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Fernsehinterview : Donald Trump junior: Es gab nichts zu berichten

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Donald Trump junior bezieht im Interview mit dem Fernsehsender Fox News Stellung zu seinem umstrittenen Treffen mit einer russischen Anwältin. Bild: AP

Donald Trumps Sohn hat sich erstmals zu seinem Treffen mit einer russischen Anwältin geäußert. Sein Vater lobt den Junior für seine Offenheit. Doch Vizepräsident Pence geht bereits auf Distanz. Führende Politiker sprechen von kriminellem Verhalten.

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          Der Sohn von Amerikas Präsident Donald Trump hat sein Treffen mit einer russischen Anwältin im Wahlkampf verteidigt. „Für mich war das eine Recherche über die Opposition“, sagte Donald Trump junior am Dienstag dem Fernsehsender Fox News. Seinem Vater habe er nicht von seinem Treffen mit einer russischen Anwältin erzählt. „Nein, es war nichts, es gab nichts zu berichten“, sagte Donald Trump junior.

          Die Begegnung mit der Anwältin Natalia Weselnizkaja sei „im wahrsten Sinne des Wortes nur 20 vergeudete Minuten“ gewesen, sagte der Präsidentensohn dem Sender. Dies sei „ein Jammer“, fügte er hinzu. Er gab zugleich allerdings zu: „Im Rückblick hätte ich die Dinge wahrscheinlich etwas anders gemacht.“

          Trump junior hatte zuvor einen Mailwechsel mit dem Publizisten Rob Goldstone vom Juni 2016 veröffentlicht. Darin zeigt er sich erfreut über die Aussicht, von Russland belastendes Material über die demokratische Kandidatin Hillary Clinton erhalten zu können. Rechtsexperten zufolge könnten sich die mit der Russland-Affäre befassten Ermittler nun mit der Frage beschäftigen, ob Trump junior gegen amerikanische Wahlgesetze verstoßen hat. Einige Stimmen sprachen davon, die Grenze zum Landesverrat könnte erreicht sein. Der Präsident lobte über seine Sprecherin den Sohn dagegen für die Offenheit, mit der er seine E-Mail-Konversation publik gemacht habe.

          Washington : Senatoren wollen Trump-Sohn zu Russland-Kontakten befragen

          Der Geheimdienstausschuss des Senats will Parlamentskreisen zufolge Trump junior als Zeugen befragen und von ihm die Herausgabe von Dokumenten fordern. Auch der Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses strebt Befragungen an. Dabei gehe es nicht nur um Trumps Sohn, sondern auch um alle anderen Personen, die mit dem Treffen zu tun hatten, sagte der Ko-Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Adam Schiff. „Die größte Gefahr für dieses Land ist meiner Meinung nach, dass die Russen kompromittierende Informationen besitzen“, sagte er. Schiff bezeichnete das Verhalten von Donald Trump junior als „eine Form der Konspiration“. Man müsse davon ausgehen, dass Russland kompromittierendes Material vorliege, dass die Politik von Präsident Donald Trump beeinflussen könnte. „Das amerikanische Volk muss wissen, dass unser Präsident in seinem Namen handelt – und nicht, weil er Angst hat, dass die Russen Dinge veröffentlichen, die ihm oder seiner Familie schaden.“

          Führende Demokraten fordern derweil Konsequenzen. Der demokratische Senator Richard Blumenthal sagte, das Verhalten des Trump-Sohnes zeige „ein Musterbeispiel von krimineller Absicht“.

          Vizepräsident Pence geht auf Distanz

          Nach Bekanntwerden der E-Mails von Trump junior ließ Vizepräsident Mike Pence über seinen Anwalt Marc Lotter eine Erklärung veröffentlichen, in der er sich von der Angelegenheit distanziert. Pence habe von dem Treffen von Trump junior mit der Anwältin nichts gewusst und sei damals noch nicht im Trump-Team gewesen.

          Dies wurde in Washington als ein erstes Zeichen für eine mögliche Absetzbewegung des Vizepräsidenten von Trump gewertet. Das Weiße Haus wies diese Vermutung zurück.

          Was steht in den E-Mails

          Den veröffentlichten Dokumenten zufolge meldete sich Goldstone am 3. Juni 2016 bei dem Sohn Trumps. Ein Klient habe ihn kontaktiert, weil ein russischer Staatsanwalt sich mit dem Vater dieses Klienten getroffen habe und diesem Dokumente über Clinton für Trumps Wahlkampfteam angeboten habe. „Das sind offensichtlich ranghohe und sensible Informationen, aber es ist Teil der Unterstützung Russlands und der Regierung für Herrn Trump (...)“, heißt es in der E-Mail weiter.

          Trump junior antwortete am selben Tag: „Es sieht so aus, als ob wir Zeit hätten, und wenn es das ist, was Du sagst, liebe ich es, besonders später im Sommer.“ Damit meinte er belastendes Material über Clinton, das näher am Wahltermin im Herbst besonders nützlich sein könnte. In dem weiteren Schriftverkehr vereinbarten beide einen Termin. Goldstone erwähnt in diesem Zusammenhang eine „Anwältin der russischen Regierung“.

          Russische Anwältin bestreitet Kreml-Kontakt

          Natalia Veselnitskaja, die Anwältin, mit der sich der 39 Jahre alte Sohn Trumps am 9. Juni 2016 getroffen hat, bestritt, jemals für den Kreml gearbeitet zu haben. Vom Kreml hieß es, man kenne die Frau nicht. Trump junior hatte schon zuvor zugegeben, dass ihm vor dem Treffen „hilfreiche Informationen“ versprochen worden seien.

          Mit der Veröffentlichung der E-Mails reagierte Trump junior auf einen Bericht der Zeitung „New York Times“. Sie hatte am Montagabend geschrieben, dass Goldstones E-Mail darauf hindeute, dass die russische Regierung Quelle der potentiell schädlichen Informationen gewesen sei. Es gebe aber keinen Beweis dafür, dass die versprochenen Informationen in Zusammenhang mit den Hackerangriffen auf die Demokraten stünden, schrieb die Zeitung weiter. Amerikas Geheimdienste beschuldigen Moskau, hinter Attacken auf E-Mailkonten der Demokraten zu stehen.

          Informationen über Clinton : Trump-Sohn sprach mit russischer Anwältin

          Die amerikanischen Geheimdienste werfen dem Kreml vor, sich auf diese Weise in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um Trump zu helfen und seiner Konkurrentin Clinton zu schaden. Ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob es dabei um Absprachen mit Trumps Wahlkampflager gab.

          Präsident Trump erfuhr nach Angaben einer Sprecherin erst in den vergangenen Tagen von dem Treffen seines Sohnes. Bei dem Gespräch im Juni waren außer Donald junior auch Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und der damalige Wahlkampfchef, Paul Manafort, anwesend.

          Trump junior war am Dienstag abermals bemüht, die Begegnung herunterzuspielen. Die Medien und die Demokraten hätten es extrem auf die „Russlandgeschichte“ abgesehen, schrieb er auf Twitter. „Wenn dieses Nonsens-Treffen alles ist, was sie nach einem Jahr haben, verstehe ich die Verzweiflung!“ Sein Anwalt sagte der „New York Times“, sein Mandant habe nichts Falsches getan, werde aber mit den Ermittlern zusammenarbeiten.

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