https://www.faz.net/-gpf-98hx9

Trumps angebliche Affäre : „Jetzt ist alles herausgekommen, wovor ich Angst hatte“

  • -Aktualisiert am

Pornodarstellerin Stephanie Clifford alias Stormy Daniels spricht mit CBS-Moderator Anderson Cooper über ihre Affäre mit Donald Trump. Bild: Reuters

Der Versuch, Stormy Daniels zum Schweigen zu bringen, ist gescheitert. Die Pornodarstellerin spricht in einem Fernsehinterview über ihre angebliche Affäre mit Donald Trump. Davor habe sie geschwiegen, weil sie bedroht worden sei.

          4 Min.

          Es gab Public Viewing-Partys in Bars, „Dark and Stormy“-Cocktails inklusive – und am Ende zwar wenig Neues über die intimen Details der angeblichen Affäre von Stephanie Clifford, die in der Pornobranche unter dem Namen Stormy Daniels bekannt ist, und Donald Trump, dafür aber einen neuen Vorwurf. Clifford sprach in der CBS-Sendung „60 Minutes“ mit dem Journalisten Anderson Cooper.

          Das Gespräch drehte sich weniger um die sexuelle Begegnung mit Donald Trump als um die späteren Versuche, die Pornodarstellerin zum Schweigen zu bringen. Clifford sagte, sie sei nach dem Ende der Affäre bedroht worden und habe sich auch Sorgen um die Sicherheit ihrer Tochter gemacht. Deswegen habe sie 2016 letztlich 130.000 Dollar Schweigegeld akzeptiert und die Affäre mit Trump öffentlich geleugnet. Ein Mann habe sie bereits im Jahr 2011 auf einem Parkplatz in Las Vegas bedroht: Wenn sie rede, könne ihr etwas passieren. Cliffords Tochter sei dabei gewesen. „Ein hübsches Mädchen, es wäre schade, wenn seiner Mutter etwas passieren würde,“ soll der Mann gesagt haben.

          Sie sei nicht zur Polizei gegangen, weil sie Angst gehabt habe. Aus dem selben Grund habe sie die Affäre später auch abgestritten. Dann, als Trump die Nominierung der Republikaner in der Tasche hatte, habe Michael Cohen ihr die 130.000 Dollar angeboten. Sie habe akzeptiert, weil sie noch immer Angst gehabt habe. Cohen dagegen hat mehrfach geleugnet, dass er oder das Trump-Team irgendetwas mit mutmaßlichen Drohungen zu tun hatten.

          Im Vorfeld des Interviews gab es Kritik an Clifford: Sie wolle nur Geld, hieß es immer wieder, und das habe sie auch von Trump durch die Affäre gewollt. „Wer würde nicht die Gelegenheit nutzen, um mehr Geld zu machen und bessere Angebote zu bekommen?“ fragte Clifford. Das Interview garantiere ihr keinerlei Vorteile – im Gegenteil, jetzt habe sie genau die Art von Aufmerksamkeit, die sie durch ihr Schweigen jahrelang habe vermeiden wollen. „Jetzt ist alles herausgekommen, wovor ich damals Angst hatte – und ich habe keine Million Dollar. Sie haben mir heute nicht mal Frühstück ausgegeben“, sagte sie zu Moderator Anderson Cooper.

          War das Schweigegeld eine illegale Wahlkampfspende?

          Laut Clifford hatten sie und Donald Trump nur einmal Sex. Er wollte ihr demnach auch einen Auftritt bei seiner Show „Celebrity Apprentice“ besorgen, daraus wurde jedoch nichts. Der Kontakt brach ab. Clifford verkaufte ihre Geschichte lange vor Trumps Wahlkampf an die Zeitschrift „In Touch“. Seine Anwälte kündigten dem Verlag juristische Schritte an, die Drohung auf dem Parkplatz in Vegas soll danach gekommen sein. Letztlich wurde das Interview mit dem Boulevard-Magazin erst in diesem Jahr veröffentlicht.

          Dass sie während des Wahlkampfes dann das Schweigegeld annahm, hätte eine Sache zwischen ihr und dem späteren Präsidenten sein können. Doch nicht der zahlte die 130.000 Dollar, sondern sein Anwalt Michael Cohen. Kritiker sagen nun: Das war wegen der unmittelbaren Nähe zum Wahlkampf eine unerlaubte Spende, denn Einzelpersonen dürfen nur eine bestimmte Summe für Wahlkampagnen geben. Und das Schweigegeld habe einen klaren Zusammenhang mit der Wahl. Cohen behauptet, dass es sein persönlicher Freundschaftsdienst für Trump gewesen sei, der nichts mit der Kampagne zu tun gehabt hatte.

          Anderson Cooper interviewte in der Sendung nicht nur Stephanie Clifford sondern auch ihren Anwalt Michael Avenatti. „Es ist eine Gangster-Taktik, jemanden mit einer Klage über 20 Millionen Dollar zu bedrohen. Und das unterscheidet sich nicht von der Drohung auf dem Parkplatz,“ sagte er.

          Warum spricht Clifford jetzt?

