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Trump-Affäre mit Pornostar? : Futter für den Boulevard

  • -Aktualisiert am

Evangelikale unbeeindruckt von Trumps Affäre

Trump ist auch nach den vermeintlichen Enthüllungen noch der Mann, auf den zum Beispiel die Evangelikalen im Lande ihre Hoffnungen setzen. Sie sind eigentlich diejenigen, bei denen dem Präsidenten ein Untreue-Drama am ehesten schaden könnte. Glaubt man ihren Funktionären, sind die religiösen Christen aber bislang nicht sehr beeindruckt von der Posse um den Pornostar. Tony Perkins, Präsident des evangelikalen „Family Research Council“, sagte gegenüber „Politico“, seine Leute stünden trotz der Geschichte immer noch hinter Trump. Manche mögen Trumps Benehmen zwar nicht, seine Politik wiege das aber auf. „Wir haben ihm einen Vertrauensvorschuss gegeben“, sagte Perkins.

Kein Wunder – Trump war beispielsweise der erste Präsident, der ein Grußwort beim „Pro Life“ Marsch hielt: Die Evangelikalen wollen die Rechte von Frauen, über ihre Fortpflanzung selbst zu bestimmen, gern drastisch einschränken. Sie überraschten bei der letzten Wahl durch ihre hohe Wahlbeteiligung – etwa 80 Prozent waren laut „Politico“ für Trump. Sein Rückhalt unter Evangelikalen ist zwar wieder zurückgegangen und liegt laut einer Umfrage des Pew-Forschungszentrums nur noch bei 61 Prozent, aber dies hängt nicht mit den jüngsten privaten Entwicklungen zusammen.

Fokus auf Trumps Politik

Insbesondere für Männer aus diesem Spektrum braucht es mehr als eine einvernehmliche Affäre des Präsidenten, um ihr Vertrauen in ihn zu erschüttern. Tony Perkins, der evangelikale Aktivist, sagte gegenüber „Politico“, dass seine Leute vor allem die Effekte von Trumps Politik bewerten, weniger sein Privatleben. „Vom politischen Standpunkt aus betrachtet, hat Trump so viel geliefert wie kein anderer Präsident, den ich erlebt habe“, so Perkins. Auch andere sind zu Kompromissen bereit. Franklin Graham, Pastor und Sohn des berühmten Fundamentalisten Billy Graham, sagte im Radio: „Wir erwarten von Trump nicht, dass er der Pfarrer der Nation ist.“

Aber auch Kritiker aus anderen Richtungen sehen nicht ein, dass Trumps einvernehmliche Beziehungen politisiert werden sollten. Eheliche Untreue ist zwar nach wie vor ein Problem in der amerikanischen politischen Kultur – man denke an den Skandal um eine einvernehmliche außereheliche Beziehung, der den demokratischen Kandidaten John Edwards zu Fall brachte. Doch immer mehr Kommentatoren wollen diese Fixierung aufs Moralische nicht mitmachen. Viel wichtiger sei es, den Hinweisen nachzugehen, dass Donald Trump Frauen sexuell belästigt und beleidigt habe. Aber ob Melania Trump wütend ist, ob sie über Trennung nachdenkt, warum sie nicht mit nach Davos gefahren ist – alles Privatsache, kommentierte Jill Filipovic bei CNN. Man möge sich doch bitte nicht auf einvernehmlichen Sex konzentrieren, der zwischen Donald Trump und einer Frau stattgefunden haben könnte, sondern auf die Kritik an seiner Politik. Wenn überhaupt, dann müsse es um die Herkunft des Schweigegeldes gehen, so Filipovic: „Journalisten sollten fragen, woher das Geld für das Schweigen von Stormy Daniels kam – und wir alle sollten Melania in Ruhe lassen.“

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