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Trump-Gegnerin : Warrens Gentest-Show

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Tatsächlich musste Warren Kritik von den Ureinwohnern einstecken. Chuck Hoskin, Außenminister der Cherokee-Nation, sagte: „Einen DNA-Test zu benutzen, um Anspruch auf irgendeine Verbindung zur Cherokee-Nation zu erheben, und sei es auch noch so vage, ist unangemessen und falsch.” Kim TallBear, Professorin an der Universität von Alberta in Kanada, sagte, DNA-Tests seien kein geeignetes Mittel, um die eigene Herkunft nachzuweisen. Die Ureinwohner selbst nutzten sie nicht, um Zugehörigkeit herzustellen. Warren und die Amerikaner glaubten dennoch an die Relevanz solcher Tests. „Sie und ein Großteil der amerikanischen Öffentlichkeit privilegieren damit die Stimmen mehrheitlich weißer Genforscher und geben ihnen implizit die Macht, zu definieren, wer ein Ureinwohner ist. Wie Forscher immer wieder zeigen, ist es eines der Privilegien der Weißen, die Identität aller anderen zu definieren und zu kontrollieren”, schrieb TallBear in einer über Twitter verbreiteten Erklärung.

Warren wurde in der Vergangenheit dafür kritisiert, dass sie sich nicht mit Vertretern der Ureinwohner traf, um das Thema zu diskutieren. Indigene Aktivisten werfen ihr vor, ein kulturelles Erbe und eine Erfahrungsgeschichte für sich zu beanspruchen, an denen sie nicht teilhabe und die sie nicht verstehe. „Als heutige Ureinwohner leben wir im Spannungsraum zwischen Donald Trump und Elizabeth Warren, zwischen den Stereotypen, die erfunden wurden, um den Massenmord an unseren Völkern zu entschuldigen und den Stereotypen, die erfunden wurden, um die Vereinnahmung unserer Identität und Kultur zu entschuldigen”, schrieb etwa Rebecca Nagle im Magazin „Think Progress”.

Trump warf Warren stets vor, über ihre Herkunft gelogen zu haben – implizit schwang dabei auch die Annahme mit, sie habe sich Vorteile verschaffen wollen. Tatsächlich gibt es durch die „Affirmative Action”-Programme an Universitäten Quoten für Minderheiten. Warren blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Jura-Professorin zurück – das hält Trumps Anhänger aber nicht davon ab, darüber zu spekulieren, ob sie von ihrem vermeintlichen genetischen Hintergrund „profitiert” haben könnte. Langjährige Kollegen wiesen diese Vermutung in Interviews zurück. Tatsächlich gibt es laut einer Recherche des „Boston Globe” keine Hinweise darauf, dass die Harvard-Universität Warren beschäftigte, weil sie angab, indigene Vorfahren zu haben. Alle Berufungskommissionen ihrer Karriere hätten sie stets als weiße Frau behandelt, so die Journalisten. Allerdings habe Harvard möglicherweise später davon profitiert, dass Warren in einigen offiziellen Dokumenten angab, von Ureinwohnern abzustammen.

Elizabeth Warren liegt in den Umfragen in Massachussetts weit vorn und dürfte ihren Sitz im Senat behalten. Sie deutete unlängst an, dass sie nach der Kongresswahl über eine Präsidentschaftsbewerbung für 2020 nachdenken werde. Bis dahin könnte noch genug Zeit vergehen, bis die Diskussion um ihre Herkunft in Vergessenheit gerät. Doch der Präsident und seine Anhänger werden die Erinnerung daran wachhalten. Warren hat sich und ihrer Partei somit keinen Gefallen getan – sie wird von links und rechts für ihre Entscheidung angegriffen. Und sie tappte letztlich in die Trump-Falle, indem sie sich auf die Provokation und den Konfliktstil des Präsidenten einließ. Auf seine Show reagierte sie mit einer Gegen-Show – so, dass jetzt sogar in Medien wie dem „New Yorker” darüber spekuliert wird, ob Warrens drei Brüder in ihrem Video auftauchen, weil sie „dunkler” aussehen als die Senatorin. Auch, wenn Warren es nicht beabsichtigte: Die Art, wie viele Amerikaner bis heute über „Rasse” sprechen – als eine biologistische Zuschreibung – habe Warren durch ihre Gentest-Show nicht ad absurdum geführt, sondern implizit bestätigt.

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