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Massaker in Orlando : Keine Zeit zum Trauern

  • -Aktualisiert am

Einreiseverbot für Muslime: Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Manchester Bild: dpa

Donald Trump nutzt das verheerende Massaker von Orlando für Angriffe auf Muslime – und geriert sich als Beschützer von Amerikas Homosexuellen.

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          John Lewis ist eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung. Der demokratische Kongressabgeordnete, der an Martin Luther Kings Seite kämpfte, hält sich aus politischen Nickligkeiten heraus. Doch am Montag platzte ihm der Kragen. „Donald, du musst mal die Klappe halten“, schrieb er auf Twitter. „Gib dem amerikanischen Volk Zeit zu trauern.“ Doch Donald Trump denkt nicht daran, nach dem Massaker von Orlando seinen Ton zu mäßigen. Am Montag verstärkte er seine Attacken auf die Muslime in Amerika und in der Welt – und auf Barack Obama und Hillary Clinton als angebliche Erfüllungsgehilfen des „radikalen Islams“.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.

          Der Republikaner bekräftigte seine Forderung nach einem Einreiseverbot. Als Präsident werde er „Einwanderung aus Gegenden der Welt aussetzen, wo es bewiesenermaßen eine Geschichte des gegen die Vereinigten Staaten, Europa oder unsere Verbündeten gerichteten Terrorismus gibt“. Das solle gelten, „bis wir völlig verstanden haben, wie wir diese Bedrohungen beseitigen“. Die Formulierung war ein bisschen anders als im Dezember. Unmittelbar nach dem Anschlag von San Bernardino hatte Trump gefordert, bis auf weiteres gar keine Muslime mehr ins Land zu lassen. Mutmaßlich versuchte Trump nun, juristische Bedenken aus dem Weg zu räumen: Während ein Religionstest für Einreisewillige sowohl illegal als auch schwer zu bewerkstelligen wäre, nehmen sich die Vereinigten Staaten wie andere Länder schon heute das Recht, für Einreisen aus verschiedenen Staaten unterschiedliche Maßstäbe anzulegen.

          Ein amerikanischer Christ aus Hawaii und kein kenianischer Muslim

          In den vergangenen Monaten hatte Trump mehrmals abwiegelnd auf die Vorläufigkeit seines Vorschlags hingewiesen. Jetzt aber machte er deutlich, dass er die Koexistenz von Muslimen und anderen Amerikanern auf lange Sicht für problematisch hält. Omar Mateen ist 1986 in Trumps Heimatstadt New York geboren; seine Eltern waren zuvor aus Afghanistan nach Amerika gekommen. „Unter dem Strich heißt das“, sagte Trump nun in New Hampshire, „dass der Mörder nur in Amerika war, weil wir seine Eltern hereingelassen haben.“ Trump vermied jede Unterscheidung zwischen Muslimen und militanten Islamisten. Er gab sich überzeugt, dass „die Muslime“ Mitwisser der Terroristen seien. „Die Muslime müssen mit uns zusammenarbeiten“, forderte der Präsidentschaftskandidat. „Sie wissen genau, was los ist. Sie wissen, dass er (Omar Mateen) böse war. Sie wussten, dass die Leute in San Bernardino böse waren... Aber sie haben sie nicht preisgegeben... Also bekamen wir Tod und Zerstörung.“

          Trump warf Präsident Obama vor, er nehme die „politische Korrektheit“ wichtiger als die Sicherheit der Amerikaner. Am Sonntagabend hatte Trump in erprobter Weise insinuiert, dass Obama obskure Gründe haben könnte, islamistische Terroristen gewähren zu lassen. Wie üblich legte er den Vorwurf ungenannten „Leuten“ in den Mund. „Die Leute können nicht glauben“, sagte Trump im Sender Fox News, „dass sich Präsident Obama so verhält... Da geht irgendetwas vor sich.“ So wie es „die Leute“ laut Trump jahrelang nicht glauben konnten, dass Barack Hussein Obama ein amerikanischer Christ aus Hawaii und kein kenianischer Muslim sei.

          Die Zeitung „Washington Post“ hatte über Trumps Andeutung im Internet kurzzeitig unter einer zugespitzten Überschrift berichtet: „Donald Trump legt nahe, dass Präsident Obama mit dem Orlando-Massaker zu tun hatte.“ Nach einer Stunde schwächte die Zeitung die Schlagzeile ab, aber der republikanische Präsidentschaftskandidat beklagte sich bitter über die „Lüge“ und wies seine Mitarbeiter an, Reportern der Zeitung keinen Zugang zu Kundgebungen oder Pressekonferenzen mehr zu gewähren.

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