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Ein Jahr nach Trumps Wahl : „Eine Handgranate im politischen System“

  • -Aktualisiert am

Die letzte Möglichkeit, im Fiskaljahr 2017 ein Gesetz zur Abschaffung von Obamacare zu beschließen, ist Ende September verstrichen. Ist der Plan noch umsetzbar?

Trump hat viel gesagt, und im Bezug auf Obamacare wurde viel Unsinn verbreitet. Trump ist aber auch klug genug, um zu sehen, dass seine Wähler bei diesem Thema eigentlich gegen ihre Interessen geleitet wurden. Wenn Obamacare abgeschafft würde, hätte das negative Konsequenzen für seine Wähler. Die Abschaffung ist mehrmals gescheitert, aber Trump hat erreicht, dass es nicht an ihm haften geblieben ist. Im Gegenteil: Er hat damit seinen ernsthaftesten Herausforderer Paul Ryan versenkt. Er galt als Hoffnung der Republikaner, ihm wird der Fehlschlag aber nun angelastet. Was hierzulande oft als Unfähigkeit ausgelegt wurde, war Taktik und hat Trump nicht geschadet.

Wie realistisch ist der Bau der Mauer zu Mexiko – eines von Trumps wichtigsten Wahlversprechen?

Da werden vermutlich ein paar symbolische Bauabschnitte, ein paar Twitter-Meldungen und einige Fotos reichen, um die meisten zufriedenzustellen. Ich bin viel mehr gespannt, ob Trump die Latinos noch für sich gewinnen kann. Er weiß, dass sie eine wichtige Wählergruppe sind. Wenn er sie verprellt, könnte es beim nächsten Wahlgang eng werden. Bei der letzten Wahl hat er es geschafft, die Weißen zu mobilisieren, die sich eigentlich schon aus dem System verabschiedet hatten. Aber sie sind eine schrumpfende Mehrheit, Latinos hingegen sind im Kommen. Wenn er nun Infrastruktur baut, kann er viele Menschen, insbesondere auch Latinos im Baugewerbe, beschäftigen. Da warte ich auf Überraschungen.

Gehen Sie davon aus, dass Trump sich die gesamte Amtszeit von vier Jahren halten wird?

Man kann es nicht ausschließen und sollte damit rechnen. Man sollte sogar damit rechnen, dass er wiedergewählt wird. Wenn allerdings seitens der Nachrichtendienste und des Sonderermittlers noch etwas ans Licht kommt, dann könnte es aber auch früher zu Ende sein.

Worauf blicken Sie in den kommenden Monaten und Jahren am gespanntesten?

Man kann wie das Kaninchen vor der Schlange stehen oder das tun, was getan werden muss: sich mit diesen Leuten wirklich auseinander zu setzen. Wir haben uns zu lange an der Handtasche Ivanka Trumps festgehalten und versucht, über seine Tochter und seinen Schwiegersohn etwas zu erreichen. Das hat nicht wirklich funktioniert. Aus Sicht der deutschen Politik muss man versuchen, die alternativen Kanäle, die wir haben, nutzbar zu machen.

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