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Wirtschaftsberater Gary Cohn : Trump-Berater kritisiert Präsidenten wegen Charlottesville

  • Aktualisiert am

Donald Trump mit seinem Wirtschaftsberater Gary Cohn (r.) Bild: AP

Er ist der oberste Wirtschaftsberater Trumps. Beim Thema Charlottesville ist er allerdings nicht auf einer Linie mit dem Präsidenten. In einem Interview macht er seinem Ärger Luft – und kündigt Großes an.

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          Gary Cohn, einflussreicher oberster Wirtschaftsberater des amerikanischen Präsidenten, hat Donald Trump für dessen Reaktion auf die Zusammenstöße bei einer Rechtsextremen-Kundgebung in Charlottesville kritisiert. Trump hatte danach „vielen Seiten“ die Schuld gegeben und Rassisten und Neonazis nicht beim Namen genannt. Cohn sagte der „Financial Times“ vom Freitag: „Diese Regierung kann und muss besser darin werden, solche Gruppen konsequent und unzweideutig zu verurteilen und alles dafür zu tun, die tiefen Risse in unseren Kommunen zu heilen.“

          Cohn, der jüdischen Glaubens ist, war nach Charlottesville unter erheblichen Druck gekommen, sich als eine der wichtigsten Figuren des Weißen Hauses öffentlich gegen Trumps Reaktion zu stellen. Spekulationen über Cohns Rücktritt aus Protest hatten auch die Börse und den Dollarkurs bewegt.

          „Als ein patriotischer Amerikaner widerstrebt es mir, meinen Posten zu verlassen“, sagte Cohn. Er fühle sich aber auch verpflichtet, seinen Kummer über die Ereignisse der vergangenen beiden Wochen zu äußern. „Bürger, die für Gleichheit und Freiheit aufstehen, dürfen niemals mit weißen Rassisten, Neo-Nazis und dem Ku-Klux-Klan gleichgesetzt werden“, sagte Cohn.

          Eine solch prominente, öffentliche Äußerung Cohns ist selten und bemerkenswert. Cohn war einer der Hauptgegner von Stephen Bannon, Trumps geschasstem Chefstrategen. Cohn leitet den nationalen Wirtschaftsrat, der den Präsidenten in Wirtschaftsfragen berät. Trump hasst öffentliche Äußerungen, zumal kritische und über Medien veröffentlichte, aus seinem innersten Kreis.

          Trommeln für große Steuerreform

          Cohn sprach in dem Interview mit der „Financial Times“ aber nicht nur über Charlottesville. Er kündigte außerdem an, der Präsident wollte ab der kommenden Woche für eine große Steuerreform werben. Der Republikaner werde am Mittwoch dazu im Bundesstaat Missouri eine Rede halten, sagte Cohn. Danach seien weitere Auftritte geplant, bei denen Trump darlegen wolle, warum die Reform nötig sei. Letztlich liege die Verantwortung dafür im Kongress.

          Cohn warb dafür, die Möglichkeiten zur Steuerabschreibung von Unternehmen zu verringern. Dafür soll der Steuersatz für alle Firmen sinken. Mittelfristig würden die Staatseinnahmen zwar zurückgehen. Durch eine Ankurbelung der Konjunktur würden sie aber letztlich deutlich steigen.

          Der frühere Goldman-Sachs-Manager machte sich auch dafür stark, dass Konzerne keine zusätzlichen Steuern zahlen müssen, wenn sie ihre im Ausland erzielten Gewinne in die Vereinigten Staaten überweisen. „Unser jetziges System beinhaltet im Prinzip eine Strafe, wenn man den den Firmensitz in den Vereinigten Staaten hat.“

          Die Steuerreform ist eines der wichtigsten Wahlversprechen Trumps. Er ist dafür auf die Mitarbeit der Republikaner im Kongress angewiesen. Dort scheiterte bereits Gesundheitsreform, für die sich die Konservativen sieben Jahre lang starkgemacht hatten.

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