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Tötung von Qassem Soleimani : Trumps Kriegserklärung

  • -Aktualisiert am

Bagdad am Neujahrstag: Anhänger pro-iranischer Milizen protestierten vor der amerikanischen Botschaft gegen die amerikanischen Luftschläge. Bild: dpa

General Qassem Soleimani organisierte Anschläge und Aufstände, um Iran die Vormacht in der Region zu sichern. Mit seiner Tötung setzt Amerikas Präsident Donald Trump Teheran unter Zugzwang – und riskiert einen großen Krieg am Golf.

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          Die Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani stellt alles in den Schatten, was es in den vergangenen Jahren an Eskalation im amerikanisch-iranischen Verhältnis gegeben hat. Aus iranischer Sicht ist der von Präsident Donald Trump angeordnete Luftschlag auf den Kommandeur der Revolutionsgarden eine Kriegserklärung.

          Denn der Hardliner Soleimani galt als enger, vielleicht gar engster Vertrauter des Obersten Führers Ali Chamanei in der iranischen Führungsriege. Viele hielten ihn für mächtiger als beispielsweise den Staatspräsidenten Hassan Rohani. In allen Spekulationen darüber, wer eines Tages dem kranken, 80 Jahre alten Ajatollah Chamenei als „geistlicher Führer“ folgen könnte, spielte Soleimanis Name eine wichtige Rolle. Vielen Iranern ist er schon seit den achtziger Jahren geläufig, als Soleimani im iranisch-irakischen Krieg für seinen Heldenmut gefeiert wurde.

          Aus Washingtoner Sicht freilich ist es Iran, das schon seit vielen Jahren eine Art verdeckten Krieg gegen Amerika, amerikanische Interessen und amerikanische Verbündete in der arabischen Welt führt – befehligt von jenem General, den Trump jetzt in der irakischen Hauptstadt Bagdad zusammen mit hohen Funktionären pro-iranischer Milizen töten ließ. Die wichtigsten Schauplätze dieses Krieges sind Syrien, der Jemen, der Libanon, der Irak und der Persische Golf. Doch Soleimani hat den Krieg auch schon in ferne Länder auf anderen Kontinenten tragen lassen; die iranische Terrorspur ist lang.

          Mit „Nadelstichen“ wird sich Iran nicht begnügen

          Auch für Oberbefehlshaber Trump stellt der Abschussbefehl alle anderen Militäroperationen in den Schatten, die er seit seinem Amtsantritt vor knapp drei Jahren befohlen hat. Denn im Gegensatz etwa zum Terrorführer Abu Bakr al Bagdadi, den die Amerikaner vor wenigen Monaten in Syrien töteten, sind es diesmal keine versprengten Dschihadisten, die den Amerikanern Rache schwören. Es ist die Führung eines stolzen Staates mit großer Armee, starken paramilitärischen Kräften und vielen verbündeten Milizen.

          Auch Trumps Vorgänger George W. Bush und Barack Obama hätten Gelegenheiten gehabt, den Feind Soleimani auszuschalten. Sie unterließen es, nicht weil sie auf die Maske des Vermittlers hereingefallen wären, die sich der iranische General im Irak-Krieg gelegentlich aufsetzte. Sie unterließen es aus Angst vor einem weiteren großen Krieg am Golf.

          Trump wird mit dem Befehl in den ersten Tagen des Wahljahres 2020 nicht zuletzt das Ziel verfolgt haben, sich gegen den Vorwurf zu immunisieren, er habe Iran mit seiner erratischen Mittelost-Politik noch gestärkt. Zwar leidet Teheran unter den Sanktionen, die Trump nach seinem Ausstieg aus dem Atomabkommen einseitig verhängte. Doch sein weitgehender Rückzug aus Syrien war ein Geschenk an die Iraner, die dort weiter Fuß fassen. Mit einer Reihe von Luftschlägen auf Stellungen proiranischer Rebellen im Irak hatten die Amerikaner erst vor wenigen Tagen eine neue Welle antiamerikanischer Empörung im Irak verursacht – zur Freude Irans.

          Wie Teheran nun reagiert, ist noch nicht abzusehen. Mit „Nadelstichen“ wie im vorigen Sommer, als die Iraner Schiffe im Golf von Oman angriffen, dürfte es die sehr auf Gesichtswahrung bedachte Führung kaum bewenden lassen. Nicht nur die verbliebenen amerikanischen Soldaten in der Region müssen jederzeit mit Vergeltungsschlägen rechnen.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

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