          Stephanie Clifford will wegen der mutmaßlichen Einschüchterungsversuche klagen und bot an, die 130.000 Dollar zurückzugeben, um frei reden zu können. Nun tut sie es, obwohl ihr ihrerseits eine Millionen-Klage droht. Im Interview mit Anderson Cooper betonte sie, ihr früheres Abstreiten der Affäre habe am Druck gelegen. Aber jetzt sei sie es leid – und sie glaube, dass es wichtig sei, über Trump und seine Versuche, sie zum Schweigen zu bringen, zu sprechen. Gleich am Anfang des Interviews machte sie eines klar: Sie sei kein „Metoo“-Fall, kein Opfer sexueller Belästigung oder Zwang. Nur die Einschüchterung und der Versuch, sie mit Geld zum Schweigen zu bringen, sei in ihren Augen das Problem – die sexuelle Begegnung mit Trump schilderte sie zwar als nicht sonderlich erfreulich, aber sie ließ keinen Zweifel daran, dass alles einvernehmlich war. Zu der Tatsache, dass Trump damals verheiratet war, wolle sie nichts sagen.

          Das wohl unterhaltsamste Detail des Interviews drehte sich um das schon zuvor berichtete Versohlen des Trump’schen Hinterns mit einem Magazin, auf dessen Cover er abgebildet gewesen sei. Clifford erinnerte sich, sie habe ihn gefragt: „Funktioniert das in der Regel für dich, dieses konstante Reden über dich selbst bei Frauen?“ Daraufhin sei Trump perplex gewesen, sie habe gesagt: „Man sollte dich hiermit schlagen“ – und so sei es zu dem kurzen spielerischen „Spanking“ gekommen, das seit Wochen durch die Boulevardpresse geistert. Trump sei von nun an überzeugt davon gewesen, dass Clifford „anders“ und „schlau“ sei – und er habe ihr dann auch persönliche Fragen gestellt.

          Kein eindeutiger Beweis für die Affäre

          Was es am Sonntag bei CBS nicht gab, war ein eindeutiger Beweis für die Affäre – sie wolle zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren, ob sie Textnachrichten und ähnliches besitze, sagte Clifford. Die Pornodarstellerin ist nicht die einzige Frau, die zur Zeit versucht, aus einer Schweigevereinbarung mit Donald Trump herauszukommen: Auch das frühere Playboy-Model Karen McDougal trat in der vergangenen Woche bei Anderson Cooper auf.

          Der Versuch, Clifford zum Schweigen zu bringen, ist gescheitert, selbst die Drohung einer Millionenklage hielt sie nicht von ihrem Auftritt ab. Ihre Aussagen könnten rechtliche Konsequenzen haben – zumindest, wenn die Behörden den Vorwurf der unlauteren Wahlkampfspende für glaubhaft halten. Für Donald Trump, der zum Thema beständig schweigt, ist die Pornodarstellerin durch ihre Offenheit eine unangenehme Gegnerin. Sie bot wenig Angriffsfläche, da sie kaum intime Details zum Besten gab und nicht leugnete, dass sie finanzielle Interessen hat und von ihrer jetzt erhöhten Bekanntheit profitieren könnte. Das „New York Magazine“ nannte Clifford denn auch kürzlich die „perfekte Anti-Donald-Trump“. In ihr habe er endlich eine ebenbürtige Gegnerin gefunden. Clifford sei in vielem schließlich das Spiegelbild Trumps: Beide hätten lange von der Show gelebt und wollten ihr Geld vermehren.

          Weitere Themen

          Die Angst vor der Vertreibung

          Unruhen in Ostjerusalem : Die Angst vor der Vertreibung

          In Jerusalem gärt es seit Wochen. Die mögliche Enteignung von Palästinensern hat jetzt zu den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren beigetragen. Selbst Washington ermahnt die Netanjahu-Regierung.

          Topmeldungen

          Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, verfolgt die Rede Boris Palmers beim digitalen Landesparteitag der Grünen.

          Ausschlussverfahren der Grünen : Belastet der Fall Palmer Baerbocks Wahlkampf?

          Die Grünen wollen den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ausschließen. Der sieht dem Verfahren optimistisch entgegen. „Es ist gut und reinigend, wenn jetzt die ganze Palette an Vorwürfen einmal aufgearbeitet wird“, sagt er der F.A.Z.
          So winkt die Siegerin: Schottlands Regierungschefin Sturgeon am Sonntag vor dem Bute House in Edinburgh

          Schottland : London spielt Sturgeons Wahlsieg herunter

          Nach dem abermaligen Wahlsieg der Schottischen Nationalpartei drängt die Regierungschefin Nicola Sturgeon auf ein zweites Unabhängigkeitsreferendum. London will bislang nichts davon wissen.
          Israelische Sicherheitskräfte während einer Demonstration gegen den geplanten Räumungsprozess im Stadtteil Scheich Jarrah am 8. Mai

          Unruhen in Ostjerusalem : Die Angst vor der Vertreibung

          In Jerusalem gärt es seit Wochen. Die mögliche Enteignung von Palästinensern hat jetzt zu den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren beigetragen. Selbst Washington ermahnt die Netanjahu-Regierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.