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Trump bei der Queen : Speziell rumpelnde Beziehungen

Zwei gespaltene Nationen

Nicht in Abrede lässt sich stellen, dass beide Nationen gleichermaßen tief gespalten sind. Die Briten scheiden sich am Brexit, die Amerikaner an Trump. Das ausgerechnet die zwei kulturellen Führungsmächte des Westens im Griff von Ideen und Personen sind, die als „populistisch“ beschrieben werden, liegt auch an ihren Gemeinsamkeiten. „Die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich waren die Avantgarde der wirtschaftlichen Globalisierung in den achtziger und neunziger Jahren, und ihre Gesellschaften daher die ersten, die die Verwerfungen erfahren haben, welche die Globalisierung bei den Mittelschichten angerichtet haben“, erklärt Robin Niblett, Direktor des Chatham House in London. „Es ist also wenig überraschend, dass die beiden Länder die populistische Welle anführen.“ Niblett entdeckt darin sogar etwas Tröstliches: „Sie dürften die ersten Länder sein, die das Phänomen auch wieder abflauen sehen.“

Und dann wirft Goodhart noch einen Blick auf die Domokratiemodelle: Beide besäßen ein „kaum aufzubrechendes Zweiparteiensystem, das populistische Strömungen schlechter absorbieren kann als die europäischen Koalitionsdemokratien ohne Mehrheitswahlrecht“. Mit anderen Worten: In Britannien und Amerika gewinnt der Populismus, oder er gewinnt nicht.

Zusammenarbeit zwischen London und Washington

Bei allen verbindenden Erfahrungen – seit Trumps Amtsantritt knirscht es in der Zusammenarbeit zwischen London und Washington. Die ganze Verlegenheit der Beziehungen spiegelt sich schon in der Entstehung dieses Besuchs wieder. Theresa May war die erste Regierungschefin eines großen europäischen Landes gewesen, die sich kurz nach Trumps Einzug ins Weiße Haus, im Januar 2017, nach Washington wagte. Während zu Hause viele den Kopf schüttelten ob der frühen Ehrerbietung an einen „Rassisten“ und „Frauenfeind“ (Labour-Chef Jeremy Corbyn), fanden sich beim Spaziergang im Rosengarten beider Hände. May bemühte sich zwar rhetorisch um Mindestabstand, lud Trump dann aber zur allgemeinen Überraschung auf einem Staatsbesuch ins Königreich ein. Zu Hause musste sie festzustellen, dass das gar nicht so einfach werden sollte. Die Oppositionsparteien zeigten sich entrüstet. Mehr als eine Million Briten unterschrieben eine Petition gegen den Staatsbesuch. Parlamentspräsident John Bercow kündigte an, dem amerikanischen Präsidenten kein Rederecht im Hohen Haus einzuräumen; da hatte Trump noch gar nicht danach gefragt.

So wurde aus dem Staatsbesuch diplomatisch quälende eineinhalb Jahre später, eine Arbeitsvisite – eigentlich mehr eine Durchreise des Präsidenten, der vorher beim Nato-Gipfel in Brüssel gewesen war und nachher den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki traf. Mit der Queen gab es nur eine kurze Tasse Tee, dann sah er sich mit May „ein paar unglaubliche Antiterrorismus-Dinge“ an der Militärakademie Sandhurst an; der Rest war eher unerquicklicher Polit-Talk mit der Premierminsterin und eine Partie Golf auf seinem eigenen Platz in Schottland.

Fast wirkte es, als rebellierte Trump auf seine Art gegen das Format des Besuchs. Als er im Blenheim-Palast, Churchills Geburtshaus, gegenüber May Platz nahm, platzte die Nachricht ins Festdinner, dass er von den Verhandlungskünsten seiner Gastgeberin wenig hielt. Das hatte er kurz zuvor einem Reporter der „Sun“ anvertraut – und dabei gleich noch Boris Johnson, der gerade als Außenminister zurückgetreten war, in höchsten Tönen gelobt. Der würde sein Land sicher „großartig repräsentieren“ und habe für das höchste Regierungsamt „alles, was man braucht“.

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