ihr Ziel erreichen und Trump aus dem Weißen Haus vertreiben wollen. Die Jagd der Republikaner auf Bill Clinton hat gezeigt, dass ein Präsident, der sich als Märtyrer inszenieren kann, von der Bevölkerung in Schutz genommen wird – Clintons Beliebtheitswerte stiegen damals bis auf mehr als siebzig Prozent.

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